Die Trainerentlassung von Gunther Baumann beim 1. FC Nürnberg 1964/1965

Trainerentlassung von Gunther Baumann 1964/1965 1. FC Nürnberg

Bildquelle: Markus Unger from Vienna, Austria [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Beim 1. FC Nürnberg drehte sich in der Anfangszeit der Bundesliga-Geschichte das Trainerkarussell mit hohem Tempo. Allein in der ersten Saison 1963/64 im Oberhaus des deutschen Fußballs wurden drei Trainer beschäftigt. Herbert Widmayer wurde im Oktober 1963 von Jenö Csaknady abgelöst und zum Ende der Saison musste der erfolglose Ungar seinen Platz räumen und es folgte Gunther Baumann, mit dem der 1. FCN in die Saison 1964/65 startete. Aber nach nur einem Jahr wurde auch er entlassen.

Um die hohen Ambitionen der Vereinsoberen zu erfüllen, schien Gunther Baumann eine gute Wahl zu sein. Denn der Trainer, der von allen nur „Bello“ genannt wurde, kannte den Club und das Innenleben des Vereins sehr gut, da er zwischen 1949 bis 1956 als Spieler für den 1. FC Nürnberg tätig war.

Spieler freuten sich auf Trainer Baumann

Aber auch die Spieler waren über die Trainerwahl glücklich, denn Baumann galt als ein sehr umgänglicher Mensch. Das beweisen die Worte von Nandl Wenauer, der unter Baumann spielte: „Als wir erfuhren, dass Jenö Csaknady uns verlässt und Gunther Bello Baumann unser neuer Trainer wird, atmeten wir auf. Von Baumann wussten wir, dass er ein Praktiker ist, ein Mann von echtem Schrot und Korn. Gunther Baumann rückte den Fußball wieder in den Mittelpunkt der Trainingsarbeit. Seine Devise lautete: zurück zum Fußball, zurück zum spielerischen Moment. Das Offensivspiel war wieder Trumpf, der Mauerfußball künftig streng verpönt. Unter Gunther Baumanns Regie machte das Fußballspielen wieder Spaß. Unsere Gegner bekamen wieder Respekt vor uns. Herausgespielte Siege stellten sich ein. Unter Gunther Baumann hatten wir auch wieder individuelle Freiheiten. Von Gunther Baumann wurden wir wieder wie erwachsene Menschen behandelt.“

Baumann schaffte es, der verunsicherten Mannschaft wieder mehr Selbstvertrauen einzuarbeiten und so präsentierte sich der 1. FC Nürnberg in der Saison 1964/65 als sehr spielstark und durchaus erfolgreich. Nach der Hinrunde lagen die Franken mit 17:13 Punkten auf einem guten 4. Platz. Doch zum Ende der Spielzeit blieb der Erfolg aus. Der 1. FC Nürnberg konnte in den letzten sieben Saisonspielen keinen Sieg einfahren, vier Spiele gingen verloren. Dennoch landete der Club am Saisonende auf dem 6. Platz und konnte mit 32:28 Punkte eine positive Bilanz vorweisen.

Dicke Luft zwischen Baumann und Club-Vorstand

Die Vereinsoberen wurden angesichts der schwachen Leistungen zum Saisonende aber nervös und waren beunruhigt. Schließlich wurden höhere Ziele verfolgt. Da half es auch nichts, dass der 1. FC Nürnberg unter Trainer Gunther Baumann den attraktivsten Fußball der Bundesliga spielte. Der Club-Vorstand wollte Baumann daraufhin vertraglich zu mehr Absprachen mit seinem technischen Leiter Alv Riemke verpflichten und es sollten einige Klauseln in den Vertrag verankert werden. Bei Baumann stoß diese Idee auf wenig Gegenliebe, da er sich nicht in seinen Kompetenzen als Trainer beschneiden lassen wollte. Der Trainer ließ sich auch dann nicht auf einen Kompromiss ein, als der 1. FC Nürnberg ihm 500 Mark mehr im Monat bot.

„Das ist für mich Charaktersache! Lieber verdiene ich als Regionalligatrainer nur 1000 Mark! Aber dreinreden lasse ich mir nichts! Wenn viele dreinreden, kommt bestimmt nichts heraus. Selbst wenn ich trockenes Brot essen muss, ich verkaufe mich nicht“, lauteten die klaren Worte von Baumann. So trennten sich die Wege und Gunther Baumann verließ den 1. FC Nürnberg bereits nach nur einem Jahr. Als neuen Trainer für die Saison 1965/66 wurde dann wieder Jenö Csaknady verpflichtet.

Gunther Baumann wechselte dagegen zum FC Schweinfurt 05, mit denen er 1966 völlig überraschend Meister in der Regionalliga Süd wurde. Interessant war auch sein Privatleben, denn er betrieb die Vereinsgaststätte des 1. FC Nürnberg, ehe er die Geschicke des Postens 1955 an seine Frau übertrug. Erst nach Ende seiner Trainerkarriere übernahm er wieder die Führung der Vereinsgaststätte. Am 7. Februar 1998 verstarb der ehemalige deutsche Nationalspieler (2 Spiele)! Gunther Baumann wurde 77 Jahre alt!