Belinda Bencic als Favoritenschreck auf den Spuren von Martina Hingis

Belinda Bencic auf den Spuren von Martina Hingis

Bildquelle: Keith Allison from Hanover, MD, USA [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Die 21-jährige Schweizerin Belinda Bencic hat beim WTA-Premiere-5-Turnier in Dubai die halbe Weltelite des Damentennis schockiert. So besiegte die ungesetzt ins Turnier Gestartete ab dem Achtelfinale gleich vier Top-Ten-Spielerinnen der Weltrangliste, darunter mit Simone Halep, Elena Switolina und im Finale Petra Kvitova gleich drei Schwergewichte der Center Courts des Erdballs. In Budapest hingegen setzte sich die Favoritin und Vorjahressiegerin Alison van Uytvanck erneut durch.

Bei den Herren verpasste der blutjunge Kanadier Felix Auger-Aliassime nach einer historischen Finalteilnahme einen ebensolchen Turniersieg. Beim Sandplatzturnier in Rio de Janeiro unterlag er nach einer mit einfachen Fehlern und Nervosität übersäten Vorstellung dem Serben Laslo Djere in zwei Sätzen.

 

Der 20-jährige Stefanos Tsitsipas machte es in Marseille gegen den ebenfalls starken Mikhail Kukushkin beim ATP-250-Finale vor allem wegen seines starken Rückschlagspiels beim 7:5 und 7:6 besser.

Das 203-Fache des Einsatzes

20.327,34 Euro hätte der ausgeschüttet bekommen, der zu Beginn des WTA-Premiere-5-Turniers in Dubai 100 Euro auf einen Erstrundenerfolg von Belinda Bencic gesetzt und die jeweilige Auszahlung Runde für Runde in weitere Siege der Schweizerin investiert hätte – bis zu ihrem Gewinn des Titels am Sonnabend. Im Finale schaltete die zu Wochenbeginn noch auf Rang 45 der Tennis Weltrangliste Damen platzierte Bencic mit Petra Kvitova (Tschechien) schließlich die Vierte klar gegen sie favorisierte Top-Ten-Spielerin in Serie aus, besiegte sie 6:3, 1:6, 6:2 nach einer Spielzeit von einer Stunde und 45 Minuten.

Zuvor hatten vom Achtel- bis Halbfinale Aryna Sabalenka (Weißrussland), Simona Halep (Rumänien) und Elina Switolina (Ukraine) dran glauben müssen. Bencic hatte jeweils in drei Sätzen gewonnen und somit neben ihrer spielerischen Qualität eine beeindruckende Physis unter Beweis gestellt.

So klar sie indes Außenseiterin für den Gewinn in Dubai war; einer Sensation kam der Turniersieg nicht gleich. Vor dreieinhalb Jahren, damals als gerade 18-Jährige, hatte Belinda Bencic das WTA-Premiere-5-Turnier in Toronto gewonnen. Ein klarer Fingerzeig, dem sie nun mit etwas Verzögerung folgte. Auch die Art und Weise ihrer Auftritte unterstrich jederzeit den Verdienst. Gegen die druckvolle Petra Kvitova wusste sie beherzt zu kontern, setzte ihren Kopf klug ein und präsentierte das letztlich variablere Spiel. Bencic, im WTA Live Ranking auf Rang 23 geklettert, beerbte mit diesem Triumph ihre Landsfrau Martina Hingis, die vor satten 19 Jahren als letzte Schweizerin das Turnier in Dubai gewonnen hatte.

Van Uytvanck verteidigt Titel in Budapest erfolgreich

 

Einen Favoritinnen-Sieg gab es hingegen in Budapest: Vorjahresgewinnerin Alison van Uytvanck präsentierte sich bei ihrer Titelverteidigung dabei als Stehaufmännchen. Gegen die Tschechin Markéta Vondroušová holte die Belgierin beim 1:6; 7:5, 6:2 einen Satzrückstand auf – wie schon im Halbfinale gegen Kateryna Kozlova (Ukraine). In der Vorschlussrunde hatte die topgesetzte van Uytvanck darüber hinaus sogar fünf Matchbälle ihrer Gegnerin abgewehrt.

Der jugendliche Leichtsinn im Weg: 18-jähriger Auger-Aliassime verliert Premierenfinalegegen Djere

In Rio de Janeiro gelang dem Serben Laslo Djere beim ATP-500 auf Sand nicht nur die erste Finalteilnahme auf der Tour, sondern zugleich der erste Turniersieg. Dabei profitierte der 23-Jährige jedoch auch maßgeblich von einer weiteren Premiere: Sein Endspielgegner Felix Auger-Aliassime (18 Jahre/Kanada) bestritt ebenfalls sein erstes Finale und produzierte – sicher auch aufgrund seiner Jugend – viel zu viele nicht erzwungene Fehler. 47 waren es am Ende des 3:6, 5:7. Zudem unterliefen ihm in diesen beiden Sätzen neun Doppelfehler.

Dennoch ließ Auger-Aliassime, der einen neuen Rekord für den jüngsten ATP-500-Finalisten aufstellte, bei einigen der Winnerschläge sein großes Potenzial aufblitzen. Sowohl er (zuvor 104. der Tennis Weltrangliste Herren) wie auch Djere (90.) machten durch ihre jeweils erfolgreichsten Karriereturniere Riesensätze. Vor dem Finale hatte Djere im ATP Live Ranking bereits Platz 50 eingenommen, Auger-Aliassime Rang 59.

Marseille-Sieger Tsitsipas trotz seiner 20 Lenze bereits bei den Besten angekommen

Stefanos Tsitsipas (Griechenland) hat mit 20 Jahren nun sein zweites ATP-Turnier gewonnen. Im Finale des ATP-250 in Marseille besiegte der Australien-Open-Halbfinalist den Kasachen Mikhail Kukushkin, der seinerseits dennoch mit Platz 38 der Weltrangliste ein persönliches Karrierehoch erlangte. Das 7:5, 7:6 für den Griechen beim Hartplatzendspiel in der Provence war qualitativ ein Hingucker. Vor allem das Returnspiel des nunmehr Elften im Weltrang war eine Augenweide.

So parierte er eine Unzahl starker erster Serves seines Kontrahenten nahezu spielend leicht dank Antizipation und Reaktion, sodass der Kasache mitunter kaum einen Vorteil durch seinen Aufschlag erzielen konnte. Am butterweichen Grundlinienspiel des in Marseille an Eins gesetzten Tsitsipas werden die Tennisfreunde wohl noch sehr viele Jahre ihren Spaß haben.

Millimeterentscheidung in Delray Beach

Und gleich noch ein Finale zweier Profis, denen noch ein Titel auf der Tour fehlte. Im Endspiel des ATP-250 in Delray Beach handelte es sich jedoch mit dem Briten Daniel Evans (28 Jahre) und dem Moldawier Radu Albot (29) um Spieler, für die diese Gelegenheit tatsächlich einmalig sein könnte. Umso dramatischer der Entscheidungssatz, der nach je einem 6:3-Durchgang für jeden der Akteure in den Tiebreak ging. Dort hatte Evans gleich drei Matchbälle.

Beim Zweiten hatte er selbst Aufschlag, zweimal musste das Hawk-Eye ran, einmal wurde der Punkt wiederholt, das zweite Mal war der Ball um Millimeter im Aus: 6:6. Wiederum nur Millimeter fehlten Evans gegen den am Netz bereits geschlagenen Albot beim dritten Matchball am Turniersieg. Beim 8:7 bekam Albot seine erste Siegchance in diesem Tiebreak und nutzte sie prompt. Deutsche Tennisspieler hatten mit den Turnierentscheidungen der abgelaufenen Woche nichts zu tun. Der Beste war noch Matthias Bachinger, der in Marseille das Viertelfinale erreichen konnte.


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