Bericht & Ergebnisse zu WWE Evolution - Erster Frauen-PPV der Geschichte

Ergebnisse zu WWE Evolution

Bildquelle: By WWE (WWE.COM) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

In der Nacht von Sonntag auf Montag wurden nicht nur wieder einmal die Uhren umgestellt. Auch in der WWE kam es symbolisch zu einer Zeitenwende. Denn die WWE veranstaltete den ersten reinen Frauen-PPV in ihrer Geschichte. Womit die gestiegene Popularität bei den Fans und auch die Qualität im Ring nun vollends gewürdigt wurden. Eingedenk des kommerziellen Erfolges der WWE Women‘s Division wird Evolution wohl auch kein einmaliger Schuss aus der Hüfte bleiben, sondern fortan ein fester Bestandteil des WWE Kalenders werden. Davon ist auszugehen.

Los ging es mit einem “Blast from the Past“. Trish Stratus und Lita traten gegen Mickie James und Alicia Fox in einem Tag Team Match an. Stratus und Lita sind zweifelsohne zwei Pionierinnen aus der Zeit, in der sich erstmalig überhaupt so etwas wie ein aktives Roster an wrestelnden Frauen herausbildete.

Auch wenn es damals noch nicht so groß war wie heute. Insbesondere Trish Stratus ist für das Frauen-Wrestling in der WWE eine symbolisch spannende Figur. Nicht nur wurde sie zur ersten dominanten Championesse der damaligen Diva Division. Sie vollzog diesen Wandel auch äußerst sinnbildlich, indem sie von einem Valet (einer weiblichen Managerin ohne aktive Rolle im Ring) zu einer aktiven Wrestlerin wurde, die sich den Respekt der Fans verdiente und den Titel sieben Mal erobern konnte.

Das Match kam gut bei den Fans an. Und auch wenn bei den beide Pionierinnen der Ringrost etwas vorhanden war, so glich die tolle Stimmung während des Matches das wieder mehr als aus. Ein erster Feel-Good-Moment, als die beiden Veteraninnen den Sieg davon tragen konnten.

Nia Jax gewinnt ersten Women‘s Battle Royal

Anschließend stand ein 20 Women Battle Royal an. Also ein Eliminierungs-Match, bei dem alle 20 Teilnehmerinnen von Anfang an im Ring waren. Wer sich über den nostalgischen Moment gefreut hat, Trish Stratus und Lita noch einmal im Ring zu sehen, der würde hier gleich mehrfach Grund zur Freude haben. Denn so nahmen nicht nur aktive Wrestlerinnen des momentanen Rosters an diesem Match teil. Auch einige Legenden ließen es sich nicht nehmen, hier noch einmal anzutreten. Ein historischer Battle Royal der Frauen, der passenderweise auch mit historischen Vorreiterinnen gespickt war. Darunter Michelle McCool, Kelly Kelly, Molly Holly, Ivory, Maria Kanellis, Torrie Wilson und, was besonders erfreulich war, Alundra Blayze (die immer noch topfit ist).

Alundra Blayze insofern eine spannende Figur, weil sie schon als technisch starke Wrestlerin und weibliche WWF-Championesse in den 90ern promotet wurde, als es so etwas wie eine Frauen-Division quasi gar nicht gab. Unvergessen ihre Ringschlachten mit Bull Nakano, einer legendären Wrestlerin aus Japan, mit der sie sowohl in Japan als auch in der WWE (bzw. damals noch WWF) die Klingen kreuzte. Matches, die auch nach heutigem Maßstab richtig klasse und zum Teil extrem hart geführt waren! Für mich die eigentliche Pionierin des Frauen-Wrestlings und ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus. Zumindest in westlichen Gefilden.

Nia Jax, die derselben Wrestling-Familie wie Yokozuna, The Rock, Rikishi und Co. entstammt, konnte den Battle Royal letztlich für sich entscheiden. Wieder einmal setzte sich somit die größte Teilnehmerin durch. Ihr Sieg gibt ihr nun das Recht, die Raw Women‘s Championesse herauszufordern. Von den altgedienten Gästen konnte vor allem Ivory überraschen, die lange im Ring blieb uns bis unter die letzten sechs überdauerte.

Tony Stark gewinnt Mae Young Classic Finale

Das finale Match des Mae Young Classic Turniers stand als Nächstes auf dem Plan. Das Teilnehmerfeld von eingangs 32 Anwärterinnen hatte sich auf die beiden Finalistinnen reduziert: Tony Stark gegen Io Sharai, die auch als Genius of the Sky bekannt ist. Ein Verweis auf ihre Highflyer Qualitäten. Das Match sah zunächst schönes Chain Wrestling, wo ein Griff an den anderen gereiht wurde. Doch schon bald wurde es ruppig. German Suplexes auf die Ringkante, Moonsaults von der Ecke aus dem Ring sowie eine kleine Strong Style Sequenz (einschließlich krachendem Lariat) sorgten für reichlich Kurzweil. Das Match hätte gut und gerne noch fünf Minuten mehr spendiert bekommen können. Am Ende sicherte sich Tony Stark den Sieg.

Anschließend folgte ein technisch solides Three Women Tag Team Match zwischen Sasha Banks, Bayley & Natalya gegen das Riot Squad. Das ging zwar völlig in Ordnung, griff aber leider auch wieder auf diesen in der WWE völlig überstrapazierten Aufbau zurück. Einer der “Guten“ wird isoliert, immer gerade so am Wechsel gehindert, muss einstecken, bis dann doch das heiß ersehnte Tag gelingt. Dann kommt der Held (oder in dem Fall de Heldin) in glitzernder Rüstung und rettet den Tag. So im Wesentlichen auch hier.

Zum Abschluss drei Titelkämpfe in Serie

Anschließend wurde zum ersten Mal überhaupt der NXT Women’s Championship Gürtel bei einem PPV ausgefochten. Und zwar zwischen der japanischen Piratenbraut Kairi Sane und der ehemaligen MMA-Kämpferin Shayna Baszler (die jedoch auch in Japan schon gewrestelt hat). Eines der besten Matches auf der Card, das wiederum gerne auch ein wenig länger hätte ausfallen können. Was besonders überzeugte: Shayna Baszler als Heel! Sie kann böse gucken und hat Spaß dabei. Endlich mal ein Heel, der auch Heat zieht und als Bösewicht funktioniert. Nicht zuletzt, weil Baszler ein super Gespür für Mimik und Timing in ihren Aktionen hat, das sie so herrlich opportunistisch erscheinen lässt. Insbesondere weil ihre Moves nicht so telegrafiert wirken und alles sehr kompakt bei ihr vorgetragen wird. Mit Schützenhilfe einiger alter Weggefährtinnen aus dem MMA (Jessamyn Duke und Marina Shafir) konnte Baszler sich das Gold erschleichen.

Anschließend kam es zu einem Match, das als wegweisend für das Frauenwrestling gelten kann. In der wohl heißesten Fehde der WWE Women‘s Division bekamen Becky Lynch und Charlotte Flair ihr Grudge Match spendiert: ein Last Woman Standing Match! Das Erste, das jemals von zwei Frauen bestritten wurde. Und es sollte annähernd eine halbe Stunde gehen! Der wohl größte Spot, der zwei Frauen jemals in der Geschichte der WWE bei einem PPV zugestanden wurde. Und somit nach meinem Dafürhalten (Ronda Rousey zum Trotz) der eigentliche Hauptkampf des Abends. Natürlich ging es abermals um den SmackDown Women’s Championship Gürtel.

Frauenwrestling ist endlich oben angekommen!

Das Match wurde mit äußerster Härte geführt, wobei lange Zeit Lynch am Drücker war. Es wurden alsbald Stühle, Tische und Leitern in das Match miteinbezogen. Alles vollkommen legal, da es in einem Last Man bzw. Woman Standing Match keine Disqualifikation gibt. Insofern war dieses Aufeinandertreffen auch als bisher dramatischer Höhepunkt in dieser Fehde zu sehen. Das Einzige, was das Bild ein wenig getrübt hat: Becky Lynch wurde immer noch als der klare Bösewicht hingestellt, obwohl die Fans ganz klar auf ihrer Seite stehen. Flair hat einfach eine viel bessere Heel Aura, sodass die Rollen eigentlich verkehrt sein müssten. Aber vielleicht hat die WWE das endlich begriffen, denn Lynch konnte Flair sauber besiegen, nachdem sie diese mit einer Powerbomb durch einen Tisch befördern konnte und diese nicht mehr den Ten Count des Ringrichters erwiderte und nicht rechtzeitig auf die Beine kam. Ein klarer Sieg für Lynch.

Etwas, was Heels in der WWE selten zugestanden wird. Könnte hier bald ein Rollentausch anstehen? Würde, gemessen an der Publikums-Rezeption, die schon seit Anbeginn der Fehde so ist, auf jeden Fall Sinn machen. Es folgte der Main Event. Ein Kampf um die Raw Women’s Championship zwischen Titelträgerin und WWE Aushängeschild Ronda Rousey und Nikki Bella, die ihrerseits immer noch als am längsten amtierende Titelträgerin in den Geschichtsbüchern steht.

Ronda Rousey mit einem fabelhaften Auftritt

Das Match war überraschend gut und definitiv das bisher beste von Ronda Rousey. Insbesondere weil sie hie nicht als ganz so unzerstörbar dargestellt wurde und Nikki Bella kurz vorm Schluss sogar nah am Sieg schien. Doch natürlich setzte sich Ronda Rousey wieder durch und wird wohl bald schon auf Nia Jax treffen, die körperlich wohl mächtigste Frau im Roster der WWE! Sie könnte die erste Rivalin von Rousey werden, die man auch ohne Weiteres als absolut glaubwürdige Gegnerin super verkaufen kann.

Alles in allem war es eine tolle Show und eine echte Standortbestimmung dafür, was sich im Frauen-Wrestling der WWE so alles getan hat! Technisch sind die Damen mittlerweile nicht nur vereinzelt, sondern im Schnitt ganz nah dran an dem, was die Männer bringen. Die WWE hat hier den Zeitgeist endlich voll und ganz angenommen und Frauen-Wrestling entschieden nach vorne gebracht. Etwas, was technisch in Japan schon vor Jahrzehnten passiert ist. Nun auch in den USA. Frauen-Wrestling ist endgültig aus der Schmuddelecke gekommen. Und dass auch Damen wie Blayze, McCool, Stratus, Lita und Co. zu diesem Anlass noch einmal eingeladen wurden, war eine schöne Geste. Denn die konnten von solchen Rahmenbedingungen zu ihrer aktiven Zeit nur träumen!


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