Saison 1969/70: Trainerentlassung von Branko Zebec beim FC Bayern München

Rückblick auf die Entlassung von Branko Zebec beim FC Bayern 1970

Bildquelle: Daan Noske / Anefo / CC0 [CC BY-SA 0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Zwar war der FC Bayern München unter Trainer Branko Zebec in der Saison 1968/69 äußerst erfolgreich, doch in der darauffolgenden Spielzeit kam es zum Bruch. Sportlich lief es in der Saison 1969/70 beim FCB nicht mehr so rund und außerdem war das Verhältnis zwischen Zebec und der Mannschaft angespannt, weshalb sich die Wege zum Saisonende trennten und Zebec als Trainer von Bayern München entlassen wurde.

Nachdem der legendäre Zlatko „Tschik“ Cajkovski den FC Bayern im Sommer 1968 verließ, um bei Hannover 96 den Trainerposten zu übernehmen, nahm auf der Münchner Trainerbank mit Branko Zebec erneut ein Jugoslawe Platz. Doch abgesehen von der Nationalität hatten die beiden Trainer wenig gemeinsam.

Bayern Trainer Zebec ein harter Knochen

Denn anders als der impulsive „Tschik“ war Branko Zebec ein sehr harter, kompromissloser Trainer, der darüber hinaus für knallharte und lange Trainingseinheiten mit Zirkeltraining und Medizinbällen bekannt war. Das brachte Zebec auch den Spitznamen „Diktator“ ein.

Doch der Fußballlehrer war zugleich ein gewiefter Taktiker, der nicht umsonst nach seinem Mathematik- und Physikstudium ein Jobangebot von der Universität vorliegen hatte. Doch er entschied sich für eine Karriere als Fußballtrainer und durfte nach seiner erfolgreichen Zeit als Coach von Dinamo Zagreb gleich beim FC Bayern das Kommando übernehmen.

Zebec holte mit Bayern München 1969 das Double

Der Auftrag war klar: Aus der jungen und hungrigen Mannschaft um Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller eine Meistermannschaft aufbauen. Diese Mission erfüllte der FC Bayern Trainer Branko Zebec in der Saison 1968/69 mit Bravour.

Bayern München wurde erstmals seit 1932 wieder Deutscher Meister, wobei Zebec während der ganzen Saison gerade einmal 13 Spieler einsetzte. Neben der Meisterschaft führte der 40-Jährige den FC Bayern auch noch zum Gewinn des DFB-Pokals und somit zum ersten „Double“ der Bundesligageschichte.

Trainerentlassung von FCB-Trainer Branko Zebec im März 1970

Doch die Erfolgsgeschichte von Branko Zebec als Bayern Trainer sollte schon bald wieder ein Ende finden. Das fing schon damit an, als Zebec im September 1969 erklärte, dass er seinen auslaufenden Vertrag in München nicht verlängern werde. Zudem lief es sportlich nicht wie gehofft. Im Europapokal der Landesmeister kam bereits in der ersten Runde gegen den französischen Vertreter St. Etienne (2:0, 0:3) das Aus. In der Bundesliga mischte Bayern München zwar lange Zeit im Kampf um die Meisterschaft mit, doch Anfang März gab es aus drei Spielen nur einen Punkt und der Rückstand auf den 3. Platz betrug zu diesem Zeitpunkt fünf Zähler. Eine erfolgreiche Titelverteidigung geriet in immer weitere Ferne, sodass es am 12. März 1970 zur Entlassung von Branko Zebec als Trainer vom FC Bayern kam. Somit ist Zebec der erste Trainer, den der FC Bayern in der Bundesliga gefeuert hat.

 

 

Neben der kleinen sportlichen Krise war zudem das Verhältnis zwischen FCB-Trainer Zebec und dem jungen Münchner „Starensemble“ zerrüttet. Die harten Trainingsmethoden, aber auch die mürrische Art, der rüde Umgangston und „fehlende Wärme“, wie Beckenbauer in seinem Buch „Einer wie ich“ monierte, trugen ihren Teil zur vorzeitigen Trainerentlassung von Branko Zebec bei.

Nach Zebec-Entlassung: Udo Lattek neuer FC Bayern Trainer

Als Nachfolger für den Meistercoach übernahm Udo Lattek das Traineramt beim FC Bayern, der eigentlich erst zur neuen Saison hätte übernehmen sollen. Lattek führte die Roten immerhin noch auf einen versöhnlichen 2. Platz, doch Borussia Mönchengladbach konnte nicht mehr von der Spitze verdrängt werden.

Für Zebec folgten nach seiner Zeit bei FC Bayern noch einige durchaus erfolgreiche Jahre und Stationen als Bundesligatrainer. So sollte es nur vier Monate später für ihn beim VfB Stuttgart weitergehen, wo er zwei Jahre an der Seitenlinie stand. Es folgten Trainerstationen bei Eintracht Braunschweig, dem Hamburger SV, Borussia Dortmund und bei Eintracht Frankfurt, wo er ein Jahr Trainer war. Mitte Oktober folgte dann auch dort die Trainerentlassung einhergehend mit seinem Ende als Trainer. In Deutschland. 1984 folgte noch einmal die Rückkehr zu Dinamo Zagreb, wo er jedoch nur wenige Monate an der Seitenlinie stand.

Harter Trainer mit einigen Stationen in Deutschland

Zurückblickend auf den Trainer Branko Zebec gab es einiges zu erzählen. So galt er als harter Trainer, der schon zu Zeiten beim FC Bayern München, aber auch beim Hamburger SV gerne nach Kies griff, um diese aus seinen Händen rieseln zu lassen. Hintergrund: Damit zählte er die einzelnen Runden seiner Spieler. Irgendwann kam das bei den Spielern des Hamburger SV nicht mehr gut an.

Sie rebellierten nach und nach und dass, obwohl man 1979 endlich wieder die deutsche Meisterschaft gewann. Im Jahr darauf, als Zebec den Unmut seiner Mannschaft auf sich zog, holte man noch die Vizemeisterschaft. 1980 war dann Schluss an der Elbe.

Führerschein weg – Folgen der Alkoholsucht

Kurz vor seiner Trainerentlassung gab es bereits Ärger um seine Person. Nach einer Suff-Fahrt verlor der Kroate seinen Führerschein. Er verfiel immer mehr dem Alkohol und so soll er beim Spiel des HSV gegen Borussia Dortmund 3,25 Promille intus gehabt haben. Erschwerend kam hinzu, dass Branko Zebec sogar während eines Spiels zur Halbzeit in den Mannschaftsbus gesetzt wurde, weil er zu alkoholisiert war, um seinen Job nachzugehen.

 

 

Der Teufel Alkohol nahm sich immer mehr von der Person Zebec. Schlussendlich zog man die Reißleine und entließ den Taktikfuchs, der selbst bei Mannschaftssitzungen regelmäßig alkoholisiert gewesen sein soll.

Günter Netzer: Branko Zebec ein Riesentyp

Günter Netzer, zur damaligen Zeit HSV-Manager wusste schon bei der Verpflichtung von Zebec, dass er ein Alkoholproblem hatte. Wie er ihm helfen konnte, wusste Netzer damals auch nicht. Die Rede ist gar von einem „Riesentypen“, weswegen ihm die Entwicklung des Trainers auch sehr wehtat.

Und auch bei Borussia Dortmund holte ihn seine Krankheit ein. Nach 16 Jahren konnte Branko Zebec die Borussen zurück in den Europapokal führen. Das Tragische passierte jedoch in der Saison 1981/82 als er betrunken von der Trainerbank fiel. Auch bei seiner letzten Station Dinamo Zagreb stand ihm die Alkoholsucht im Weg, was eine weitere Trainerkarriere verhinderte.

Als Zebec im Teppich aus dem Stadion geschleust wurde

Ein weiterer negativer Höhepunkt sollte sich bei Eintracht Frankfurt in der Saison 1982/83 ereignen. Die Alkoholkrankheit des Kroaten war bekannt und so lauerten regelmäßig Journalisten auf, um einen Schnappschuss zu sichern, der den Trainer im betrunkenen Zustand zeigt.

Um dies zu verhindern hatten sich die Verantwortlichen der Frankfurter Eintracht etwas einfallen lassen. Kurzerhand beschloss man, Branko Zebec in einen Teppich einzurollen und ihn unbemerkt an den Journalisten vorbei zu schleusen. Dies gelang auch, aber gleichzeitig dürfte hierbei auch das Ausmaß seiner Sucht erkennbar geworden sein.

Verstorben mit 59 Jahren – Alkoholsucht besiegte Zebec

1988 dann der traurige Schlusspunkt im Leben des Kroaten. Branko Zebec verstarb an den Folgen seiner Alkoholsucht. Er wurde gerade einmal 59 Jahre alt und hätte unter normalen Umständen noch viele Jahre vor sich.

Branko Zebec starb am 26. September 1988 in Zagreb, wo er auf dem Mirogoj-Friedhof bestattet wurde. In Vergessenheit wird der ehemalige Trainer nicht, denn seine Erfolge bleiben für immer in Stein gemeißelt.


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