Die WM-Krone für die Beste des Jahres: Ashleigh Barty

Ashleigh Barty mit Erfolg bei den WTA Finals 2019

Bildquelle: Rob Keating from Canberra, Australia, Australia [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Tennis: Als 15. der Weltrangliste der Damen war die Australierin Ashleigh Barty in die Saison 2019 gestartet, hatte keine Viertelfinalteilnahme eines Grand-Slam-Turniers aufzuweisen, galt als eine klassische Vertreterin der breiten zweiten Reihe hinter den besten Tennisspielerinnen der Welt. In ein paar Monaten hat sie nun große Turniere gewonnen, allen voran die French Open 2019 in Paris, sich auf Weltranglisten-Position eins gesetzt. Und Anfang November krönte sie ihr außergewöhnliches Jahr mit dem WM-Titel: Im Endspiel der WTA Finals gelang es ihr im sechsten Versuch erstmals, die Ukrainerin Elena Svitolina zu besiegen.

Zeitgleich kam es bei den Herren beim ATP Masters 1000 in Paris-Bercy einmal mehr zu dem Phänomen, dass ein Weltranglisten-Erster trotz eines Turniersieges vom Sockel gestoßen wurde. Das Reglement mit den nach einem Jahr schlagartig verfallenden Weltranglisten-Punkten macht es möglich: Der Serbe Novak Djokovic gewann im Finale erwartungsgemäß gegen den jungen Kanadier Denis Shapovalov in zwei Sätzen. Dieser war zuvor per Walk über das Halbfinale gekommen, das der Spanier Rafael Nadal hatte ausfallen lassen, nachdem er sich beim Aufwärmen eine Bauchmuskelverletzung zugezogen hatte. Auf den Gipfel der Weltrangliste der Herren kletterte Nadal gleichwohl.

Barty profitiert von der gewonnenen mentalen Stärke

Eine sportliche Sensation war im ursprünglichen Achterfeld des WTA-Finals im chinesischen Shenzhen im Grunde nicht möglich, weil sämtlichen acht Spielerinnen – inklusive der einspringenden neunten Kiki Bertens (Niederlande) – der Titel zugetraut wurde. Dass sich an der engen Spitze im Damentennis am Ende des Jahres jedoch noch eine Spielerin als die derzeit beste herauskristallisiert hat, lag vor allem an der statistischen Doppelspitze, die allein durch Ashleigh Barty besetzt wird. Sie ist Weltranglisten-Erste und gleichzeitig nun auch Weltmeisterin.

Komplett aus dem Nichts indes war Barty in der Saison 2019 nicht gekommen. Auch zuvor hatte sie starke Elemente in ihrem Spiel, etwa den zackigen Aufschlag. Doch neben spielerischen Verbesserungen im Laufe des Jahres stach eine ganz andere entscheidend hervor: Sie gerät in brenzligen Situationen nicht mehr in Panik, kommt durch die Täler, die Matches und schlechtere Phasen naturgemäß mit sich bringen durch, ohne dabei eine Unmenge an Wettbewerben wegzuschmeißen. Bestes Beispiel waren nun die WTA-Finals. So hatte sie in der Vorrunde gegen Kiki Bertens verloren und gegen Belinda Bencic (Schweiz) ebenso einen Satz im Rückstand gelegen wie im Halbfinale gegen die Tschechin Karolina Pliskova, ehe sie die Partien noch drehte.

Drei von zunächst acht Spielerinnen geben vorzeitig auf

Im Finale gegen die in Shenzhen noch einmal aufgeblühte Svitolina war es die Frühphase des zweiten Satzes, in der sich Barty von dem Nackenschlag des unkonzentriert verlorenen Aufschlagspiels zum 1:2 umgehend erholte. Sie packte das starke Grundlinientennis des ersten Durchgangs wieder aus und erzielte das Rebreak. Schließlich gewann sie das Duell mit 6:4 und 6:3. Für Svitolina tatsächlich etwas bitter, weil sie nicht nur sämtliche fünf Begegnungen mit Barty zuvor siegreich bestritten hatte, zuletzt im März in Indian Wells.

 

 

Svitolina war auch in Shenzhen zumindest statistisch die souveräne Spielerin bis dato: Sie war nicht nur die Einzige, die all ihre Gruppenmatches gewonnen hatte, ihr unterlief dabei noch nicht mal ein Satzverlust. Im Halbfinale dann kehrte sie nach Satzrückstand gegen die formstarke Belinda Bencic zurück, ehe diese im Entscheidungsdurchgang beim 4:1 für Svitolina aufgeben musste. Überhaupt war das Turnier geprägt von etlichen Aufgaben. Von den zu Beginn gestarteten acht Teilnehmerinnen traf es Naomi Osaka (Japan), Bianca Andreescu (Kanada) und eben Belinda Bencic. Auch Kiki Bertens spielte ihre letzte Partie gegen Bencic nicht zu Ende. Nicht zwangsläufig ein Zeichen für eine optimale Terminierung einer sogenannten WM mit den Besten der Besten am Ende einer langen Saison.

Zverev und Berrettini vervollständigen das WM-Teilnehmerfeld

Etwa anderthalb Wochen, bevor es beim ATP-Finale in London auch um die Krone bei den Herren geht, erwischte es also auch Rafael Nadel. Wie schlimm die Bauchmuskelverletzung tatsächlich ist, die er sich vor dem darob abgeblasenen Halbfinale beim ATP Masters 1000 in Paris-Bercy gegen Denis Shapovalov zugezogen hatte, war nicht genau abzusehen. Nadal blickt nach wie vor auf London, eine reine Vorsichtsmaßnahme in Paris ist im Nachhinein demnach nicht ausgeschlossen. Gleichwohl war Shapovalov ein würdiger Finalist beim 3:6 und 4:6 gegen Novak Djokovic, der damit seinen 34. (!) Master-Titel gewinnen konnte – den Fünften in Paris.

Denn ausgerechnet Shapovalov war es anhand des Spielplans in Paris wohl am wenigstens zuzutrauen, dass er so weit vorstößt. Der Grund: Etliche Kontrahenten, die der Turnierbaum für ihn vorsah, hatten noch Chancen besessen, sich mit einem starken Turnier für die WM in London zu qualifizieren. Fabio Fognini zum Beispiel (Italien, 2. Runde), Alexander Zverev (Hamburg, Achtelfinale) und Gael Monfils (Frankreich, Viertelfinale). Während Zverevs Vorleistung schließlich für London reichten, versemmelte Shapovalov den anderen die Teilnahme. Den letzten noch freien Platz nahm der Italiener Matteo Berrettini ein.


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