Handball WM: Halbfinale! Deutschland nach Krimi-Sieg über Kroatien vorzeitig weiter

Matchwinner Frank Wiede: Beim DHB-Sieg über Kroatien erzielte er 6 Tore

Bildquelle: Sven Mandel [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Handball Deutschland steht Kopf: Bei der Heim-WM hat die DHB-Auswahl durch einen hart erkämpften 22:21 (11:11)-Sieg über Kroatien vorzeitig das Ticket fürs Halbfinale gelöst. In einem hochspannenden Spiel inklusive dramatischer Schlussphase machte vor allem mal wieder die überragende Abwehr den Unterschied. Doch die Partystimmung in der Kölner Lanxess Arena wurde durch die schwere Verletzung von Spielmacher Martin Strobel getrübt.

Deutschland darf weiter vom Titel bei der Handball-WM 2019 träumen. Kroatien wurde in einem echten Handball-Thriller niedergerungen und somit der erste Matchball für den Einzug ins Halbfinale gleich verwandelt, welches am Freitag in Hamburg stattfindet. „Ich bin einfach nur happy, dass wir die erste Tür nach Hamburg genommen haben“, freute sich Bundestrainer Christian Prokop.

 

„Für uns ist das momentan die geilste Zeit im Job. Es ist schön, dass wir derzeit auf der Sonnenseite stehen.“

DHB-Offensive betreibt Chancenwucher - Wiede als Matchwinner

Der Kraftakt gegen Kroatien vor 19.250 lautstarken Zuschauern in der restlos ausverkauften Kölner Lanxess Arena war aber nichts für schwache Nerven. Zwar agierte das deutsche Abwehrbollwerk um Patrick Wiencek und Keeper Andreas Wolff wieder auf allerhöchstem Niveau, aber dafür ging die Prokop-Truppe in der Offensive zu leichtfertig mit ihren Chancen um und ließ zahlreiche Hochkaräter liegen. Großer Lichtblick im Angriff war Fabian Wiede, der mit sechs Treffern erfolgreichster Torschütze und verdientermaßen zum „Player of the Match“ gewählt wurde.

„Fabi hat ein unglaubliches Spiel gemacht, er hat wahnsinnig gespielt“, lobte Torwart Wolf den Rückraumspieler von den Berliner Füchsen.

Schock für Deutschland: Strobel schwer verletzt

Deutschland musste allerdings in der Anfangsphase einen Schock verdauen, da sich Martin Strobel in der 9. Minute beim Stande von 2:3 bei einem Zweikampf unglücklich das Knie verdrehte. Die schlimmsten Spielmacher erlitt ein Kreuzbandriss und Innenbandriss im linken Knie diagnostiziert. Damit ist die Handball WM für Strobel natürlich vorzeitig beendet. Für das DHB-Team ein schwerer Rückschlag, ist Strobel doch im Spielaufbau der zentrale Strippenzieher.

Das machte sich auch gleich im weiteren Spielverlauf gegen Kroatien bemerkbar, wenngleich die Mannschaft den Strobel-Auswahl mit viel Leidenschaft und Kampfgeist kompensierte. Dennoch lief Deutschland in einer hitzigen und intensiven Partie zunächst einem knappen Rückstand hinterher und ging erstmals in der 21. Minute durch Hendrik Pekeler mit 8:7 in Führung. Doch das es zur Halbzeit mit einem 11:11-Unentschieden in die Kabine ging, war zu vielen unnötigen Zeitstrafen sowie einer mauen Wurfquote zu verdanken.

DHB mit Achterbahnfahrt in 2. Halbzeit

Kroatien entpuppte sich als der erwartet schwere Gegner, bei dem nach der überraschenden Pleite vom Sonntag gegen Brasilien herzlich wenig Verunsicherung zu spüren war. So blieb die Partie lange Zeit völlig offen, wobei zu Beginn der zweiten Halbzeit beide Abwehrreihen in den Fokus rückten. Nach 39 Minuten stand es 13:13, danach konnte sich aber Deutschland etwas absetzen.

Kai Häfner, Jannik Kohlbacher und Wiede sorgten mit ihren Treffern für einen zwischenzeitliche 18:15-Führung (46.) und die Vorentscheidung lag in der Luft. Doch die kampfstarken Kroaten steckten nicht auf. Nach einer Auszeit von Kroaten-Trainer Lino Cervar riss im deutschen Spiel der Faden. Die DHB-Sieben blieb fast zehn Minuten ohne eigenen Treffer und allen voran Kapitän Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki, die beide nicht Normalform erreichten, scheiterten aus besten Positionen an Keeper Sego. Zudem war die Abwehr in dieser Phase nicht ganz auf der Höhe und so konnten die Kroaten die Partie wieder drehen. Fünf Minuten vor Schluss netzte Jakov Vrankovic mit einem Schlagwurf ein und plötzlich führte Kroatien mit 19:18.

In der Crunch-Time fand Deutschland aber rechtzeitig wieder in die Spur zurück. Wiede, Fäth, Pekeler und Gensheimer waren zur Stelle und bescherten dem Co-Gastgeber der Handball Weltmeisterschaft in einer nervenaufreibenden Schlussphase einen vielumjubelten und hochemotionalen 22:21-Last-Minute-Sieg.

Deutschland streitet mit Frankreich um Gruppensieg

Durch den deutschen Sieg steht auch Frankreich in der Hauptrundengruppe I vorzeitig als Halbfinalist fest. Am Mittwoch streiten sich beide Nationen, die jeweils 7 Punkte auf dem Konto haben, im Fernduell „nur“ noch um den 1. Platz. Dabei kommt es zum einen zum Klassiker im Handball Deutschland Spanien (20.30 Uhr), zuvor treffen die Franzosen auf Kroatien (18.30 Uhr).

Am Freitag stehen dann die beiden Halbfinals in Hamburg an. Deutschland wird dort auf Dänemark, Schweden oder Norwegen treffen. Das skandinavische Trio liefert sich in der Hauptrundengruppe II einen spannenden Kampf um die ersten beiden Plätze. Sollte die deutsche Nationalmannschaft Spanien zum Abschluss bezwingen und Gruppensieger werden, wird man es mit großer Wahrscheinlichkeit mit Norwegen zu tun bekommen. Als Zweiter würde es wohl gegen Co-Gastgeber Dänemark.

Das Finale der Handball WM und Spiel um Platz 3 gehen am Sonntag im dänischen Herning über die Bühne. Bei der ARD und dem ZDF heißt es dieser Tage Handball live, denn die beiden öffentlich-rechtlichen TV-Sender übertragen alle deutschen Partien im Free TV.