Die Trainerentlassung von Rudi Gutendorf 1966/67 beim VfB Stuttgart

Trainerentlassung von Rudi Gutendorf beim VfB Stuttgart 1966/67

Bildquelle: Hobby-Fotograf2013 [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Rudi Gutendorf übernahm das Traineramt beim VfB Stuttgart im Jahr 1965 und wurde im Dezember 1966 entlassen. Mit den Schwaben konnte Gutendorf zwar keine Titel erringen, allerdings machte er sich auf andere Art und Weise in Stuttgart „unvergessen“.

Rudi Gutendorf, der auch wegen seiner defensiven Spielweise beim MSV Duisburg „Riegel Rudi“ genannt wurde, kam in der Saison 64/65 zum VfB Stuttgart und trat die Nachfolge von Kurt Baluses an. In seiner ersten Saison erreicht er mit seiner Mannschaft den 12. Tabellenplatz und konnte sich in der folgenden Saison um einen Rang auf Platz 11 verbessern.

Auf Traumstart folgen zwölf Spiele ohne Sieg

Schon vor der Saison sorgte Rudi Gutendorf mit den Verpflichtungen der ausländischen Spieler Gilbert Gress vom RC Straßburg und Bo Larsson von Malmö FF für Aufsehen. Besonders Gress war nicht nur auf dem Feld, sondern auch abseits des Platzes für Schlagzeilen bekannt. 1966 wurde der Franzose nicht für den WM-Kader zur Endrunde in England nominiert, weil er sich weigerte, seine langen Haare abschneiden zu lassen. Und solche „Typen“ gefielen Gutenberg. Den VfB-Trainer gelang es, beide Neuzugänge zu integrieren und Stuttgart erwischte mit Siegen gegen Nürnberg, Bremen und 1860 einen Traumstart in die Saison 66/67.

Doch dann gab es einen Knacks. Aus den folgenden zwölf Spielen konnte der VfB Stuttgart nur fünf Unentschieden und keinen Sieg einfahren. Zudem legte sich Gutendorf immer wieder mit dem kritischen Publikum in Stuttgart an und beschuldigte darüber hinaus die Presse der Hetze gegen ihn und sein Team. So flog in einer Pressekonferenz eine von Gutendorf geworfene Teetasse gegen die Wand und sorgt für ordentlich Stimmung im Umfeld.

Gutendorf sorgt selbst für seine Entlassung

Zwei Spieltage vor Ende der Hinrunde stand der VfB Stuttgart mit 11:19 Punkten und einer Torbilanz von 20:31 auf Platz 17 und somit einem Abstiegsplatz. Doch nicht der Tabellenstand war Grund für die Trainerentlassung von Rudi Gutendorf, sondern vielmehr sorgte er selbst dafür.

Denn nachdem der Trainer ein Angebot aus den USA erhielt, wo er als Trainer oder General-Manager tätig werden könnte, informierte Gutendorf rein prophylaktisch den Vorstand der Stuttgarter mit folgenden Worten: “Da meine Vorstellungen vom heutigen Leistungsfußball und die absolut notwendigen Bedingungen dazu sich m.E. beim VfB Stuttgart nicht realisieren ließen, möchte ich den Vorstand davon unterrichten, dass ich ein ausländisches Angebot für das neue Spieljahr angenommen habe, meinen laufenden Vertrag jedoch erfüllen werde. Ich schlage allerdings vor, sich frühzeitig nach einem Nachfolger umzuschauen, damit ich ihm beim Einarbeiten noch behilflich sein könnte – falls das gewünscht wird,“ heißt es in der Gutendorf-Biografie “Mit dem Fußball um die Welt”.

VfB Stuttgart reagierte auf Wunsch Gutendorfs

Der VfB Stuttgart wünschte dies jedoch nicht und nach einem vermutlich einzigartigen Brief in der Geschichte der Bundesliga, wurde Rudi Gutendorf am 8. Dezember entlassen. Dieser trat dann wie angekündigt seinen neuen Trainerjob in den USA bei den St. Louis Stars an. Nachfolger von Gutendorf wurde indes Albert Sing, der mit dem VfB am Ende der Saison 66/67 auf dem 12. Platz landete.

Bei den St. Louis Stars blieb Gutendorf dann schließlich bis 1968, ehe er Nationaltrainer von Bermuda wurde. Es sollten noch zahlreiche weitere Stationen als Trainer folgen. Der FC Schalke 04 Ende der 60iger oder auch den Trainerposten von Chile winkten dem Wandervogel zu. Rudi Gutendorf ist als Trainer viel in der Welt umhergekommen. Er ließ sich aber auch immer wieder in Deutschland als Profitrainer blicken und ebenso im europäischen Ausland. Stationen wie der Hamburger SV, TSV 1860 München, Hertha BSC lassen sich zu genüge in seiner Vita entdecken.

Rudi Gutendorf ist quasi ein Botschafter des Fußballs. Und genau als das wurde er auch gesehen. So erhielt Rudi Gutendorf 1997 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen. 2011 folgte das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, welches ihm von Frank-Walter Steinmeier verliehen wurde. Ausgezeichnet wurde er für sein Lebenswerk rund um den deutschen Fußball, einhergehend als Botschafter seines Sports.

Als Ehrentrainer mit über 90 Jahren bei TuS International tätig

Wie steht es um ihn aktuell als Trainer? Rudi Gutendorf betreut er die erste Flüchtlingsmannschaft der TuS International in Koblenz. Die Mannschaft ist auch bei der TuS Koblenz angegliedert. Dort wurde zu seinem 90. Geburtstag, also im Jahr 2016 ein Integrationsturnier geplant. Rudi „Rastlos“ Gutendorf ist mittlerweile 92 Jahre alt und ans Aufhören denkt der Kulttrainer, der in mehr als 30 Ländern als Trainer aktiv war und dabei mehr als 50 Mannschaften trainiert, noch lange nicht.

Welche Nachricht um Rudi Gutendorf wird also die Nächste sein, die es zu veröffentlichen gilt? Hoffen wir, dass der liebenswerte Wandervogel noch einige Jahre auf der Trainerbank verweilen darf und seinen 100. Geburtstag erleben wird.