Trainerentlassung von Franz Seybold beim VfB Stuttgart in der Saison 1964/65

Franz Seybold beim VfB Stuttgart 1964/65 entlassen

Bildquelle: RudolfSimon [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

In der Saison 1964/65 feierte Franz Seybold ein kurzes, aber erfolgreiches Intermezzo auf der Trainerbank des VfB Stuttgart. Denn nach der Entlassung von Kurt Baluses am 22. Spieltag wurde Seybold lediglich für zehn Tage als Interimstrainer berufen, bevor er seinen Platz für den neuen Cheftrainer Rudi Gutendorf räumen musste. Dabei hatte es Seybold lediglich dem Spielplan zu verdanken, dass er den VfB für ein Spiel in der Bundesliga trainieren durfte.

Am 25. Februar 1965 und nur einen Tag nach der Entlassung von Baluses übernahm Franz Seybold den Trainerposten beim VfB Stuttgart. Da die Schwaben zwischen dem 16. und 22. Spieltag nur ein Spiel gewinnen konnten, dabei aber vier Niederlagen kassierten und in der Tabelle im weiter durchgereicht wurden, musste Baluses seinen Hut nehmen. Auf Platz elf liegend hatten die Stuttgarter lediglich zwei Pünktchen Vorsprung vor Schlusslicht Hertha BSC und es machte sich Nervosität breit.

Franz Seybold als Aushilfstrainer auf der Bank

Mit Rudi Gutendorf hatte der VfB Stuttgart ziemlich schnell einen neuen Trainer an der Leine, der das Team vom Neckar wieder in erfolgreiche Gewässer führen sollte. Doch bevor der redegewandte Trainer seine Arbeit aufnehmen konnte, sah er sich offenbar in einer moralischen Zwickmühle. Denn der VfB Stuttgart spielte am 23. Spieltag gegen den Meidericher SV – jener Mannschaft, bei denen Gutendorf seinerseits erst wenige Tage zuvor entlassen wurde. Der neue VfB-Trainer verzichtete, sodass Franz Seybold als Aushilfstrainer zum Einsatz kam.

Seybold war als Spieler selber viele Jahre für den VfB Stuttgart aktiv und trainierte zu diesem Zeitpunkt in der Nachwuchsabteilung, wo er einige Erfolge feiern konnte. Doch für insgesamt zehn Tage durfte der ehemalige Verteidiger nun die Profis trainieren. Das reichte, um der Mannschaft neues Leben einzuhauchen. Denn gegen den Meidericher SV gewann Stuttgart prompt mit 4:2, wobei die Seybold-Elf zwischenzeitlich noch eine 2:0-Führung verspielte. Doch dank zweier später Tore von Hans Arnold und Hartmut Weiß behielt der VfB Stuttgart die wichtigen Punkte zu Hause und konnte gegen den Favoriten für eine Überraschung sorgen.

Seybold räumt Trainerstuhl für Gutendorf

Nach den erfolglosen Vorwochen konnte Franz Seybold endlich mal wieder für positive Stimmung bei den Württembergern sorgen. Doch nach dem Erfolg gegen Duisburg musste Seybold seinen Platz für Gutendorf räumen, während er sich wieder dem Nachwuchs widmete. Von einer Trainerentlassung kann aber nicht gesprochen werden, da sich Seybold, wie erwähnt als Aushilfstrainer zur Verfügung stellte.

In der Saison 1969/70 durfte sich Seybold aber erneut als VfB Stuttgart Trainer beweisen – diesmal aber für einen deutlich längeren Zeitraum. 1973 kam es dann zum endgültigen Bruch mit dem VfB-Präsidenten Welpert, woraufhin Seybold den Verein in Richtung SpVgg 07 Ludwigsburg verließ.

Über Kriegsgefangenschaft und Titel

Damit endete seine Trainerkarriere in der Bundesliga und vor allem eine Ära beim VfB Stuttgart, die er bereits mit 12 Jahren in der Jugend des Klubs begann. Nur sechs Jahre später debütierte Franz Seybold in der ersten Mannschaft und so wurde er mit 23 Jahren erstmals Meister in der Gauliga Württemberg. 1937 und 1938 wiederholte der spätere Trainer des VfB Stuttgart dieses Kunststück erneut.

In den Kriegswirren berief ihn der damalige Reichstrainer Sepp Herberger in die Nationalmannschaft. Allerdings kam es zu keinem Einsatz, da der „totale Krieg“ ausgerufen wurde und daher bis Kriegsende keine Länderspiele ausgetragen wurden. Seybold selbst geriet in Kriegsgefangenschaft, wo er bis 1950 verblieb. Am 22. September 1978 verstarb Franz Seybold mit 66 Jahren. Über seine familiäre und private Situation ist kaum bis gar nichts bekannt.