Alle FDGB-Pokalsieger der DDR

Alle FDGB-Poklsieger in der Übersicht

Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 183-G0612-0203-003 / Schaar, Helmut / [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Auch die ehemalige DDR hatte während ihres Bestehens einen nationalen Pokalwettbewerb im Fußball: Den sogenannten FDGB-Pokal! Der Wettbewerb wurde zwischen 1949 bis 1991 insgesamt 40 Mal ausgetragen. Sport-90 verrät alle FDGB-Pokalsieger und liefert darüber hinaus interessante Rekorde und Statistiken rund um den früheren DDR-Pokalwettbewerb.

Der FDGB-Pokal war in der DDR das Gegenstück zum DFB-Pokal. Der bedeutendste Pokalwettbewerb im Fußball, wobei sich hinter dem Kürzel FDGB der damalige Dachverband „Freie Deutsche Gewerkschaftsbund“ versteckt. Darüber hinaus gab es in puncto Modus und Teilnehmer einige Parallelen zwischen dem FDGB-Pokal und DFB-Pokal.

FDGB-Pokal der DDR: Modus und Teilnehmer

So wurde auch der FDGB-Pokal im K.o.-Modus ausgetragen, wobei die Mannschaften aus den höchsten beiden Spielklassen der Deutschen Demokratischen Republik automatisch als Teilnehmer qualifiziert waren. Damit ist die DDR-Oberliga als auch die zweitklassige DDR-Liga bzw. Fußball-Liga, die meist nur Liga genannt wurde, gemeint.

Vervollständigt wurde das Teilnehmerfeld im FDGB-Pokal durch zahlreiche andere Mannschaften, die sich wiederum über Pokalwettbewerbe in den einzelnen DDR-Bezirken das Ticket sicherten. Der FDGB-Pokalsieger ging in der folgenden Saison auf internationalem Parkett an den Start und war für den Europapokal der Pokalsieger qualifiziert.

FDGB-Rekordsieger: 1. FC Magdeburg & Dynamo Dresden gleichauf

Erstmals wurde der FDGB-Pokal 1949 ausgetragen. Den Debüt-Titel gewann der BSG Waggonbau Dessau, die sich durch einen 1:0-Finalsieg gegen BSG Gera Süd einen Platz in den Geschichtsbüchern sicherten. Es sollte zugleich der einzige Pokalsieg des Klubs aus Sachsen-Anhalt bleiben.

Weitaus erfolgreicher waren der 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden im FDGB-Pokal unterwegs. Die beiden bekannten DDR-Klubs räumten jeweils siebenmal den Titel ab und sind somit geteilter FDGB-Rekordsieger. Magdeburg triumphierte in den Jahren 1964, 1965, 1969, 1973, 1978, 1979 und 1983. Bemerkenswert: Der 1. FC Magdeburg hat nicht ein einziges Pokalfinale verloren. Außerdem waren die Magdeburger der einzige DDR-Klub, der jemals einen Europapokal gewann. Das war 1974, als man den AC Mailand 2:0 in die Schranken wies und den Europapokal der Pokalsieger holte.

 

 

DDR-Pokalsieger bzw. FDGB-Pokalsieger in der Übersicht

 

Saison FDGB-Pokalsieger
1949 BSG Waggonbau Dessau/ SV Dessau 05
1949/50 BSG EHW Thale / SV Stahl Thale
1950/51 nicht ausgetragen
1951/52 SG Volkspolizei Dresden / Dynamo Dresden
1952/53 unterbrochen - 1954 fortgesetzt
1954 ZSK Vorwärts Berlin / FC Vorwärts Berlin / Frankfurter FC Viktoria 91
1954/55 SC Wismut Karl-Marx-Stadt/ Erzgebirge Aue
1956 SC Chemie Halle-Leuna / Hallescher FC
1957 SC Lokomotive Leipzig
1958 SC Einheit Dresden
1959 SC Dynamo Berlin / BFC Dynamo
1960 SC Motor Jena / FC Carl Zeiss Jena
1961 nicht ausgetragen
1961/62 SC Chemie Halle-Leuna / Hallescher FC
1962/63 BSG Motor Zwickau / BSG Sachsenring Zwickau / FSV Zwickau
1963/64 SC Aufbau Magdeburg / 1. FC Magdeburg
1964/65 SC Aufbau Magdeburg / 1.FC Magdeburg
1965/66 BSG Chemie Leipzig
1966/67 BSG Motor Zwickau / BSG Sachsenring Zwickau / FSV Zwickau
1967/68 1. FC Union Berlin
1968/69 1. FC Magdeburg
1969/70 FC Vorwärts Berlin
1970/71 SG Dynamo Dresden
1971/72 FC Carl Zeiss Jena
1972/73 1. FC Magdeburg
1973/74 FC Carl Zeiss Jena
1974/75 BSG Sachsenring Zwickau / FSV Zwickau
1975/76 1. FC Lokomotive Leipzig
1976/77 SG Dynamo Dresden
1977/78 1. FC Magdeburg
1978/79 1. FC Magdeburg
1979/80 FC Carl Zeiss Jena
1980/81 1. FC Lokomotive Leipzig
1981/82 SG Dynamo Dresden
1982/83 1. FC Magdeburg
1983/84 SG Dynamo Dresden
1984/85 SG Dynamo Dresden
1985/86 1. FC Lokomotive Leipzig
1986/87 1. FC Lokomotive Leipzig
1987/88 BFC Dynamo
1988/89 BFC Dynamo
1989/90 1. FC Dynamo Dresden
1990/91 FC Hansa Rostock

 

Die höchsten Finalsiege im FDGB-Pokal

Eine weitere FDGB-Pokal-Besonderheit des 1. FC Magdeburg: Sowohl 1969 als auch 1983 siegte der 1. FCM jeweils 4:0 im Endspiel gegen den FC Karl-Marx-Stadt. Damit sind die Elbstädter auch eines der insgesamt nur drei Teams, die im FDGB-Finale mit vier Toren Unterschied siegten.

Ebenfalls sehr einseitig war das DDR-Pokalfinale 1950, welches der BSG EHW Thale gegen BSG KWU Erfurt mit 4:0 zu seinen Gunsten entschied. Den höchsten Sieg konnte hingegen 1986 der 1. FC Lokomotive Leipzig feiern, der den 1. FC Union Berlin gleich mit 5:1 überrollte. Es war zugleich das torreichste Endspiel in der Geschichte des FDGB-Pokals.

FDGP-Pokalfinale: Dynamo Dresden ärgert BFC Dynamo mehrfach

Der andere Rekordsieger, Dynamo Dresden, konnte erstmals 1952 den Pokal gewinnen. Es dauerte aber fast 20 Jahre bis zum zweiten Triumph (1971). Weitere Titel sammelten die Schwarz-Gelben 1977, 1982, 1984, 1985 und 1990 ab. Vier der insgesamt sieben Pokaltitel erkämpften sich die Sachsen im Endspiel übrigens gegen den BFC Dynamo. Gleich dreimal innerhalb von drei Jahren (1982, 1984, 1985).

Dynamo Dresden zeichnet sich im DDR-Pokal noch für eine weitere Bestmarke aus: Ganze elfmal standen die Sachsen im Endspiel und sind somit der Rekordfinalist.

 

 

BFC Dynamo mit meisten verlorenen Endspielen

Für den BFC Dynamo lief es im Pokalwettbewerb dagegen weniger erfolgreich als in der nationalen DDR-Meisterschaft, wo man mit zehn Titel Rekordsieger war. Lediglich dreimal konnte der Klub aus dem Osten Berlins den FDGB-Pokal abräumen (1959, 1988, 1989). Dafür musste der BFC insgesamt sechs Finalpleiten schlucken. Kein anderer Klub kassierte mehr Niederlagen im FDGB-Endspiel.

In der Rangliste der Sieger muss sich der BFC Dynamo mit dem geteilten 3. Platz zufriedengeben. Denn auch der BSG Motor / BSG Sachsenring Zwickau – aus dem später der FSV Zwickau emporging – konnte den FDGB-Pokal dreimal gewinnen. So geschehen 1963, 1967 und 1975.

Lok Leipzig & Carl Zeiss Jena mit je 4 Titeln - Hansa & Union einmal siegreich

Auch auf dem 2. Rang der Teams mit den meisten FDGB-Pokalsiegen haben sich zwei Mannschaften eingenistet. Zum einen der 1. FC Lokomotive Leipzig, der 1976, 1981, 1986 und 1987 triumphierte. Zum anderen der FC Carl Zeiss Jena, die sich in der Liste aller FDGB-Pokalsieger in den Jahren 1960, 1972, 1974 und 1980 wiederfinden.

Insgesamt tummeln sich auf der FDGB-Pokalsiegerliste 15 verschiedene Klubs. Neun Klubs konnten den Wettbewerb mindestens zweimal gewinnen, zudem holten sich sechs Teams jeweils einmal den Pott. Darunter mit dem 1. FC Union Berlin und Hansa Rostock auch zwei sehr prominente DDR-Klubs. Die Eisernen von Union triumphierten 1968, als man sich im Endspiel gegen Carl Zeiss Jena mit 2:1 durchsetzte.

Hansa Rostock ist derweil als letzter FDGB-Pokal-Sieger in die Geschichte eingegangen. 1991 bezwang die Kogge den Eisenhütterstädter FC Stahl aus Brandenburg mit 1:0. Im selben Jahr konnte Hansa Rostock auch die letzte Ausgabe der DDR-Meisterschaft gewinnen und holte somit das Double. Das war bis dahin einzig und allein Dynamo Dresden in der ehemaligen DDR geglückt. Die dafür aber gleich dreimal Meister und Pokalsieger wurden (1971, 1977, 1990).


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