Biathlon: Deutsche Männer-Staffel schwach in Oberhof - DSV-Frauen verpassen Sieg

Biathletin Franziska Hildebrand zeigte eine fulminante Leistung

Bildquelle: Christian Bier [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Die deutsche Herren-Staffel im Biathlon musste im Staffelrennen beim Heimweltcup in Oberhof eine herbe Klatsche verdauen. Angesichts einer verheerenden Leistung am Schießstand landete das DSV-Quartett abgeschlagen auf einem 8. Platz. Deutlich besser machten es die DSV-Frauen, die Zweiter wurden. Allerdings war der Sieg möglich, doch Denise Herrmann zeigte beim letzten Schießen Nerven und verpasste somit den Sieg. Dieser ging in beiden Staffelrennen an Russland.

Was für ein Debakel! Die Herren-Staffel in der Formation Erik Lesser, Simon Schempp, Arnd Pfeiffer und Benedikt Doll enttäuschte bei der abschließenden Staffel beim Weltcup in Oberhof über 4x7,5 Kilometer maßlos und schrammte deutlich am angepeilten Podestplatz vorbei.

DSV-Männer mit fast 3 Min. Rückstand nur Achter

Rang acht bedeutet das schlechteste Staffel-Ergebnis seit Dezember 2008, als die DSV-Männer in Hochfilzen Neunter wurden. Im Ziel in Oberhof hatte Schlussläufer Benedikt Doll einen deutlichen Rückstand von fast drei Minuten (2:54,9 Minuten) auf die souveränen Russen, die als einziges Team ohne Strafrunde (6 Nachlader) blieben. Rang zwei sicherte sich Frankreich (1 Strafrunde + 8 Nachlader/ 1:01,1 Minute Rückstand), vor Österreich (1+7/2:18,6), das eine furiose Aufholjagd hinlegte.

Deutsche am Schießstand verheerend

Bei sehr schweren Witterungsverhältnissen mit dichtem Schneetreiben und viel Wind taten sich die deutschen Skijäger beim Schießen extrem schwer und leisteten sich indiskutable 17 Schießfehler und zwei Strafrunden. Damit hatte das DSV-Team, die beim ersten und bislang einzigen Staffel-Rennen dieser Saison in Hochfilzen hinter Schweden und Norwegen noch Platz drei belegten, das schlechteste Schießergebnis im gesamten Feld. Anspruch und Wirklichkeit klafften am Sonntag meilenweit auseinander.

Nur Lesser überzeugt - Schempp & Pfeiffer selbstkritisch

Eine Ausnahme war allerdings Startläufer Erik Lesser, der am Samstag Vater einer Tochter wurde, was ihn offensichtlich beflügelte. Der 30-Jährige zeigte ein starkes Rennen, schoss nur eine Fahrkarte und übergab auf Rang zwei liegend mit 0,8 Sekunden Rückstand auf Frankreich an Simon Schempp. Dieser musste allerdings gleich beim Liegenschießen in die Strafrunde und büßte auch auf der Strecke zusätzlich Zeit auf die Konkurrenz ein. So rutschte der sich völlig außer Form befindliche 30-Jährige, der schon beim Sprint als 70. maßlos enttäuschte, auf den 11. Platz zurück. Entsprechend haderte Schempp am ZDF-Mikrofon mit sich selbst: „Das ist überhaupt nicht zufriedenstellend. Auf der Strecke läuft bei mir gar nichts zusammen, deshalb gerate ich am Schießstand unter Druck, es passt beides nicht zusammen.“

Aber auch von Arnd Pfeiffer, der sich am Samstag noch in der Verfolgung über einen 2. Platz freuen durfte und damit die vierte Einzel-Podestplatzierung in diesem Winter für die DSV-Männer sorgte, hatte man sich mehr erhofft. Der Sprint-Olympiasieger musste ebenfalls eine Extrarunde drehen, sodass das Podium immer mehr außer Reichweite geriet. „Ich bin genervt von mir selbst, das war keine gute Leistung“, resümierte Pfeiffer.

DSV-Frauen starke Zweite - Herrmann verschenkt Sieg

Deutlicher erfreulicher war das vorherige Abschneiden der deutschen Frauen-Staffel über 4x6 Kilometer. Der starke 2. Platz des Quartetts Karolin Horchler, Franziska Hildebrand, Franziska Preuß und Denise Herrmann war nach einem bislang völlig verkorksten Winter der DSV-Biathletinnen Balsam für die Seele. Dabei war sogar der erste Staffelsieg seit einem Jahr zum Greifen nah, doch zum Abschluss des Heim-Weltcups in Oberhof versagten Hermann beim letzten Stehendanschlag die Nerven.

In Führung liegend leistete sich die 30-Jährige fünf Schießfehler und musste gleich zweimal in die Strafrunde. Damit war der Sieg futsch, den sich die russische Staffel in 1:18,46,3 Minuten bei acht Schießfehlern holte. 33,5 Sekunden später kam Schlussläuferin Herrmann als Zweite ins Ziel. Für das deutsche Frauen-Quartett, das ohne die erkrankte Laura Dahlmeier und Vanessa Hinz auskommen musste, standen in der Summe zehn Nachlader zu Buch. Die Tschechinnen (1+6/36,7 Sekunden Rückstand) komplettierten als überraschende Dritte das Podest.

Furiose Hildebrand lässt DSV-Staffel hoffen

Startläuferin Karolin Horchler übergab trotz eines Sturzes kurz nach dem Start und nach drei Nachladern mit 23,3 Sekunden Rückstand auf die Spitze als Dritte auf Franziska Hildebrand. Auch die 31-Jährigen stürzte wie einige andere Athletinnen bei einer Abfahrt, ließ sich davon aber nicht bremsen. Die dienstälteste deutsche Biathletin zeigte ein fulminantes Rennen und brachte ihre Farben mit einem fehlerfreien Schießen in Führung. 14 Sekunden betrug der Vorsprung vor Russland, als sie mit Franziska Preuß abklatschte. Auch Preuß wusste insgesamt zu gefallen und konnte die Führung für das deutsche Team trotz vier Schießfehler hauchdünn verteidigen und brachte Herrmann in eine tolle Position.

Auch wenn der Ärger am Ende über den verpassten Sieg natürlich groß ist, überwiegt mit etwas Abstand aber die Freude über den 2. Platz. Zumal das Frauen-Quartett des DSV beim bislang einzigen Staffelrennen in Hochfilzen nur einen ganz schwachen 7. Rang belegte.

Schon am Mittwoch geht es im Biathlon mit dem zweiten Heim-Weltcup im bayerischen Ruhpolding weiter. Dann werden bei den Frauen auch wieder Dahlmeier und Hinz mitmischen.


Wintersport

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