UFC 232 nach Los Angeles verlegt – UFC hält schützende Hand über Jones

UFC 232 nach LA verlegt - Jon Jones gedopt?

Bildquelle: Vengo Films [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Riesen-Drama zum Jahresabschluss um die UFC und Jon Jones! UFC 232 sollte die große Comeback-Show für den geläuterten Jon Jones werden. Doch abermals erhob das Schreckgespenst des Dopings sein gruseliges Haupt. Denn eine Probe von Jones, die auf den 09. Dezember zurückging, enthielt einige Pikogramm Turinabol. Die exakt selbe Substanz, für die er nach seinem zweiten Kampf gegen Daniel Cormier gesperrt wurde!

Als Fan möchte man aus allen Wolken fallen. Wie kann eines der unbestreitbar größten Talente des Sports so abgrundtief dämlich sein? Dreimal wurde Jones bereits der Titel aberkannt. Einmal wegen seines peinlichen Autounfalls, bei dem er eine schwangere Frau verletzte und von der Unfallstelle floh und zweimal wegen Dopingvergehen. Jetzt setzt er noch eins drauf! Was aber noch unfassbarer ist – die UFC nimmt ihn in Schutz!

UFC 232 nun in LA statt in Vegas – Fans und Kämpfer verärgert

Das Event findet statt und wird kurzerhand nach Los Angeles verlegt. Ein Umzug in letzter Minute, der alles Andere als unproblematisch ist. So war das MGM Grand in Las Vegas bereits ausverkauft. Viele Fans und Besucher planten die UFC-Veranstaltung, die wie gehabt am 29.12 stattfinden wird, in ihren Urlaub zum Jahreswechsel in Vegas ein. Ganz zu schweigen von all den Kämpfern, die mit ihrer gesamten Entourage und teilweise mit ihren Familien bereits nach Vegas gereist waren. Das Ganze in aller Regel auf eigene Rechnung!

Was für ein sonderbarer Wandel. So hat Dana White nach all den Querelen um Jon Jones zuletzt noch gesagt, dass dieser nie wieder in einem UFC-Main-Event stehen würde. Nun wird allein seinetwegen eine ganze Show verlegt. Und nicht nur das. Das eigene, selbst-verordnete Anti-Doping-Programm wird, wie so oft im Profisport, genau dann mit Füßen getreten, wenn es am meisten darauf ankommen würde, Farbe zu bekennen!

Die UFC muss ihre Zahlen schönen

Warum hält die UFC derart stupide an diesem Event fest? Ganz einfach: 2018 war kein besonders gutes Jahr für die UFC. Zwar hat Conor gegen Khabib alle PPV-Rekorde der UFC gebrochen. Doch abseits davon lief es überhaupt nicht gut! Die UFC braucht dieses Event, da Jones (wenn auch kein Kassenschlager wie Rousey, McGregor oder Lesnar) immer ein Garant für überdurchschnittliche PPV Verkäufe war. UFC-Investor WME-IMG ist natürlich “not amused“ über die überschaulichen PPV-Verkäufe. Insbesondere, da die Zukunft von McGregor höchst ungewiss ist. Nächstes Jahr hat man einen 41-jährigen Lesnar für einen Kampf, der aber auch noch nicht hundertprozentig beschlossen ist. Jones wieder auf Kurs zu bringen, würde da wenigstens nach einer etwas blumigeren Perspektive aussehen. Ganz zu schweigen davon, dass es Schadensbegrenzung für ein geschäftlich suboptimales Jahr 2018 wäre.

Um Schadensbegrenzung der besonders schamlos abstrusen Art ist die UFC nun auch in der Causa Jones bemüht. So wurde darauf hingewiesen, dass man nur eine ganze geringe Menge von Turinabol gefunden hätte, bzw. eines späten Stoffwechselprodukts davon, und dass dieses auf seine alten Vergehen zurückzuführen wäre; somit auf Dopingsünden zurückgeht, für die er bereits Buße getan hätte. Absoluter Bockmist, wenn man bedenkt, dass dies bereits 18 Monate her ist! Und mehr noch, wenn man weiß, dass Turinabol besonders gerne in Form von Mikrodosierungen genommen wird. Das erklärt auch, warum alle anderen Tests zwischen seiner letzten Sperre und jenem Test am 09. Dezember negativ ausfielen.

Ebenfalls abenteuerlich: Die UFC zog Jeff Novitzky vor die Kameras. Jener war eine entscheidende Figur gewesen, als es um die Aufarbeitung des Doping-Skandals im US-Baseball ging und um die BALCO-Affäre, die die Welt der Leichtathletik ihrer Zeit erschüttert hatte. Damals hat er noch Mülltonnen durchwühlt, um Dopingsünder zu stellen. Nun arbeitet er für die UFC als Feuerwehrmann, um selbige zu decken. Lustig, wie sich die Zeiten ändern. So traf Novitzky die Aussage, dass in Jones Körper ja nur so kleine Spuren gefunden worden seien, sodass diese einem 50-Millionstel eines Sandkorns entsprechen würden ….. hört, hört! Spuren von Doping sind also mikroskopisch klein? Wer hätte das gedacht! Ich schätze, solange Jones keine Flamen aus den Nasenlöchern kommen, ist alles in bester Ordnung!

Die UFC schießt sich selber in den Fuß

Es ist ein gar zu transparentes Kaspertheater, welches die UFC hier veranstaltet. Und auch die California State Athletic Comission sowie USADA (die US Anti-Doping-Agentur) geben hier eine klägliche Figur ab. Das alles unter den Augen der Medien, Zuschauer und Kämpfer. Wenn die UFC solcherart die Weichen für ein dringend benötigtes, besseres Geschäftsjahr 2019 stellen will: Bitte schön!

Dass die UFC Jones hier – aus purem Geschäftssinn – eine Sonderbehandlung zuteilwerden lässt, ist offensichtlich. Frank Mir wurde für dasselbe Dopingvergehen (kleinste Spuren von Turinabol Metaboliten) für zwei Jahre gesperrt! Jon Jones hingegen wird rasch aus der Schusslinie geschubst, trotz dessen, dass dies bereits das vierte Mal ist (einschließlich seines nachweislichen Kokainkonsums), dass er auffällige Werte zeigt. Der einzige Unterschied ist, dass Frank Mir ein alter Heavyweight Fighter war, dessen besten Tage offensichtlich hinter ihm lagen. Jones hingegen ist einer der wenigen verbliebenen Headliner der UFC. Hierin ist der einzige, relevante Grund für dieses Messen mit zweierlei Maß zu sehen.


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