Sieg für Nurmagomedov über McGregor bei UFC 229 - Eklat nach dem Mega-Fight

UFC 229 Bericht

Bildquelle: By BattleBeetle [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

In der Nacht von Samstag zu Sonntag fand UFC 229 mit dem Mega-Fight zwischen McGregor und Khabib auf dem Programm. Bereits im Vorfeld ging es in der Pressekonferenz und beim offiziellen Wiegen rund. Vor allem der Ire provozierte Khabib wo es nur ging. McGregor ist für seinen Trash-Talk bekannt und wollte natürlich so Einfluss auf seinen Gegner nehmen. Dieser ließ sich aber zunächst nicht beirren und blieb äußerlich cool.

Dass es dann anders kam, ist hinlänglich bekannt und sorgte vor dem Wochenende für einen Ausnahmezustand in Las Vegas. die Fans konnten sich also auf einen harten und spannenden Kampf zwischen den beiden Kontrahenten freuen. Für die UFC sollte diese Nacht das Highlight in diesem Jahr darstellen. Wir berichten heute ausführlich über den Mega-Fight und über die restlichen Kämpfe, die gestern Nacht stattfanden.

 

Weltergewicht: Ryan LaFlare (14-2) gegen Tony Martin (13-4)

Erste Runde eng, aber mit Vorteilen für Tony Martin, der das Timing für seine rechte Hand fand, auch wenn er bis dahin einige Kicks von LaFlare hinnehmen musste. Ein Timing, das er mit in Runde zwei nahm, als er Ryan LaFlare früh hart traf und zu Boden schickte. Martin versuchte seinen Gegner zunächst mit Schlägen zum Boden zu übermannen, ging dann aber dazu über, sich stark zu positionieren. Doch LaFlare schaffte es nach einiger Zeit, sich zu befreien. In der Dritten war Martin der frischere Mann und seine Rechte fand nach wie vor ihr Ziel. Allerdings war es ein rechter High Kick, der den Kampf beende. KO Sieg für Martin gegen einen etablierten Gegner!

Leichtgewicht: Gray Maynard (14-7-1) gegen Nik Lentz (30-9-2)

Ein Kampf zwischen zwei UFC-Veteranen. Gray Maynard kam schon früh in Bedrängnis, da Nik Lentz immer wieder seine rechten Haken ins Ziel bringen konnte und Maynard anschließend zweimal in Situationen zwang, wo er ihn über ihn gebeugt am Käfig bearbeiten konnte. Allein in der ersten Runde musste Maynard einige klare Treffer einstecken. In der Zweiten wurde es ein offenerer Schlagabtausch, in dem auch Maynard einige Schläge landen konnte. Doch dieser Anschein eines knappen Kampfes währte nicht lange, da Nik Lentz wieder mit der Rechten traf und schließlich mit einem rechten High Kick das Ende besiegelte. Der Ringrichter fackelte nicht lange und beendete den Kampf. Maynard protestierte zwar, doch eingedenk der mehrfachen Knock-downs und Situationen, in denen er auf Spaghetti Beinen war, war der TKO in Summe doch gerechtfertigt.

Frauen Bantamgewicht: Lina Lansberg (8-3) gegen Yana Kunitskaya (10-4)

Ein einseitiger Kampf, in dem Lina Lansberg keine Antwort für die überlegenen ringerischen Fähigkeiten von Yana Kunitskaya hatte. Über drei Runden gelang es der Russin immer wieder, Lansberg am Käfig zu kontrollieren. Auf den Beinen hielt sie Lansberg, die gerne mit viel Druck nach vorne geht, mit Kicks auf Distanz, sodass diese nicht ihren Stempel aufdrücken konnte. Und so gaben ihr wenig überraschend und völlig zurecht die Kampfrichter jede Runde.

Prelims – Siege für Holtzman und Ladd

Leichtgewicht: Scott Holtzman (11-2) gegen Alan Patrick (15-1) Ein Kampf zwischen zwei wirklich großen Leichtgewichten, die offensichtlich beide einen Haufen Gewicht cutten. Holtzman fand hier immer wieder Erfolg mit rechten Kontern und Inside Leg Kicks, da Patrick immer wieder schwer auf seinem exponierten Führbein lehnte und sich generell sehr lang für seine Schläge machte. Diese Treffer zahlten im Kampfverlauf immer mehr Dividende aus, wobei Patrick aber ein starkes Kinn offenbarte, da er viele klare Treffer nahezu ohne sichtbare Reaktion hinnahm, die viele andere auf die Bretter oder an den Zaun geschickt hätten. Aber der Krug geht bekanntlich so oft zum Brunnen, bis er bricht. Und er brach in der Dritten, als Patrick wieder einmal gekontert wurde und sich auf der Matte wieder fand. Dort konnte er sich zwar noch eine Weile erwehren, doch sowie Holtzman die Lücke für harte Ellbogenstöße fand, kamen diese und es hieß TILT! Für Alan Patrick, der seine zweite Niederlage hinnehmen musste.

Bantamgewicht der Frauen: Aspen Ladd (6-0) gegen Tonya Evinger (19-6)

Die immens erfahrene Tonya Evinger legte hier sofort los wie die Feuerwehr und konnte in ersten Schlagabtauschen einige Erfolge für sich verbuchen. Auch am Zaun gelangen ihr zunächst einige Treffer, doch Aspen Ladd rang sie schließlich zu Boden. Von da an ging es sehr schnell bergab für Evinger, die am Boden vollkommen unterlegen war und der starken Top Control und Aggression von Ladd nichts entgegensetzen zu hatte. Diese nahm schließlich den Rücken ihrer flach ausgestreckten Kontrahentin und regnete einen Hagelsturm von wütenden Fäusten nieder, der den Kampf vorzeitig in Runde 1 beendete.

Erfahrung setzt sich für Luque und Formiga durch

Weltergewicht: Vicente Luque (13-6-1) gegen Jalin Turner (7-3)

Ein Kampf, der von beiden strategisch klug geführt wurde. Jalin Turner mit einem klaren Reichweitenvorteil. Luque nahm die Mitte und baute von Anfang an Druck auf. Vor allem mit Kontern, so wie man es gegen einen langen Kämpfer machen muss. Dennoch war der Kampf sehr eng, da auch Jalin Turner immer wieder Treffer durchbringen konnte. Jedoch wurde er übermütig, als er ohne Not einen Spinning Elbow versuchte und dabei mit einem Konter erwischt wurde, den er nicht kommen sah. Turner ging zu Boden und Vicente Luque sah sofort, dass dies die goldene Gelegenheit war. Er feuerte sofort aus allen Rohren, Turner hatte keine Antworten und war offensichtlich angeknockt, sodass der Ringrichter den Kampf abbrechen musste. Luque hat somit all seine sieben Siege in der UFC vorzeitig erstritten!

Fliegengewicht: Sergio Pettis (17-3) vs Jussier Formiga (21-5)

Ein Kampf zwischen zwei Fliegengewichten, die beide unter den Top Fünf der Division gelistet waren. Formiga, mit einem Schwarzgurt in BJJ sowie in Judo, war der überlegene Bodenkämpfer und Ringer. Und das konnte Pettis, der jünger und schneller war, niemals ausreichend egalisieren. Zu minimal fielen seine realisierten Vorteile im Stand aus, wohingegen Formiga den Kampf auf dem Boden und im Clinch weitgehend unbedrängt bestimmen konnte. So gewann er die letzte Runde, indem er den Rücken des stehenden Pettis mittels Körperschere nahm und die ganze Runde in dieser Position verweilen konnte. Ein ungefährdeter Punktsieg für Formiga gegen einen hoch gelisteten Gegner!

Main Card – Lewis mit epischem Comeback!

Strohgewicht der Frauen: Michelle Waterson (15-6) gegen Felice Herrig (14-7)

In den Schlagabtauschen auf den Beinen folgte Herrig ihrer Gegnerin zu bereitwillig, anstatt den Käfig mit lateralen Bewegungen kleiner zu machen. Dies gestattete es den scharfen Kicks von Waterson, immer wieder ins Ziel zu kommen, da sie ihre Gegnerin an der Leine hatte. Erst als es in den Clinch ging, konnte Herrig sich aufdrängen. Dementsprechend suchte sie den Clinch wieder früh in Runde zwei und bekam ihn auch. Die muskulöse Herrig war körperlich sichtbar stärker. Doch sie verbrannte viel Energie, ohne in diesen Clinch Situationen nennenswerten Schaden anzurichten. Herrig bekam anschließend richtige Probleme, als Waterson sie drehte und zu Boden brachte, wo sie durch Top Control und Schläge weiter am Gastank von Herrig zehrte.

In der Dritten meldete sich Herrig noch einmal zurück, als sie einen Takedown konterte und selber Top Control bekam. Doch wie schon in den Clinch Situationen zuvor konnte sie keinen Schaden in Form echter Wirkungstreffer anrichten. Als es dann wieder auf die Beine ging, kassierte Herrig zum wiederholten Male einen kräftigen Kick von Waterson. Waterson gewann folglich zu Recht die Punktentscheidung.

Schwergewicht: Derrick Lewis (20-5) gegen Alexander Volkov (30-6)

Dieser Kampf wurde als möglicher Title Eliminator betrachtet. Volkov, mit mehr Output, konnte seine Reichweite gut nutzen, da Lewis nicht wirklich pushte und gehemmt schien. Zudem baute Lewis konditionell recht schnell ab und schien nach einem Treffer von Volkov Probleme mit dem Auge zu haben. Volkov war jedoch nicht zu sehr bestrebt, rein zu gehen und es zu beenden, da Derrick Lewis zwar nicht besonders technisch agierte, aber bekanntermaßen Knockout-Power ohne Ende hat.

In der Zweiten war Lewis nur noch körperlich anwesend. Ebenso in der Dritten. Doch was er noch im Gastank hatte, sparte er sich auf für eine letzte Offensive. Als er ein Knie von Volkov konterte und ihn auf die Matte schickte, war nach ein paar weiteren Schlägen Schlafenszeit angesagt! Unglaubliches Comeback auf den letzten Metern der letzten Runde in einem Kampf, in dem Lewis auf alle Fälle deutlich hinten lag!

Reyes und Ferguson beeindrucken

Halbschwergewicht: Ovince Saint Preux (23-11) gegen Dominick Reyes (9-0)

Trotz seines Status als relativer Neuling ging Reyes als Favorit in diesen Kampf gegen den zähen und erfahrenen Ovince St. Preux. Und er unterstrich eindrucksvoll, warum das so war! Eine gute Diversität mit seinen Kicks und Schlägen, smarte Auswahl der Ziele und eine super Takedown Defense ließen Reyes diesen Kampf über nahezu die gesamte Distanz bestimmen. Allerdings ließ sein Output ab Runde zwei nach, nachdem er in Runde eins immens viel Druck und Volumen generiert hatte. Dies war aber wohl eher ein Pacing Problem und nicht seiner Kondition geschuldet, da Reyes zuvor niemals auf diesem Niveau die Distanz gehen musste. Dennoch blieb auch ein ermüdeter Reyes sehr aufmerksam gegen einen keineswegs leichten Gegner wie OSP. Schließlich gelang Reyes pünktlich zur Schlussglocke noch ein klarer Niederschlag, sodass unklar war, ob er nun via Punktentscheid oder KO gewonnen hatte.

Leichtgewicht: Tony Ferguson (24-3) vs Anthony Pettis (21-7)

Der Co-Main Event (und wohl auch eine Vorentscheidung auf den nächsten Titelkampf) wurde zwischen zwei absoluten Publikumslieblingen ausgetragen. Tony Ferguson kehrte nach einem Jahr Verletzungspause zurück. Und er machte da weiter, wo er aufgehört hatte. Unorthodox und nonstop Offensive! Ferguson ist der definitive “Pressure Fighter“ der UFC. Keiner jagt seine Gegner derart ausdauernd und unerschütterlich durch den Käfig wie er! Allerdings bedeutet das auch weiterhin, dass er selber immer wieder klar getroffen wird. So auch gegen Pettis, der als Wundertüte für dynamische Kicks bekannt ist. Doch die Ausdauer von Ferguson war wieder unfassbar und sein Gegner wurde derart in die Rückwärtsbewegung gezwungen, dass kaum wirkungsvolle Konter möglich waren. Die Erste gehörte ganz klar Ferguson! Doch in der Zweiten landete Pettis einen überhand Konter, der Ferguson auf wackeligen Beinen und anschließend in den Bodenkampf verstrickt zurückließ. Aber der unfassbar resiliente Ferguson erholte sich gut, etwas was er auch schon in der Vergangenheit gezeigt hatte, und konnte im weiteren Verlauf wieder die Führung übernehmen. Der Kampf von da an eine spektakuläre, blutige Angelegenheit. Leider musste Pettis den Kampf in der Pause vor der Dritten abbrechen, da er sich bei dem erfolgreichen Konter seine Hand gebrochen hatte und nicht einarmig weiterkämpfen konnte. Ferguson sollte theoretisch wohl derjenige sein, der gegen den Sieger von McGregor/Nurmagomedov kämpfen wird. Es sei denn, die Ereignisse nach dem Hauptkampf, über die gleich zu sprechen sein wird, ändern etwas daran.

Nurmagomedov agiert nach Plan

Habib Nurmagomedov (26-0) vs Conor McGregor (21-3)

Da war er also, der große Hauptkampf. Und er verlief im Wesentlichen so, wie er aus Sicht von Nurmagomedov verlaufen musste. Früh sicherte er sich den Single Leg Takedown und brachte McGregor gegen den Zaun und auf die Matte. In der für ihn typischen Manier nutzte Nurmagomedov seine Beine, um die seines Gegners auf dem Boden zu umschlingen und so dessen Hüften zu kontrollieren. McGregor verstand es gut, Schaden in dieser Phase zu verhindern, konnte den unfassbar starken Bodenkämpfer Nurmagomedov jedoch nicht von sich abschütteln. Dennoch hielt sich McGregor in dieser ersten Runde relativ schadlos, auch wenn er sie größtenteils am Boden verbracht hatte.

Das änderte sich jedoch in der Zweiten, als Nurmagomedov McGregor mit einem wilden rechten Haken traf und sich anschließend wieder direkt die Top Control sichern konnte. In weiterer Konsequenz gelang es ihm, sich mit dem Oberkörper aufzurichten und Schläge gegen McGregor anzubringen. McGregor, nun in einer wirklich schlechten Position, musste den Sturm überdauern. Er kam nun deutlich angeschlagener aus dieser zweiten Runde. In der Dritten war klar, dass McGregors Hände spürbar langsamer geworden waren. Nurmagomedov hatte ihn ermattet! Und so musste McGregor sich auch einiger fauler Tricks behelfen, als er wieder zu Boden gebracht wurde. So hielt er mehrfach die Handschuhe von Nurmagomedov fest, was eigentlich verboten ist. McGregor konnte sich zwar zwischenzeitlich aufrichten und auch die ersten Takedown Versuche in der Dritten abwehren, doch ging auf den Beinen von ihm spürbar weniger Gefahr aus, da er konditionell bereits angezählt war.

Nurmagomedov attackiert nach dem Kampf McGregors Ecke

In der Vierten brachte Nurmagomedov den Iren abermals zu Boden und schaffte es schließlich, dessen Guard zu überwinden und den Rücken von McGregor zu nehmen. Mit einem Neck Crank brachte er ihn dann zur Aufgabe. Doch was dann folgte, war sehr unschön. Anstatt diesen triumphalen Moment zu genießen, ging Nurmagomedov auf die Ecke von McGregor (dort gezielt auf Bellator Fighter Dillon Danis) los. Und plötzlich war die Hölle los, als einige der Teammitglieder von Nurmagomedov den Käfig stürmten und dort McGregor angriffen!

Hässliche Bilder, die garantiert nicht ohne Konsequenzen bleiben werden. Wie diese aussehen, wird die nächste Zeit offenbaren. Auf jeden Fall war hier eine Rivalität eskaliert, bei der sich auch die UFC die Frage gefallen lassen muss, ob sie in ihrer Promotion dieses Kampfes nicht zu weit gegangen ist. Immerhin wurde der Vorfall, als McGregor mit seiner Entourage den UFC-Bus angegriffen hatte, in dem unter anderem auch Nurmagomedov saß, zwar geahndet. Jedoch wurde diese schändliche Attacke auch genussvoll zu Promotion-Zwecken ausgeschlachtet. Was an einen stolzen und sehr religiösen Menschen wie Nurmagomedov zweifelsohne keine sehr gute Signalwirkung hatte. Auch wenn das sein Verhalten nach dem Kampf natürlich kein Stück besser machte. Ein sportgeschichtlich wichtiger Moment für die UFC hat so einen faden Beigeschmack bekommen und wirft die Frage auf, wie viel operettenhaftes Drama und Trash Talk es eigentlich wirklich braucht. Insbesondere in einem Ausmaß, wo die Religiosität, die Familie und die nationale Identität eines Kämpfers provokant aufgegriffen werden. Denn irgendwo hört auch ein McGregor auf, eine Kunstfigur und Hype-Maschine zu sein. Spätestens dann, wenn er mit Sackkarren nach Bussen wirft.


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