Hintergründe und Prognose zu Nurmagomedov vs. McGregor

Hintergründe zu Nurmagomedov vs. McGregor

Bildquelle: By Andrius Petrucenia (UFC 189 World Tour Aldo vs. McGregor London 2015) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Es ist keine zwei Wochen mehr hin zum kommerziell wohl größten Kampf, den MMA je gesehen hat. Khabib Nurmagomedov gegen Conor McGregor stellt den wohl dominantesten Fighter im MMA gegen dessen absoluten Kassenschlager. Und es ist überdies ein klassisches Style-Match: Wrestler gegen Striker.

Khabib Nurmagomedov hat mit einem Kampfrekord von 26 – 0 eine Kampfbilanz, wie sie im MMA so gut wie nie jemand vorzuweisen hat. Und vielen Beobachtern zufolge soll er in all diesen Kämpfen nicht eine einzige Runde verloren haben (auch wenn das zweifelsohne nicht so ganz stimmt). Demgegenüber steht Conor McGregor, der viele seiner Neider bereits in der Vergangenheit zum Verstummen gebracht hat und der, neben Brock Lesnar und Ronda Rousey, zu den größten Goldeseln gehört, derer die UFC jemals habhaft werden konnte.

Styles make fights: Khabib im Vorteil

“Styles make fights“, ist eine der ältesten Weisheiten im Kampfsport. Und stilistisch ist es in der Tat ein interessanter Kampf, denn beide Kämpfer haben Vorteile gegenüber dem jeweils Anderen. Sollte Khabib Nurmagomedov  den Kampf auf die Matte bringen, dann wird es für McGregor wahrscheinlich sehr schnell ganz düster. Denn Khabib ist, eingedenk seines Sambo Hintergrunds und seines Talents, einer der besten reinen Ringer, dem man im MMA bei der Arbeit zusehen darf. Die Kontrolle, die er über Kontrahenten ausübt, sobald er sie zu packen kriegt, ist unwiderstehlich. Und seine Top Control und niemals endende Schlagfrequenz, sobald er im Bodenkampf in Position ist, wurde bislang von keinem effektiv entschärft. Damit hat Nurmagomedov einen klaren Weg zum Sieg, gegen den Konter Striker McGregor, der immer am liebsten auf Distanz kämpft darauf lauert, seine linke Klebe ins Ziel zu bringen. Doch da Khabib seine Gegner auch mit tiefen Single Leg Takedowns auf die Matte bringen kann (selbst wenn er zunächst nur den Knöchel zu umfassen bekommt), wird die Drohung der Linken allein ihn kaum davon abhalten.

Allerdings ist McGregor längst nicht so chancenlos, wie viele Beobachter meinen. Denn Nurmagomedov hat schon in der Vergangenheit gezeigt, dass er sich in Faustkämpfe verzettelt, ohne dabei gut auszusehen. Sollte er solches gegen Conor McGregor tun, könnte der Kampf ganz schnell vorbei sein.

Pressekonferenz gab interessante Einblicke

Eine erste Standortbestimmung gab es bei der Pressekonferenz. Nurmagomedov hat sich, so wie es die meisten Beobachter im Voraus auch vermutet haben, nicht als jemand erwiesen, der von McGregors Triaden gereizt oder verunsichert wurde. McGregor gilt als ein Meister der psychologischen Kriegsführung und hat es vor allem gegen Jose Aldo geschafft, diesem unter die Haut zu gehen. Nurmagomedov hat sich diesbezüglich jedoch nichts anmerken lassen. Und überhaupt erschienen einige der Äußerungen Conors sonderbar uninspiriert. Zwar ist und bleibt er ein unterhaltsamer Redner, doch viele seiner Aussagen erschienen wie ein Best-of seiner bisherigen Pressekonferenzen. Die Füße aufreizend auf den Tisch legen, den Gegner provozieren und anschließend zum Handeln auffordern (“do something about it!“) ….. das haben wir alles schon mal gesehen – und gehört. Doch davon ab traf McGregor eine Aussage, die aufhorchen ließ. So sagte er, dass er es ja gar nicht nötig hätte, hier zu sein. Er hätte fürs Leben ausgesorgt. Und während das spätestens seit seinem Witz von einem Boxkampf mit Floyd Mayweather stimmt, so lässt diese Äußerung doch tief blicken. Es klingt so, als ob er nicht gewinnen müsste. Denn es geht ja um nichts. Glaubt er am Ende selber nicht so ganz an seinen Sieg?

Infos zum Fight Nurmagomedov vs. McGregor

Bildquelle: Jamison Hiner [CC BY-SA 2.0], via Flickr.com (Bild bearbeitet)

Allerdings stichelte Conor auch in Richtung Nurmagomedov. Dieser habe kein Kinn und Angst vor einem Schlagabtausch. Und überhaupt, wer würde schon so kämpfen, dass er sein Gegenüber umschlingt? Was mit derlei Sticheleien bewirkt werden soll, ist vollkommen klar: McGregor will Nurmagomedov davon überzeugen, dass er etwas zu beweisen hat. Und zwar dass er einen Schlagabtausch mit ihm bestehen kann. Wenn Nurmagomedov schlau ist, dann wird er für diese plumpen Einladungen nicht zugänglich sein. Allerdings hat er schon gegen Johnson und Iaquinta gezeigt, dass er manchmal Kämpfe auf den Füßen zulässt, obwohl er dort sichtbar Probleme bekam. Denn Fakt ist: Als Kämpfer im Stand ist Nurmagomedov nicht halb so gut wie im Ringen. Er ist ganz klar ein Spezialist – kein Allrounder.

Nurmagomedov hat es in der Hand

Realistisch betrachtet hat Nurmagomedov einen klaren Weg zum Sieg gegen McGregor. Er darf nur nicht die Hybris aufbringen und sich diesbezüglich auch nicht durch den Iren anstacheln lassen, dass er ausgerechnet in diesem Kampf zeigen muss, wie toll er auf den Beinen kämpfen kann. Allerdings denke ich auch nicht, dass er das tun wird. Es steht in diesem Kampf einfach zu viel für Nurmagomedov auf dem Spiel, als dass er sich so übertölpeln ließe. Denn stilistisch hat er zu klare Vorteile. Es mag zwar durchaus Kämpfer geben, die ihm gefährlich werden können. Insbesondere solche, mit einer aktiven Guard und gefährlichen Aufgabegriffen von dort aus.

Jedoch ist das kaum die Beschreibung, die auf Conor McGregor zutrifft. Einzig, und allein wenn Khabib zu unvorsichtige Wege in den Takedown oder Clinch sucht oder wenn er gar Schläge mit McGregor austauschen sollte, könnte es brenzlich für ihn werden. Eingedenk der Kondition beider Kämpfer wird Khabib wahrscheinlich auch umso stärker werden, je länger der Kampf geht. Vor allem wenn er mittels Top Control die Puste aus McGregor herausprügeln sollte.


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