Nordische Kombination: Graabak schnappt Rydzek Sieg weg - Schanzen-Eklat bei Riiber

Der deutsche Kombinierer Johannes Rydzek wurde auf der Zielgeraden noch abgefangen

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Auch im letzten Weltcup der Nordischen Kombination in diesem Jahr gab es keinen deutschen Einzelsieg. In Ramsau am Dachstein mussten sich die DSV-Athleten Johannes Rydzek und Fabian Rießle in einem packenden Finish beim 10-k-Langlauf Jörgen Graabak hauchdünn geschlagen geben. Der Norweger hatte auf der Zielgeraden die schnelleren Beine. Zuvor gab es um dessen zurzeit überragenden Landsmann Jarl Magnus Riiber einen Eklat beim Skisprung.

Trotz glänzender Ausgangslage im Schlusssprint hatten Johannes Rydzek und Fabian Rießle am Ende das Nachsehen. Der clevere Jörgen Graabak, der ein taktisch kluges Rennen über die 10 Kilometer zeigte, hatte die meisten Körner im Tank und düpierte das deutsche Duo. Für den 27-Jährigen ist es zugleich der ersten Saisonsieg im WM-Winter.

Rydzek nach bestem Saisonresultat „super happy“

Rydzek wurde mit lediglich drei Zehnteln Rückstand Zweiter, Rießle lag eine Sekunde hinter Graabak. Dennoch war der Kombinations-Olympiasieger, der am Samstag Vierter wurde, mit dem besten Saisonresultat zufrieden. „Ach, natürlich ärgert man sich da im ersten Moment“, so Rydzek im „ZDF“, der sich aber schnell mit dem 2. Platz anfreunden konnte: „Ich bin super happy mit dem zweiten Platz. So kann ich in aller Ruhe den Heiligabend verbringen“, erklärte der 27-Jährige und ergänzte: „Mir hat vielleicht eine Viertelsekunde gefehlt, da müssen wir nicht groß diskutieren, was wir besser machen müssen.“

Fabian Rießle, der am Samstag im Rennen Dritter vor Rydzek wurde, sagte hingegen: „Es wäre falsch zu sagen, ich wäre mit Platz drei unzufrieden. Ich hätte aber gerne noch ein wenig weiter oben gestanden, am Schluss hat aber das Gas gefehlt.“

Vier Deutsche unter Top 7

In Ramsau dürfen sich die deutschen Kombinierer über ein starkes Mannschaftsergebnis freuen. Denn neben den Podiumsplätzen von Rydzek und Rießle überzeugten auch noch Vinzenz Geiger auf dem fünften Rang, Terence Weber wurde Siebter. Lediglich der fünffache Gesamtweltcup-Sieger Eric Frenzel musste sich nach einem schwachen Springen mit dem 18. Platz begnügen, direkt dahinter kam Manuel Faißt als 19. ins Ziel und verpassten eine Top-10-Platzierung.

Lob von Bundestrainer Weinbruch: „Bin sehr zufrieden“

Bundestrainer Hermann Weinbruch war über das gute Gesamtergebnis seiner Schützlinge ebenfalls erfreut: „Ich bin sehr zufrieden. Wir sind mannschaftlich geschlossen ganz vorne an der Spitze.“ Einen taktischen Vorwurf gab es vom jahrelangen Erfolgscoach auch nicht, da „in der letzten Runde alles richtig gemacht“ wurde, analysierte Weinbruch. Nach dessen Auffassung hatte Graabak „einen schnelleren Ski gehabt“.

Vor dem letzten 2,5 Kilometer langen Umlauf führte der Österreicher Franz-Josef Rehrl eine mehrköpfige Spitzengruppe an, wobei Rießle, Rydzek und Geiger um den Anschluss kämpfen mussten. Beim letzten Aufstieg startete Rydzek eine Attacke, stürmte an die Spitze und befand sich vor Rießle auf Zielkurs. Doch Graabak, der sich seine Kräfte klug einteilte, konnte auf der Zielgeraden noch einmal kontern und sich den Sieg auf den letzten Metern schnappen.

Schanzen-Panne bei Dominator Jarl Magnus Riiber

Der überragende Jarl Magnus Riiber, der am Samstag noch seinen vierten Triumph in Serie bejubelte, war beim letzten Langlauf-Rennen gar nicht erst an den Start gegangen. Um den Weltcup-Führenden hatte es zuvor beim Springen große Aufregung gegeben. Denn kurz bevor der bisher dominierende Norweger als letzter Starter springen sollte, waren aufgrund des Tauwetters große Teile der Anlaufspur weggebrochen. Erst nach minutenlangen und notdürftigen Ausbesserungsarbeiten wurde Riiber von der Schanze gelassen. Der beste Springer im Wintersport unter den Kombinierern konnte nach viel zu kurzer Luftfahrt einen Sturz gerade noch so verhindern und wurde mit einer Weite von nur 79 Metern lediglich 43. Für die Höchstweite sorgte der Pole Szczepan Kupczak, der es auf 92 Meter brachte.

„Keine zweite Chance“ für Riiber

Die großen Proteste der Norweger blieben wirkungslos, sehr zum Ärger von Riiber: „Sie haben mir keine zweite Chance gegeben, das ist schade für mich, weil ich um das Gelbe Trikot kämpfe.“ Der 21-Jährige wäre mit einem Rückstand von 2,16 Minuten in die Loipe gegangen, was einen Fortsetzung seiner Siegesserie unmöglich machte. Somit fasste Riiber den Entschluss, im anschließenden Langlauf-Rennen gar nicht erst an den Start zu gehen.

In der nordischen Kombination geht es im neuen Jahr weiter. Am 5. und 6. Januar steht der Weltcup im estnischen Otepää auf dem Programm. Danach beginnt die heiße Phase der WM-Vorbereitung, die vom 16. Februar bis 3. März in der Kombi-Hochburg Seefeld in Österreich stattfindet.


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