Leon Draisaitl jagt Scorer-Krone hinter her - Ein Punkt fehlt noch

Leon Draisaitl Superstar der Edmonton Oilers

Bildquelle: Connor Mah [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Leon Draisaitl und seine Edmonton Oilers haben in der nordamerikanischen Eishockey-Eliteliga NHL eine symbolträchtige Niederlage beim Spitzenreiter der Western Conference kassiert. Das 1:2 bei den St. Louis Blues war beides: gerecht und vermeidbar. Symbolisch war die Schlappe, weil sie Stärken und Schwächen des Teams aus Alberta in Kanada gleichermaßen aufzeigte. Während die Superstars Connor McDavid und Leon Draisaitl stets akute Gefahr in den Torräumen auch der besten Teams der Liga maßgeblich als Strippenzieher anzetteln, haben andere Spieler bereits im Spielaufbau ihre Sorgen und schenken den Gegnern mitunter zu einfach dicke Torchancen.

Ein besonderes Kopf-an-Kopf-Rennen innerhalb des Kaders der Oilers wurde in diesem Spiel noch enger: Ging McDavid dieses Mal leer aus, so sicherte sich Draisaitl beim einzigen Oilers-Treffer zumindest einen Zähler via Assist. Der Kanadier führt die Scorerwertung noch knapp (59 zu 58) sowohl innerhalb des Teams als auch in der gesamten NHL vor dem Deutschen an. Der jedoch verkürzte in den jüngeren Jahren den Rückstand auf den Teamkameraden sichtlich. Bereits in der regulären Saison 2018/19 wurde er viertbester Scorer der Liga (105 Punkte), McDavid Zweiter (116). Zur Torejagd, auf die sich beide als uneingeschränkte Köpfe ihrer jeweiligen Reihen begeben, blasen sie gemäß ihrer Spielstile indes auf verschiedenen Instrumenten.

Trompete vs. Querflöte: Der Düsenjäger und der Filigrane

Die Trompete McDavids: Ein einfaches Jagdhorn blasen weder der Kanadier noch der gebürtige Kölner. Das taten sie auch beim Spiel in St. Louis nicht. Kreativität im Vollsprint, Soli im Flug an etlichen Gegnern vorbei, alles stets mit dem dynamischen Zug zum Tor. Manchmal hat man das Gefühl, McDavid flöge selbst inklusive Puck ungebremst mitten hinein ins Tor des Kontrahenten. In St. Louis jedoch überflügelte beim Anführer der ersten Oilers-Sturmreihe mitunter die Lautstärke seines Instruments die Genauigkeit beim Treffen der Töne. Es sollte mit dem Kopf durch die Wand gehen. Mit viel Einsatz und einer großen Mannstärke wussten die Blues hier Arges zu verhindern.

Die Querflöte Draisaitls: Manchmal wirkt der Deutsche, Kopf der zweiten Sturmreihe Edmontons, etwas behäbig – insbesondere gegenüber des brachial attackierenden McDavids. Doch das Optische täuscht. Langsam ist es keinesfalls, was Draisaitl anzubieten hat. Er wägt die besten Optionen ab, ehe er handelt; er tut Letztes dann aber mit einer enormen Pucksicherheit. Vor allem in ausgewogenen Spielsituationen dreht er gern eine Pirouette mehr, um keinesfalls vorschnell einen unnötig riskanten oder suboptimalen Pass zu spielen. Muss es jedoch in Überzahl schnell gehen, beherrscht Draisaitl das Filigrane in hohen Tönen und unnachahmlichem Tempo.

Oilers: ein Orchester auf der Suche nach der Balance

Das Orchester Edmonton: Eine College-Kapelle hört sich freilich anders an als ein von gleich zwei überragenden Dirigenten (oder doch eher Kapellmeistern?) geführtes Ensemble. Die Oilers sind aktuell Dritter in der Pacific Division, wären damit am Ende der regulären Saison sicher in den NHL-Playoffs vertreten. Doch ist ein beträchtliches Leistungsgefälle zwischen den beiden Offensivstars und einigen Teamkollegen nicht zu übersehen. Im Gegensatz etwa zum Auftritt der Blues an diesem Tag, die natürlich ebenfalls Spieler unterschiedlicher Qualität aufs Eis bringen, es aber besser zu kaschieren wissen.

 

 

Spätestens bei den Gegentreffern der Oilers war nichts mehr zu verbergen: Mitten in den fliegenden Wechsel hinein wurde ein Fehlpass ins lauernde Blues-Team gespielt. Ein Pass von Dunn auf die Wechselbank-ferne Seite zu Schenn genügte für den Angreifer von St. Louis. Der war von keinem Gästespieler mehr zu stoppen, deren Weg von der Bank war zu weit – 1:0 (29.). Vorm 2:0 narrte O'Reilly mit einer Finte hinter dem Kasten von Goalie Koskinen quasi die gesamte Defensive der Oilers. Ein einfacher Pass vor das Gehäuse genügte, damit MacEachern – prominent positioniert – vollenden konnte (47.). Interessant dabei, dass diesen ausgerechnet McDavid zuvor aus den Augen verloren hatte.

Die halbe Provinz Alberta fährt durch den Torraum, der Treffer aber zählt

In der Schlussphase bewiesen die Oilers hingegen, dass mit ihnen sowohl in diesem Spiel noch zu rechnen war, als auch, dass man sie prinzipiell in dieser Saison keinesfalls zu früh abschreiben sollte. In den letzten Sekunden hatte McDavid noch das 2:2 auf der Kelle.

Zuvor war Neal der Anschluss gelungen (59.), Draisaitl und Jubilar Kassian (500. Spiel) bekamen je einen Vorlagen-Zähler gutgeschrieben. Nach Video-Analyse zählte das Tor, obwohl halb die halbe Provinz Alberta in der Entstehung des Treffers durch den Torraum von Keeper Allen gefahren war.


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