Die Trainerentlassung von Helmut Kronsbein bei Hannover 96 im Jahre 1966

Helmut Kronsbein 1966 bei Hannover 96 entlassen

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Der Name Helmut Kronsbein und Hannover 96 sind eng miteinander verbunden, immerhin coachte der Trainer die Roten insgesamt viermal. Zudem konnten die Niedersachsen unter Kronsbein einige Erfolge verbuchen, wie beispielsweise die Deutsche Meisterschaft 1954 oder den Aufstieg in die Bundesliga 1964, die ein Jahr zuvor ins Leben gerufen wurde. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten und so wurde Helmut Kronsbein während der Saison 1965/66 aufgrund von Erfolglosigkeit von H96 entlassen.

Nachdem Kronsbein Hannover 96 in die Bundesliga geführt hat, wurde die Mannschaft von der Leine in der Saison 1964/65 prompt Fünfter. Ein großer Erfolg, der dem nur als „Fiffi“ genannten Trainer aber in der Folgesaison zum Verhängnis werden sollte. Nach der Hinrunde lagen die Roten mit 15:19 Punkten lediglich auf dem 10. Platz und hatten zur Spitzengruppe bereits einen deutlichen Rückstand.

In der Rückrunde lief es nicht wirklich besser, sodass die Luft für Helmut Kronsbein als Trainer von Hannover 96 immer dünner wurde, obwohl der Verein im „Messepokal“, dem Vorläufer des UEFA-Cup, gute Ergebnisse erzielte.

Entlassung von Kronsbein kurz vor Saisonende

Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass es nach dem 30. Spieltag zur Trainerentlassung kam. Das 2:2 gegen den 1. FC Nürnberg im April 1966 sollte das (vorerst) letzte Spiel von Kronsbein als H96-Trainer sein. Zu diesem Zeitpunkt rangierte Hannover 96 auf dem 12. Platz. Damit hinkte die Mannschaft den Erwartungen des Präsidiums deutlich hinterher. Erschwerend kursierten Gerüchte, wonach der autoritäre Kronsbein von einem Spielervermittler ein Geschenk angenommen haben soll. Das sollte auch der Hauptgrund für die Trainerentlassung von Kronsbein sein.

Für die letzten vier Spiele der Saison 1965/66 wurde Hannes Kirk als Interimstrainer installiert, der aber bis zum Saisonende auch nur noch einen Sieg (4:2 gegen VfB Stuttgart) einfahren konnte. Die Spielrunde beendeten die Leinenstädter auf einen – gemessen an den Erwartungen der Vereinsführung – sehr enttäuschenden 12. Platz (30:38 Punkte, 59:57 Tore). Für die kommende Saison verpflichtete Hannover 96 Horst Buhtz als neuen Trainer.

Kronsbein noch zweimal Hannover-Trainer

Aber Helmut Kronsbein, der als äußerst strenger Trainer bekannt war und seine Spieler auf Schritt und Tritt überwachte, fand schnell einen neuen Trainerposten. Er wechselte von der Leine an die Spree, wo er Hertha BSC ab dem Sommer 1966 übernahm und die Berliner nach ihrem Zwangsabstieg aus dem Vorjahr wieder in die Beletage des deutschen Fußballs führen sollte. Das Kapitel Hannover 96 war für Kronsbein aber noch nicht endgültig vorbei, kehrte er doch noch zweimal während seiner Trainerkarriere zu den Roten zurück.

Im Sommer 1980 beendete Helmut Kronsbein seine Trainerlaufbahn. Privat geriet er 1979 in die Schlagzeilen der deutschen Medienlandschaft, als seine Frau Gerda Kronsbein tot in der heimischen Badewanne aufgefunden wurde. Die Ehefrau Kronsbein beging Suizid. Mit einem Fön, der unter Strom stand nahm sich Gerda Kronsbein das Leben.

Helmut Kronsbein wegen Tod seiner Frau vor Gericht

Ihr Abschiedsbrief war kurz und knapp gehalten: „Ich nehme mir das Leben. Ich möchte verbrannt werden – Gerda Kronsbein.“, so die kurze Botschaft, die sie ihren Hinterblieben hinterließ. Die Gründe für ihren gewählten Freitod lagen nahe, denn die Ehe war wohl geprägt von Demütigungen und Gewalt. Erste Zweifel am Suizids kamen auf, nachdem sich Helmut Kronsbein bei der Vernehmung in Widersprüche verstrickte. So kam es 1984 zur Anklage wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Als bereits zwei Monate im Verfahren um den Tod von Gerda Kronsbein verstrichen waren, ging die Allgemeinheit davon aus, dass Helmut Kronsbein seine Frau umbrachte. Erst ein Gutachten vom Sachverständigen Volker Schneider konnte den ehemaligen Bundesligatrainer entlasten, sodass er freigesprochen wurde. Nur 7 Jahre später verstarb Helmut Kronsbein am 27.03.1991 im Alter von 76 Jahren in Berlin!