Handball-WM: DHB-Team verschenkt Sieg! Last-Minute-Remis im Krimi mit Russland

Ein gewohnt sicherer Rückhalt: DHB-Nationalkeeper Andreas Wolff

Bildquelle: Wenflou [CC BY-SA 0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Deutschland hat bei der Handball-WM 2019 den ersten Dämpfer kassiert. Im dritten Vorrundenspiel gab es beim Heim-Turnier nur ein 22:22 (12:10) gegen ein starkes Russland. Ein bitteres Unentschieden, zumal die DHB-Auswahl den Sieg leichtfertig verschenkte und ganz spät die Quittung bekam. Der vorzeitige Einzug in die Hauptrunde wurde verpasst und am Abend wartet Weltmeister Frankreich.

Neun Sekunden vor Schluss markierte Kosotorov das Last-Minute-Remis zum 22:22 für den Außenseiter aus Russland und sorgte damit für Totenstille in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin und verpasste Deutschland, das in der Schlussphase sehr nervös agierte und eine Führung verschenkte, nach den zwei souveränen Auftaktsiegen einen empfindlichen Dämpfer. Denn gegen die Russen war ein Sieg eigentlich fest eingeplant, der zugleich den Einzug in die Hauptrunde bedeutet hätte.

Deutschland vor Frankreich-Kracher unter Druck

Doch nun steht die DHB-Truppe im Duell am heutigen Montagabend (20.30 Uhr, live im ZDF) im ersten richtigen Highlight der Handball-WM gegen den starken Titelverteidiger Frankreich unter Druck. Zwar würde dem Prokop-Team in diesem richtungsweisenden Match mit einem Punktgewinn der Sprung in die Hauptrunde reichen, im Falle einer Pleite wäre aber aber der angepeilte Einzug ins Halbfinale in Gefahr. Zumal man durch das Unentschieden gegen Russland, die gute Chancen aufs Weiterkommen haben, wohl einen nicht eingeplanten Minuszähler in die Hauptrunde mitnehmen wird.

Verärgerter Prokop: „Haben Sack nicht zugemacht“

„Es ist enttäuschend, weil wir den Sack nicht zugemacht haben. Das ist ein bisschen ärgerlich“, erklärte DHB-Coach Christian Prokop nach dem ärgerlichen Remis gegen Russland in der ARD. „Wir waren nicht cool genug, die richtigen Entscheidungen zu treffen.“ Superstar und Kapitän Uwe Gensheimer war erneut bester Torschütze, aber die Russen hielten mit Timur Dbiriov dagegen, der ebenfalls achtmal einnetzte und den die deutsche Abwehr nicht in den Griff bekam.

„Wir können mit dem Punkt nicht zufrieden sein. Es ist gerade volle Verbitterung. Wir müssen schauen, dass wir uns den Punkt gegen Frankreich zurückholen“, sagte Torhüter Andreas Wolff und ergänzte: „Die Welt ist noch nicht untergegangen. Wir haben das Spiel ein bisschen weggeworfen, darüber müssen wir uns Gedanken machen.“ Fakt ist: Deutschland muss gegen Frankreich eine deutliche Leistungssteigerung zeigen!

Russland verlangt Deutschland alles ab

Nach den mühelosen Startsiegen gegen Korea (30:19) und Brasilien (34:21) zeigte sich im Duell mit Russland schon ab der ersten Minute, dass es eine ganz enge Kiste wird und dass der Ex-Weltmeister deutlich mehr Gegenwehr liefern wird. Die robusten und spielstarken Russen, die nach drei Partien noch ungeschlagen sind (1 Sieg, 2 Unentschieden), hielten von Beginn an gut mit und entpuppten sich als die erwartet schwere Aufgabe. Der zuvor so stabile und sicher präsentierende Defensivverbund um den Mittelblock Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler hatte mit den agilen Russen seine liebe Mühe und so dauerte es bis zur 7. Minute, ehe Deutschland durch einen Treffer von Steffen Weinhold zum 4:3 erstmals vorne lag.

Doch die sehr ausgeglichene und intensive Partie blieb umkämpft und das favorisierte DHB-Team konnte sich im ersten Durchgang nicht richtig absetzen. Zwar hatte Deutschland mit der sehr offensiven Abwehr Russlands seine liebe Mühe, aber dennoch war die 12:10-Halbzeitführung verdient.

Deutschland mit gutem Start in 2. Halbzeit

Der Beginn der zweiten Halbzeit verlief aus deutscher Sicht vielversprechend. Nach einem Hammer von Weinhold zum 15:11 hatte der WM-Gastgeber erstmals einen Vier-Tore-Vorsprung und auf den Rängen machte sich Euphorie breit. Doch Russland ließ sich nicht abschütteln und zeigte sich von der heißen Atmosphäre in der Mercedes-Benz-Arena nicht sonderlich beeindrucken. Das clever eingestellte Koksharov-Team war über den gesamten Spielverlauf äußerst unangenehm zu bespielen, während sich bei Deutschland Nervosität breit machte.

Kapitaler Fehler von Drux bricht DHB-Team das „Genick“

Aber als Gensheimer abgebrüht einen Siebenmeter per Heber zum 21:19 verwandelte (58.), war der Sieg zum Greifen nah. Doch ausgerechnet Rückraumspieler Paul Drux von den Füchsen Berlin unterlief vor heimischer Kulisse in der Crunchtime ein kapitaler Fehlpass, sodass Russland (59.) der 21:21-Ausgleich glückte. „Der hat uns das Genick gebrochen“, gestand Drux im Anschluss. Fabian Böhm brachte das DHB-Team noch einmal in Führung, aber der abgeklärte Widersacher glückte ganz spät durch Kosotorov der nicht unverdiente Ausgleich. Der letzte deutsche Angriff verpuffte und ein direkter Freiwurf von Steffen Fäth landete im roten Block.

In den zwei weiteren Partie der Gruppe A verbuchte Frankreich einen 34:23-Pflichtsieg gegen das punktlose Schlusslicht Korea und ist mit der Maximalausbeute von 6 Punkten Erster. Dahinter folgen Deutschland (5) und Russland (4), wobei sich die ersten Drei für die Hauptrunde qualifizieren. Vierter ist aktuell Brasilien (2), die am Montagabend überraschend Deutschlands letzten Vorrundengegner Serbien (1) mit 24:22 besiegten.