Trainerentlassung von Georg Gawliczek 1966 beim Hamburger SV

HSV entlässt Georg Gawliczek 1966

Bildquelle: Rob Croes / Anefo [CC0] [CC BY-SA 0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Im Frühjahr 1964 übernahm Georg Gawliczek den Trainerposten beim HSV. Zwei Jahre später musste der langjährige Assistent von Nationaltrainer Sepp Herberger die Trainerbank wieder räumen und wurde am 17. April 1966 entlassen. Dabei war nicht einmal das sportliche Abschneiden Ursache für die Entlassung, vielmehr rebellierten die HSV-Spieler gegen ihren Trainer.

Nachdem Georg Gawliczek im April 1964 als Trainer des FC Schalke 04 entlassen wurde, heuerte er beim Hamburger SV an, wo er Nachfolger von Martin Wilke wurde. In seinem ersten Trainerjahr führte Gawliczek die Hanseaten auf den 10. Platz, was die hohen Erwartungen natürlich nicht zufriedenstellte. In der Saison 1965/66 erwischte der HSV einen guten Saisonstart und nach dem 7. Spieltag rangierten die Rothosen auf dem 5. Platz.

 

Anschließend ging es mit dem HSV aber wieder leicht bergab und nach der Hinrunde fanden sich die Norddeutschen auf dem 11. Platz wider.

HSV-Spieler rebellierten gegen „Feldwebel“ Gawliczek

Dabei hing vor allem in der Mannschaft der Haussegen schief, da die Chemie zwischen Spieler und Trainer Georg Gawliczek alles andere als harmonisch war. Zweifelsohne gehörte Gawliczek vom Fachwissen her zu den besten Trainern seiner Zeit, aber dafür ließen seine Fähigkeiten in der Menschen- bzw. Spielerführung sowie sein Einfühlungsvermögen zu wünschen übrig. Als gutes Beispiel kann hierfür sein Auftritt kurz nach Dienstantritt beim HSV aufgeführt werden, als Gawliczek öffentlich zehn von 24 Lizenzspielern als „nicht bundesligareif“ abstrafte.

Auch die Beschreibung ehemaliger Spieler verdeutlicht, dass der Trainer ein Feldwebel war, der für seinen schroffen Kommandoton bekannt war. Das Verhältnis zwischen den HSV-Spielern und Gawliczek war auch nicht mehr zu retten. Im Januar 1966 lehnte sich die Mannschaft das erste Mal gegen ihren Trainer auf, doch einige Spieler, darunter auch Uwe Seeler, hielten noch zu Gawliczek. „Es liegt nicht allein an ihm. Wir haben zu schlecht gespielt“, sagte der damalige Torjäger.

Auch auf Vorstandsebene genoss Georg Gawliczek noch vollstes Vertrauen und die volle Rückendeckung und prompt wurde sein Vertrag demonstrativ um ein Jahr verlängert. Zum Ende der Saison hatte dann aber auch Gawliczek-Fürsprecher Uwe Seeler seine Meinung geändert. Der HSV-Kapitän trug dem Präsidium die vielen Klagen seiner Mannschaftskameraden vor, und als dann auch noch die Zuschauerzahlen immer weiter in den Keller gingen, fasste man den Entschluss, Gawliczek zu entlassen.

Gawliczek kurz vor Saisonende vom HSV entlassen

Am 29. Spieltag der Bundesliga war es dann soweit. Der HSV, zu diesem Zeitpunkt Tabellenneunter, feierte vor gerade einmal 6.000 Zuschauern (Bundesliga-Durchschnitt lag bei 20.000) einen souveränen 4:1-Erfolg gegen den 1. FC Kaiserslautern. Es sollte das letzte Spiel von Georg Gawliczek als HSV-Trainer sein, der Mitte April entlassen wurde. Offiziell hieß es, der Trainer bat um Urlaub. Von Gawliczek gab es dazu kein Kommentar. Das Kapitel HSV war für Gawliczek nach knapp zwei Jahren und 25 Siegen in 59 Spielen beendet. Mit dieser Bilanz ist er einer der erfolglosesten Trainer der HSV-Geschichte.

Neuer Trainer des Hamburger SV wurde Josef Schneider, der am Ende der Saison 1965/66 den 9. Platz erreichte. Privat ist über Georg Gawliczek nur wenig bekannt geworden, allerdings verstarb er am 4. September 1999 in Karlsruhe!


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