Ausführlicher Bericht zu Bellator 208 - Sonnen vs. Emelianenko

Fedor Emelianenko bei Bellator 208

Bildquelle: By Larry Burton on Picasa Web Albums [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Bereits 24 Stunden nach Bellator 207 wurde Bellator 208 ausgetragen. Der Grund für diesen Doppelpack: das Halbfinale des Bellator Schwergewichts GP! Es stand das zweite Halbfinale zwischen Chael Sonnen und Fedor Emelianenko an, nachdem Ryan Bader sich tags zuvor überdeutlich gegen Matt Mitrione im ersten Halbfinale durchgesetzt hatte.

Doch los ging es mit was Leichtem. Und zwar zwei Federgewichten. Andy Main (12-3-1) traf auf Henry Corrales (15-3). Main mit dem Reichweitenvorteil und Corrales zunächst mit Problemen, diesen zuverlässig zu überbrücken. Corrales setzte viel auf Inside Leg Kicks, die er relativ gefahrlos auf das recht exponierte vordere Bein von Main abfeuern konnte. Doch auch Main nicht wirklich in der Lage, seine Reichweite wirkungsvoll einzusetzen. Viele Arm Punches mit kaum was dahinter von ihm.

Main streckte meist die Fühler aus, aber alles nichts Zwingendes. Ab dem Ende der ersten Runde verlor Corrales dementsprechend zunehmend die Scheu, da Main nicht viel Bedrohung ausstrahlte. Im Verlauf des Kampfes wurde das, was zunächst nach Kontrolle durch Reichweite aussah, zunehmend zu einer zögerlichen Defensive. Main wirkte gehemmt. Er hatte zwar ein gutes Pokerface, doch schien er nicht frisch und seine Schläge wirkten langsam und schwach, wenn auch nicht unpräzise. Doch Henry Corrales merkte nun, dass etwas ging, und überbrückte die Distanz mit mehr Konsequenz. Sein Inside leg Kick diente dabei gewissermaßen als Türöffner, um Kombinationen einzuleiten. Main indes mit nur wenigen Wirkungstreffern. In der Dritten setzte es dann einen klaren Schlussakkord, als Corrales mit einer Linken der Niederschlag gelang, die sehr schnell den TKO nach sich zog. Recht deutlicher Sieg für Corrales, der nun mit mehreren Erfolgen in Serie seinen holprigen Start bei Bellator wieder überwunden hat.

Tokov gewinnt rein russisches Duell

Im Mittelgewicht traf dann Anatoly Tokov (26-2) auf Alexander Shlemenko (56-10). Ein rein russisches Duell! Shlemenko, für seine Knockout-Gefahr und unorthodoxen Schlagtechniken bekannt und seinerseits ein echtes Bellator Urgestein ist, mit bald 20 Kämpfen auf dem Konto, die er unter dem Banner von Bellator abgehalten hat. Tokov war sechs Jahre jünger (28 Jahre alt) und hatte die Rolle des aufstrebenden Fighters inne. Zu Beginn war der Kampf recht ausgeglichen. Shlemenko der Aggressivere der beiden Kontrahenten. Doch sobald Tokov sein Ringen in die Waagschale schmeißen konnte, lagen die Vorteile dort doch recht deutlich bei ihm. Zudem wurde Shlemenko im Kampfverlauf langsamer und übertrieb es mit seinen Spinning Backfists, die zum Teil wirklich telegrafiert waren. Tokov schien nach der ersten Runde zwar etwas müde, teilte sich aber seine Kräfte gut ein. Insbesondere weil er im Verlauf der Zweiten das Timing von Shlemenko, der teilweise aber auch von viel zu weit außen Angriff (wohl um das Ringen zu vermeiden), leicht auszugucken war. In der Folge kaum noch Treffer für Shlemenko. Tokov entging Shlemenkos Schlagoffensive leicht. Shlemenko zwar immer noch mit Vorwärtsbewegung und hohem Aktivitätsgrad, aber zunehmend ermüdend und zahnlos, weil zu leicht zu durchblicken. Von da an verwaltete Tokov einen Punktsieg, den er sich vor allem mit ringerischer Überlegenheit sichern konnte, wo er nahezu durch die Bank im Vorteil war.

Wichtiger Sieg für Anatoly Tokov, der sich für höhere Aufgaben empfehlen konnte! Shlemenko hingegen zum ersten Mal in seiner fortgeschrittenen Karriere mit drei Niederlagen in Folge. Er hat mit nun mehr knapp 70 kämpfen natürlich auch schon einen entsprechenden Kilometerstand. Er muss sich nun die Frage gefallen lassen, ob sein Performance-lastiger Kampfstil mit etlichen drehenden Attacken noch die richtige Herangehensweise für ihn ist. Denn Agilität und Geschwindigkeit weichen bekanntlich als Erstes. Shlemenko hat durchaus noch Schlagkraft und Präzision, müsste aber viel kompakter kämpfen. Für seinen aufsehenerregenden Kampfstil fehlt ihm, so scheint es, mittlerweile die Spritzigkeit.

Kongo und Henderson mit klaren Siegen

Als Nächstes waren die Schwergewichte dran. Timothy Johnson (12-4) gegen Cheick Kongo (28-10-2) in einem klassischen Aufeinandertreffen zwischen Ringer (Johnson) und Striker (Kongo). Doch Kongo zeigte hier mit seinen 43 Lenzen, dass er wirklich gereift ist wie ein feiner Wein, indem er seinen siebten Sieg in Folge in wenig mehr als einer Minute klar machte! Johnson lauerte auf eine Gelegenheit, Kongo am Käfig zu stellen, um diesem seine ringerischen Qualitäten aufzuzwingen. Doch Kongo zu scharf mit seinen Schlägen und zu umsichtig in seinen Bewegungen, um sich am Käfig stellen zu lassen. Johnson versuchte dementsprechend den Clinch zu erzwingen und setzte zum Double Leg Takedown an, um Kongo in den Käfig zu schrauben. Doch Kongo erwischte ihn mit einer super getimten Rechten, die Johnson zu Boden gehen ließ. Die folgenden Hammerfäuste waren nur noch eine Formalität und brachten Cheick Kongo einen beeindruckenden TKO-Sieg. Kongo somit definitiv ein wahrscheinlicher Gegner, mit dem sich der Gewinner des Bellator Schwergewichts GP möglicherweise auseinandersetzen muss. Im Spätherbst seiner Karriere sieht der enorm kontrolliert und smart kämpfende Kongo besser aus als je zuvor!

Anschließend kam es zu einem Aufeinandertreffen der Leichtgewichte Saad Awad (23-9) und Benson Henderson (25-8). Henderson brauchte eine Weile, um in die Runde zu finden. Er drohte schon wieder fast zu langsam zu starten, was ihn in Drei-Runden-Kämpfen in der Vergangenheit schon öfters den Sieg gekostet hat. Doch sobald er erst einmal das Timing für seine Takedowns fand, war Awad in tiefen Wassern! Henderson kontrollierte Awad, der durchaus gute Sprawls zeigte und alles Andere als planlos im defensiven Bodenkampf war. Doch die Arbeitsrate von Benson Henderson und seine absolut eng am Mann arbeitende Top Control waren zu viel für Awad. Von da an war der Weg zum Sieg für Benson Henderson vorgezeichnet, der immer wieder die Clinch- und Takedown-Situationen am Käfig suchte und auch fand. Awad dabei stets in der Defensive. Selbst wenn er es mal schaffte, sich eines Takedowns zu erwehren oder wieder hochzukommen, dauerte es nie lange, bis Henderson ihn wieder da hatte, wo er ihn haben wollte. Allerdings Henderson auch mit kleinen Nicklichkeiten und illegalen Taktiken, die den wahren Profi kennzeichnen. Da wurde mal ein Bisschen am Zaun gehalten, um die Position zu stabilisieren oder die Handschuhe des Gegners wurden gegriffen. Doch daran allein kann man den Sieg Hendersons sicherlich nicht festmachen. Er gewann deutlich und hielt sich überwiegend schadlos. Einzig und allein ein Konter Knie von Awad sorgte zwischendrin für einen kurzen Schreckmoment.

“The Last Emperor“ wird noch einmal ums Gold kämpfen!

Zuggeben: Beide Kämpfer sind weit von ihrem Zenit entfernt. Doch wer hätte gedacht: Chael Sonnen (30-15-1) gegen Fedor Emelianenko (37-5) jemals in einem Kampf zu sehen? Besser spät als nie! Es war das zweite Halbfinale des Schwergewichts GP von Bellator. Sonnen hatte sich in der ersten Runde gegen Rampage Jackson durchsetzen können, den er über die Distanz mit der besseren Arbeitsrate besiegte. Emelianenko knockte hingegen Frank Mir aus, um sein Ticket ins Halbfinale zu lösen.

Der Kampf ging sofort mit einem Knall los, als Fedor Sonnen mit einer Rechten im Konter traf und dieser sofort in heftigster Bedrängnis war. Wann immer Sonnen getroffen wurde, verkrampfte er. Es war klar zu sehen, dass die Power, die auch ein heftig reduzierter Emelianenko immer noch hat, nicht unbemerkt an Sonnen vorbeiging. Doch Sonnen schafft es nach einigen Ansätzen, seine Takedowns durchzubringen. Zweimal schaffte er es gar, Emelianenko zu Boden zu wuchten. Doch dort schien dessen Sambo Hintergrund durch, sodass es ihm mehrfach gelang, Sonnen zu kontern, wobei sich Sonnen auch einmal selbst um eine gute Position brachte, als er Fedors Rücken hatte und diesen mit einem Griff um den Kopf drehen wollten, was aber nicht gelang und ihn die Position kostete. Hier deutete sich das an, was Sonnen neben Fedors Schlagkraft zum Verhängnis werden sollte: Fedor war es einfach gewohnt, in dieser Gewichtsklasse anzutreten, wohingegen Sonnen seine (lange zurückliegenden) besten Zeiten im Mittelgewicht hatte und oberhalb davon niemals nachhaltig überzeugen konnte. Schließlich fand sich Sonnen in einer ausweglosen Situation wieder, als Fedor Emelianenko einen Versuch des Full Mounts konterte und selber in Sonnens Half Guard landete. Von da an knickte Sonnen schnell ein, als Fedor seine Hammerfäuste anbringen konnte.

Das letzte Hurra könnte kein fröhliches werden

Das Finale für den 26. Januar 2019 steht somit fest: Ryan Bader gegen Fedor Emelianenko! Und auch wenn es sentimental stimmt, dass mit Fedor eine der größten Legenden des Sports noch einmal unverhofft ums Gold kämpfen darf, so kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass Bader hier ein ganz anderes Kaliber ist. Er ist wesentlich kräftiger als Sonnen und auch der modernere Fighter. Was in einem jungen Sport wie MMA einiges an Gewicht hat. In den letzten 12 Kämpfen (seit 2013) hat Bader nur einen verloren. Und er hat kaum nur gegen Fallobst gekämpft. Bader ist einer der besten reinen MMA-Wrestler, weil er nie lange braucht, um in aussichtsreiche Position zu kommen, wenn er seinen Gegner auf die Matte bringt. Und wenn man bedenkt, dass selbst ein Chael Sonnen, der von seiner Statur her gewiss kein Schwergewichtler ist, Fedor zweimal von den Füßen heben konnte, dann hat Bader noch viel mehr Optionen zum Takedown. Sobald Bader Emelianenko am Zaun und am Boden hat, wird es für diesen schnell zu Ende gehen. Wenn Bader ihm nicht schon vorher die Lichter ausknipst, so wie er es in der ersten Runde des Turniers mit Lawal (in 15 Sekunden) gemacht hat.

Für Promoter Scott Coker hätte dieses Turnier nicht besser laufen können! Er hat ein Finale, bei dem er als Promoter nicht verlieren kann. Die Fans sehen Fedor endlich auf amerikanischem Boden um einen Titel kämpfen und sollte dieser auf seine wirklich alten Tage gewinnen, wäre es ein absoluter Feel-Good Moment. Oder aber Coker bekommt seinen ersten simultanen Titelträger in Bader (Halbschwergewicht und Schwergewicht). Und das gibt es kein Vertun: Dass Letzteres passiert, ist exorbitant wahrscheinlicher! Solange Bader keine Nerven zeigt, hat Fedor keine Chance! An der Aussage lässt sich dieser Autor hier auch gerne am 26. Januar messen. Also, Termin vormerken!


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