Der Reebok-Deal - Eine schwere Hypothek für die UFC

Die UFC und der Reebok-Deal

Bildquelle: Andrius Petrucenia [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Für eine Form des Preiskampfs, die (zumindest in ihrer modernen Ausprägung) kaum mehr als 25 Jahre auf dem Buckel hat, haben sich die MMA in bemerkenswerter Weise etabliert. Mittlerweile wird der Sport weitgehend auf Augenhöhe mit dem Boxen wahrgenommen. Eine Erfolgsgeschichte, an der die Geschicke der UFC nicht ohne Anteil waren, um es mal milde auszudrücken. Die UFC ist die historisch wichtigste Promotion des jungen Sports. Sie trug die Fackel weiter, als der Sport ab Ende der 90er marginalisiert zu werden drohte.

Hätte die UFC nicht den Test der Zeit bestanden, dann wären die MMA als kommerziell attraktiver Zuschauersport wohl spätestens mit dem Niedergang von PRIDE ab Mitte der 2000er Jahre von der Bildfläche verschwunden. Heute ist die UFC in den MMA das Maß aller Dinge und die UFC Rangliste beinhaltet gefühlte 95 % der Top-Kämpfer des Sports.

Sie hat mit dem WWE-Wrestler Brock Lesnar, MMA Kämpferin Ronda Rousey und dem irischen Trashtalker Conor McGregor die größten Stars produziert, die dieser Sport bislang gesehen hat. Mittlerweile schnuppern regelmäßig durchaus auch deutsche Kämpfer, wie Nick Hein, UFC Luft.

Doch ist das Business des Preiskampfs schon immer ein Zynisches gewesen. Da sind auch die MMA keine Ausnahme. Zum kommerziellen Aufstieg der UFC insbesondere und den MMA insgesamt gehören größere Pfründe – und die berechtigte Frage, wie diese denn aufgeteilt werden. Fernseh-Deals mit Spike, dann Fox Sports und nun ESPN (dem amerikanischen Äquivalent von Eurosport) haben der UFC einen Haufen Geld in die Taschen geschwemmt. Nicht von ungefähr wurde sie 2017 für rund vier Milliarden an die Investoren von WME IMG verkauft. Und dann war da noch der Reebok-Deal, der ebenfalls für mehr Mainstream Akzeptanz sorgen sollte. Vordergründig.

Was der Reebok-Deal geändert hat

Vor dem Reebok-Deal waren alle Kämpfer in der UFC berechtigt, eigene Sponsoren anzuheuern und im Kampf zu repräsentieren. Diese waren auf Plakaten, die bei der Ansage der Kämpfer ausgerollt wurden, zu sehen. Ferner dienten vor allem die Hosen der Kämpfer als begehrte Werbefläche. Eben jene wurde mit dem Reebok-Deal aber von der UFC exklusiv Reebok zur Verfügung gestellt. Die UFC trat stellvertretend für ihre Kämpfer auf und versorgte alle mit einem Exclusiv-Sponsor und Funktionskleidung für den Kampf. Für die UFC war das ein echter Coup, weil sie diese Rechte teuer verkauft hat. Die Kämpfer jedoch schauten in die Röhre. Denn jeder Kämpfer erhält, abhängig von der Anzahl seiner Kämpfe, die er für die UFC bestritten hat, (bzw. unter dem Banner von StrikeForce und der WEC – die beide von der UFC aufgekauft wurden) einen sich langsam steigernden Betrag. Die Struktur sieht dabei wie folgt aus:

  • Kämpfer mit 1-3 Kämpfen erhalten 3.500 $
  • Kämpfer mit 4-5 Kämpfen erhalten 4.000 $
  • Kämpfer mit 6-10 Kämpfen erhalten 5.000 $
  • Kämpfer mit 11-15 Kämpfen erhalten 10.000 $
  • Kämpfer mit 16-20 Kämpfen erhalten 15.000 $
  • Kämpfer mit 21+ Kämpfen erhalten 20.000 $
  • Titelherausforderer erhalten 30.000 $
  • Verteidigende Champions erhalten 40.000 $

Sehr ernüchternde Zahlen, wenn man weiß, dass jemand mit 11-15 UFC-Kämpfen schon ein recht etablierter Kämpfer sein muss, um überhaupt so weit zu kommen. Geschweige denn, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits ein Star auf seinem Zenit sein könnte! Auf dem freien Markt könnte so jemand weit mehr als 10.000 Dollar an Sponsorengeldern an Land ziehen. Gut und gerne vier- bis fünfmal so viel. Und noch mal deutlich mehr, wenn er bereits Titelträger war. Conor McGregor hat elf UFC-Kämpfe, um nur ein sehr eindringliches Beispiel zu nennen! Doch diese Verhandlungen stehen den Kämpfern nun nicht mehr offen. Denn die UFC hat mit Reebok einen Deal abgeschlossen, der noch bis 2021 läuft und der UFC rund 70 Millionen Dollar eingebracht haben soll. Wie glänzend das Geschäft für die UFC dabei war, sieht man daran, dass die UFC bislang noch nie mehr als einstellige Millionenbeträge pro Geschäftsjahr an ihre Athleten ausgeschüttet hat. Meist liegen die Ausschüttungen pro Jahr insgesamt um die 6,5 Millionen. Knapp die Hälfte des auf sechs Jahre angesetzten Reebok-Deals von 2015 bleibt also in der Administration der UFC hängen!

Der Reebok-Deal brachte der UFC eine Monopol-Stellung

Preiskämpfer verdienen nicht viel Geld. Sicher gibt es die Conor McGregors und Floyd Mayweathers dieser Welt, die Beträge einstreichen, mit denen sie es auf jede Forbesliste schaffen. Aber alles unterhalb dieser Mega-Stars verdient VIEL weniger. Wer nicht zumindest ein regulärer Main-Carder auf UFC-Niveau ist, der sportlich im oder nahe des Main Event Bereichs ist, der kann es fast vergessen, vom Kämpfen zu leben! Insbesondere weil es ein teurer Lebensstil ist. Reisekosten, teure Versicherungen, Kosten durch Verletzungen (Therapie und Einkommensausfälle), das Bezahlen von Gyms, Trainerstäben und Sparrings-Partnern sowie ggf. Agenten. All das macht es zu einem teuren Spaß, ein Kämpfer zu sein. Die Sponsorengelder auf dem freien Markt waren und sind dementsprechend eine immens wichtige Einnahmequelle für viele reguläre und durchaus auch sehr gute Kämpfer, um ihren Zahltag zu verdoppeln und zu verdreifachen. Denn die Kampfprämien für jemanden auf der Mid Card übersteigen selten 30.000 bis 40.000 Dollar (selbst im Falle eines Sieges!). Der Reebok-Deal hat die UFC-Kämpfer somit einer wichtigen Einnahmequelle beraubt. Denn jeder, der bei der UFC anheuert, muss sich auf diesen Deal einlassen.

Die UFC hat damit effektiv die Kämpfer vom Sponsoring der Veranstaltungen abgeschnitten. Denn für sämtliche Werbeflächen, die nicht per Pauschal-Vertrag von Reebok oder (am Rande) von Monster Energy vereinnahmt werden, ist nun die UFC der einzige verbleibende Ansprechpartner. Die UFC hat das Sponsoring bei ihren Events komplett in ihrem Sinne monopolisiert. Besonders widerwärtig dabei: UFC-Präsident Dana White betonte damals, dass er nicht wolle, dass die Kämpfer aussehen würden wie Nascars (aufgrund der zahlreichen Werbebanner auf ihren Hosen). Solche Bedenken scheinen ihm und den anderen UFC-Verantwortlichen aber ganz und gar fremd zu sein, wenn es um etwas Anderes als Hosen geht. Denn das Octagon ist zugepflastert mit Werbung wie nie! Mittlerweile wird selbst jedes mediale Versatzstück, das sich bei den Events routiniert ergibt, ausdrücklich vermarktet. So überschlagen sich die Play-By-Play Kommentatoren der UFC damit, Sponsoren-Namen und dazugehörige Slogans sinnlos in den Äther zu brabbeln. “Dieser Einmarsch wird Ihnen präsentiert von ... dieser Blick in die Kabine wird Ihnen präsentiert von ….. dieses verlegene Bohren in der Nase wird Ihnen präsentiert von!“

Ein Schnitt ins eigene Fleisch

Was das Geld belangt, war der Reebok-Deal eine feine Angelegenheit für die UFC. Nicht nur hat er 70 Millionen Dollar in die Kassen gespült, welche die UFC nur halbwegs weitergibt. Er hat auch den Sponsoren-Markt, soweit er die Events an sich betrifft, vollkommen unter die Kontrolle der UFC gebracht. Wer von sich aus sein Produkt in UFC-Kämpfen repräsentiert sehen will, der muss nun mit der UFC sprechen. Die Kämpfer sind außen vor!

Doch offenbart sich mehr und mehr, dass die UFC anderweitig dafür bezahlen muss. So hatte sie seit dem Reebok-Deal einige Abgänge zur Konkurrenz zu verzeichnen, die nicht ganz schmerzlos waren. Ryan Bader war so gut wie nie, als er der UFC den Rücken gekehrt hat. Er wird jetzt in Kürze bei Bellator gegen MMA-Legende Fedor Emelianenko antreten – um den Titel! Eddie Alvarez, Gegard Mousasi, Rory MacDonald, Chael Sonnen, Frank Mir, Cheick Kongo, Benson Henderson etc. Alles Namen, die noch vor ein paar Jahren selbstverständlich beim Marktführer angetreten sind. Nun hat mindestens die Hälfte der soeben Genannten eben jenen verlassen, weil das Gras woanders grüner war. Und zwar eben dort, wo sie selber ihre Sponsoren aushandeln und repräsentieren können. Insbesondere Bader, Mousasi, Kongo, MacDonald und auch Bellator Ur-Veteran Michael Chandler wären stark genug, um auch in den oberen Rängen der UFC mitzumischen. Dass sie sich dagegen entschieden haben bzw. aktiv von dort weg gegangen sind, als es sportlich lief, spricht Bände! Und wer weiß schon, wie viele junge, nachrückende Talente sich hinsetzen, eins und eins zusammenzählen und dann lieber zu ONE Championship, Bellator und Co. gehen, anstatt sich in der UFC für ein Gnadenbrot zu verdingen?


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