Liste aller Olympiasieger im Fußball

Alle Sieger im Fußball der Olympischen Spiele

Bildquelle: Jonas de Carvalho [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Bereits seit 1908 zählt Fußball zum festen Bestandteil bei den Olympischen Sommerspielen. Doch das Turnier findet international weitaus weniger Beachtung und genießt längst nicht den Stellenwert einer Welt- oder Europameisterschaft. So verwundert es nicht, dass die Liste aller Olympiasieger im Fußball jede Menge Überraschungen zutage fördert und sich unter den Medaillengewinnern viele Teams aus dem europäischen Ostblock oder auch Afrika befinden. Was aber auch den Statuten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zu verdanken ist.

Die aktuellen IOC-Regelungen für das olympische Fußballturnier der Männer sehen vor, dass überwiegend nur U23-Spieler eingesetzt werden dürfen. Lediglich drei ältere Spieler (A-Nationalspieler) dürfen pro Team in den Olympia-Kader nominiert werden. Diese Regelung gilt seit 1996.

Fußball bei Olympia lange Zeit nur mit Amateuren

Die Jahre zuvor waren von jeder Menge Konflikten zwischen dem IOC oder dem Weltfußballverband FIFA geprägt. So war bis 1980 offiziell nur Amateurspieler gestattet beim Olympia Fußballturnier teilnehmen. Um der zunehmenden Bedeutungslosigkeit entgegenzuwirken konnte sich das IOC zu einem Kompromiss durchringen, indem zunächst doch Profis zugelassen wurden, die zuvor aber keine WM oder EM gespielt haben durften.

Das wurde 1992 durch die Altersbeschränkung gekippt. Seitdem geht es mit dem olympischen Fußballturnier wieder langsam bergauf und gerade für junge Spieler sind die Olympischen Spiele mittlerweile ein Highlight.

Olympiasieger im Fußball: Deutschland noch ohne Gold - Rekord für Ungarn

Dennoch ist es dem Amateurstatut zu verdanken, dass die Siegerliste im olympischen Fußball haufenweise untypischer Ergebnisse liefert. Denn von den seit 1908 bis heute (Dezember 2020) 23 ausgetragenen Turnieren, konnte Vierfach-Weltmeister Deutschland noch keines gewinnen und stand überhaupt erst einmal im Finale. Bei den letzten Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro, wo Gastgeber Brasilien knapp im Elfmeterschießen die Oberhand behielt. Gleichbedeutend mit dem ersten olympischen Fußball-Gold für den Rekordweltmeister vom Zuckerhut, nachdem dieser zuvor schon drei Endspiele verloren gingen (1984, 1988, 2012).

Doch der Rekord-Olympiasieger im Fußball ist dafür Ungarn mit dreimal Gold - 1952, 1964 und 1968! Zudem holte das ungarische Olympiateam noch jeweils einmal Silber und Bronze. Der ungarische Medaillenregnen ereignete sich übrigens zwischen 1952 bis 1972, als man in fünf der sechs Turniere auf dem Treppchen stand.

Chronologische Übersicht der Olympiasieger im Fußball

 

Jahr Ausrichter Gold Silber Bronze Vierter
1900 Paris Großbritannien Frankreich Belgien -
1904 St. Louis Kanada USA USA -
1908 London Großbritannien Dänemark Holland Schweden
1912 Stockholm Großbritannien Dänemark Holland Finnland
1920 Antwerpen Belgien Spanien Holland -
1924 Paris Uruguay Schweiz Schweden Holland
1928 Amsterdam Uruguay Argentinien Italien Ägypten
1932 Los Angeles Fußball nicht olympisch - - -
1936 Berlin Italien Österreich Norwegen Polen
1948 London Schweden Jugoslawien Dänemark Großbritannien
1952 Helsinki Ungarn Jugoslawien Schweden BRD
1956 Melbourne UdSSR Jugoslawien Bulgarien Indien
1960 Rom Jugoslawien Dänemark Ungarn Italien
1964 Tokio Ungarn CSSR DDR* Ägypten
1968 Mexiko City Ungarn Bulgarien Mexiko Japan
1972 München Polen Ungarn DDR
UdSSR
-
1976 Montreal DDR Polen UdSSR Brasilien
1980 Moskau CSSR DDR UdSSR Jugoslawien
1984 Los Angeles Frankreich Brasilien Jugoslawien Italien
1988 Seoul UdSSR Brasilien BRD Italien
1992 Barcelona Spanien Polen Ghana Australien
1996 Atlanta Nigeria Argentinien Brasilien Portugal
2000 Sydney Kamerun Spanien Chile USA
2004 Athen Argentinien Paraguay Italien Irak
2008 Peking Argentinien Nigeria Brasilien Belgien
2012 London Mexiko Brasilien Südkorea Japan
2016 Rio de Janeiro Brasilien Deutschland Nigeria Honduras
2021 Tokio        

 

Seriensieger: Ostblock-Staaten im olympischen Fußball obenauf

Ohnehin zeigt sich in der Liste der Olympiasieger im Fußball, dass Nationen aus dem Ostblock zwischen 1952 bis einschließlich 1980 den Ton angaben und die Goldvergabe unter sich ausmachten. Neben Ungarn gewannen außerdem 1956 die UdSSR (1:0 im Finale gegen Jugoslawien), 1960 Jugoslawien (3:1 gegen Dänemark), 1972 Polen (4:1 gegen Bulgarien), 1976 die DDR (1:0 gegen Polen) und 1980 die Tschechoslowakei (1:0 gegen die DDR).

Ungarn traf bei seinen Gold-Triumphen im Endspiel ebenfalls ausschließlich auf Ostblock-Staaten: 1952 besiegten die Magyaren Jugoslawien mit 2:0, 1964 wurde die Tschechoslowakei mit 2:1 bezwungen und vier Jahre später mit einem deutlichen 4:1 über Bulgarien die Goldmedaille erfolgreich verteidigt!

Olympische Amateurregel als Vorteil für Ostblock-Länder

Die Dominanz der osteuropäischen Länder in der Zeitspanne zwischen 1952 bis 1980 ist aber dem besonderen Umstand geschuldet, dass keine Profis, sondern offiziell nur Amateurspiele startberechtigt waren. Dazu wurden auch die sog. Staatsamateure der Ostblock-Staaten gezählt. Diese wurde zwar von den jeweiligen Verbänden als Amateure deklariert, es handelte sich aber dennoch um Leistungssportler.

Die Folge war, dass die sozialistischen Länder aus Osteuropa den Nationen mit Profifußball einen klaren Vorteil bei den olympischen Fußballturnieren hatten und es große Leistungsunterschiede gab. Parallel hatte die FIFA mit der Etablierung der Weltmeisterschaft die Weichen für den professionellen Fußball gestellt und so fristete das olympische Fußballturnier während dieser Epoche ein kaum beachtetes Schattendasein.

1988: Erste Olympiamedaille für Deutschland, auch dank Klinsmann

Nach der Aufhebung der Amateurbestimmungen avancierte prompt Frankreich 1984 zum Olympiasieger. 1988 schnappte sich dann die UdSSR zum zweiten Mal Gold durch einen 2:1 Sieg nach Verlängerung gegen Brasilien. Bronze ging immerhin an Deutschland, die im Spiel um Platz 3 auch dank eines Treffers von Jürgen Klinsmann mit 3:0 über Italien die Oberhand behielten und damit erstmals eine Olympia-Medaille im Fußball gewannen.

Der Fußball-Olympiasieg 1992 ging an die junge spanische Auswahl, die mit heutigen Fußballlegenden wie Luis Enrique und Pep Guardiola in der Startelf Polen im Finale mit 3:2 besiegten. Die erste und bis dato einzige Goldmedaille für Spanien.

Nigeria & Kamerun lassen Afrika jubeln - Doppelpack von Argentinien

Zugleich war es das letzte Mal, dass der Fußball-Olympiasieger aus Europa stammte, die zuvor 16 der 18 Turniergewinner stellten! 1996 stand mit Nigeria erstmals eine afrikanische Mannschaft im Finale. Doch damit nicht genug! Die Super Eagles besiegten Argentinien dank eines Last-Minute-Treffers von Emmanuel Amuneke mit 3:2 und konnten als erste Mannschaft Afrikas ein großes internationales Turnier gewinnen. Rang drei sicherte sich Brasilien, das Portugal mit 5:0 deklassierte. Erstmals in der Geschichte blieben die europäischen Nationen bei einem Olympiaturnier im Fußball gänzlich ohne Medaille.

Auch 2000 kam der Olympiasieger aus Afrika. Bei den Spielen in Sydney sorgte Kamerun für Aufsehen und besiegte Spanien im Gold-Match glücklich im Elfmeterschießen. Bei den folgenden zwei Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen und 2008 in Peking konnte Argentinien zweimal in Folge Gold abgreifen. 2008 mischte übrigens der damals 21-jährige Lionel Messi mit.

Olympiasieger im Fußball: Vier Länder können Gold verteidigen

Bereits zum vierten Mal der Olympia-Historie konnte eine Nation ihre Goldmedaille verteidigen. Vor Argentinien glückte es Großbritannien, die bei den ersten beiden „richtigen“ olympischen Fußball-Turnieren 1908 und 1912 Gold holten (1900, 1904 und bei den Zwischenspielen 1906 gab es im Fußball lediglich Demonstrationswettbewerbe mit Vereinen). Zudem schaffte es auch Uruguay bei den Spielen 1924 in Paris und 1928 in Amsterdam sowie die bereits erwähnt Ungarn (1964, 1968).

2012 feierte dagegen Mexiko Premiere und schaffte es erstmals in die Siegerliste beim olympischen Fußball. Die Lateinamerikaner setzten sich im Endspiel mit 2:1 gegen Brasilien durch, wobei Oribe Peralta mit einem Doppelpack zum Matchwinner der El Tri avancierte. Doch vier Jahre später konnte die brasilianische Auswahl ihren „Olympia-Fluch“ beilegen und im vierten Endspiel endlich die langersehnte Goldmedaille gewinnen.


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