UFC Fight Night 135 - Gaethje vs. Vick im Fokus

Bericht zur UFC Fight Night 135

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Eigentlich sollte UFC Fan Darling Justin Gaethje als Headliner dieser Veranstaltung gegen “Raging“ Al Iaqunita kämpfen. Dieser zog sich jedoch aus dem Kampf zurück, sodass nun der Texaner James Vick eine heiß ersehnte Chance erhalten sollte, endlich gegen einen der Kämpfer von Rang und Namen anzutreten. Doch auch abseits des Main-Events bot diese Matchcard einige spannende Konstellationen! Das alles in Lincoln, Nebraska – womit die UFC diesem Ort ihren ersten Besuch überhaupt abstatten konnte.

Los ging es wie immer mit den UFC Fight Pass Vorkämpfen. Dort traf Rani Yahya (25-9) auf Luke Sanders (12-2). Der Brasilianer Yahya war natürlich wesentlich erfahrener (mehr als doppelt so viele Kämpfe und nur ein Jahr Altersunterschied). Yahya ist einer der effektivsten Aufgabe Spezialisten im Bantamgewicht.

 

Ein Status, den er eindrucksvoll untermauerte! Denn er siegte durch Heelhook in Runde 1, als er Sanders bereits früh in seine Guard zog und ihm aus dieser vermeintlich defensiven Position heraus keine Chance ließ.

Als Nächstes traf Drew Dober (19-8-1 NC) im Leichtgewicht auf Jon Tuck (10-4). Drew Dober hatte als Lokalmatador das Publikum im Rücken. Ein Umstand, der ihm offensichtlich nicht geschadet hat, als er über drei Runden den Kampf sowohl im Stehen als auch auf der Matte dominierte und einen zu keinem Zeitpunkt gefährdeten Punktsieg einfuhr.

Der letzte Kampf der Fight Pass Vorkämpfe wurde zwischen Joanne Calderwood (11-3) und Kalindra Faria (18-7-1) im Fliegengewicht der Frauen bestritten. Obwohl beide Kämpferinnen einen Muay Thai Hintergrund teilen, kam es nicht zum erwarteten Schlagabtausch. Stattdessen zwang Faria den Kampf direkt auf die Matte und kontrollierte Calderwood dort gut, der nichts blieb, außer sich zu verteidigen. Doch ca. 40 Sekunden vor Schluss gelang es Calderwood, trotz dessen dass sie quasi die ganze Runde auf dem Rücken verbracht hatte, mit ihren Beinen einen Triangle um den Kopf ihrer Gegnerin zu schlingen und von dort aus, nur Sekunden vor Schluss der ersten Runde, einen Armhebel anzubringen und die Aufgabe zu erzwingen. Ein toller Sieg für Calderwood!

FS2 Vorkämpfe – unfassbares Comeback für Sandhagen gegen Alcantara

Weiter ging es mit den FS2 Vorkämpfen. Hier traf zunächst das Weltergewicht Nachwuchstalent Mickey Gall (4-1) auf den elf Jahre älteren George Sullivan (17-6-1 NC). Mickey Gall entschied diesen Kampf früh in der ersten Runde für sich. Und zum fünften Mal war es der Rear Naked Choke, der ihm den Sieg sicherte.

Danach traf Andrew Sanchez (10-4) im Mittelgewicht auf Markus Perez (10-1). Perez präsentierte sich als sehr unorthodoxer Striker und setzt auf viele Body Kicks, bis Sanchez ihn am Zaun stellte und dort in einen ringerischen Zermürbungskampf zwang, wodurch er die erste Runde für sich entscheiden konnte. Die zweite Runde war ausgeglichener. Doch wie schon in er Ersten gestattete Perez sich zu oft, nachlässig zu sein und möglichst viel Spektakel mit Kicks und dergleichen zu bieten, wodurch er sich immer wieder ohne Not in Bedrängnis brachte, wann immer Sanchez ihm dadurch zunahe, kommen konnte. Obwohl technisch der mit Kicks und Händen Schnellere der Beiden, kämpfte Perez auch in der dritten Runde einen dummen Kampf. Bestrebt mit spektakulärer Offensive zu glänzen, zeigte er taktische Defizite, als er dies komplett überstrapazierte und sich dadurch immer wieder in schlechte Positionen brachte, die Sanchez ausnutzen konnte, um so den Punktsieg verdientermaßen einzufahren.

Anschließend kam es im Bantamgewicht zum Kampf zwischen Cory Sandhagen (8-1) und Iuri Alcantara (35-9). Hier gelang Cory Sandhagen ein unfassbares Comeback! Bereits früh hatte Alcantara ihn auf die Matte gezwungen und hatte ihn in einem wahnsinnig tiefen Armhebel, während er ihn mit der anderen Hand mit Hammerfäusten übersäte. Doch Sandhagen, trotz dessen dass sein Arm sichtbar gebogen war, gab nicht auf und entkam tatsächlich aus dieser Position! Von da an war er über Alcantara und entfesselte einen Sturm. Alcantara hatte Glück (.... oder Pech), dass der Kampf in der ersten Runde nicht bereits abgebrochen wurde, da er nur geradeso durchhielt, den Schlägen jedoch nicht entgehen konnte. In der Zweiten schickte Alcantara ein Schlag erneut auf die Bretter und er wurde wiederum mit Ground and Pound überschüttet. Es dauerte gefühlte Ewigkeiten, bis der stümperhafte Ringrichter endlich einschritt und dieses so unverhofft einseitige Massaker beendete. Der Ringrichter machte hierbei keine gute Figur! Was diesen tollen und hochverdienten Sieg für Sandhagen doch ein wenig überschattet.

Der letzte Fight der FS2 Vorkämpfe wurde ausgefochten zwischen den beiden Weltergewichten James Krause (24-8) und Warlley Alves (13-2). Krause war in einer recht ausgeglichenen ersten Runde der aktivere und aggressivere Kämpfer der beiden. Wenn auch etwas nachlässig in vielen seiner Aktionen. In der zweiten Runde kam Alves gleich mit massiver Schlagoffensive, sodass Krause sich genötigt sah, ihn an den Zaun zu drängen und ihn dort mit Dirty Boxing zu zermürben. Eine Rechnung, die aufging. Denn beim nächsten offenen Schlagabtausch hatte Krause das bessere Ende für sich, als er mit einem Knie den Kopf von Alves traf. Dieser strauchelte zurück in den Zaun und hatte den Schlägen von Krause nichts mehr entgegenzusetzen, sodass der Ringrichter dazwischen ging und Krause den TKO-Sieg in der Zweiten klar machte.

Main Card – Gaethje und Johnson wieder zurück auf der Siegerspur

Die Main Card startete mit Eryk Anders (10-1) gegen Tim Williams (15-4), zwei Mittelgewichten. Tim Williams kam als riesiger Underdog in diesen Kampf. Die Buchmacher sahen die Chancen 10 zu 1 für Anders. Der Kampf spiegelte diese Diskrepanz jedoch nicht wieder, sondern war tatsächlich sehr ausgeglichen. Die erste Runde lief sogar zugunsten des Außenseiters. Doch ab der Zweiten zahlten die technisch besseren und stärkeren Schläge von Anders sich zunehmend aus. In der Dritten machten er dann dreißig Sekunden vor Schluss den Sieg klar, als er den nach einem Niederschlag wieder aufstehenden Williams mit einem Soccer Kick gegen den Kopf traf, der jedoch legal war, da Williams beide Knie und Hände bereits von der Matte waren.

Als Nächstes traf John Moraga (19-6) im Fliegengewicht auf den ungeschlagenen Brasilianer Deiveson Figueiredo (14-0). Ein intensives Aufeinandertreffen, bei dem schon fast beim Weigh-in die Fäuste geflogen wären. In der ersten Runde landete Moraga mit einem Schlag gegen den Kopf von Figueiredo. Dieser, nun auf wackligen Beinen, tat gut daran, sich mittels Takedown in den Bodenkampf zu flüchten, wo er sich erholen konnte und sich sein BJJ Schwarzgurt bezahlt machte, indem er dominante Top Control ausübte. Damit war er so erfolgreich, dass er in der Zweiten dort weitermachte, wo er aufgehört hatte. Erneut brachte er den Kampf auf die Matte, wo er mit Faustschlägen Schaden anrichtete. Kaum gelang es Moraga hochzukommen, wurde er nach einem Ellbogen und einer Rechten wieder auf die Bretter geschickt. Als er noch einmal hochkam, nun sichtbar angeschlagen, duckte er sich (möglicherweise beim Versuch eines Takedowns seinerseits), in einen linken Aufwärtshaken von Figueiredo hinein, der das TKO und somit den Sieg für den weiterhin ungeschlagenen Brasilianer besiegelte.

Weitere Fights mit viel Spannung

Fights bei UFC 135

Bildquelle: Mark Richardson [CC BY-SA 2.0], via Flickr.com (Bild bearbeitet)

Nun kam es zum Kampf zwischen zwei Weltergewichten. Der UFC-Veteran Jake Ellenberger (31-14) traf auf Bryan Barbarena (13-5). Zunächst etwas verhalten konnte keiner der beiden Kämpfer sich dem jeweils anderen aufzwingen. Doch sowie Barabarena die erste gute Kombination landete, ging Ellenberger schon zu Boden, sehr zum Entsetzen seines heimischen Publikums in Nebraska. Hier sah man, dass sein Kinn nicht mehr wirklich da war. Ellenberger verlor durch TKO (seine vierte Niederlage durch KO/TKO in Serie) und beendete seine Karriere nach diesem Kampf. Er hatte seit 2005 gekämpft und in dieser Zeit über 45 Kämpfe bestritten.

Anschließend stand Cortney Casey (7-6) gegen Angela Hill (8-4) im Strohgewicht der Frauen auf dem Programm. Ein ausgeglichener Kampf, der über die volle Distanz ging. Die quirlige Angela Hill war dabei ein wenig mobiler, ein wenig aktiver und brachte zwischenzeitig auch einen Armhebel an. Dafür landete Casey im fortschreitende Kampverlauf die Mehrzahl der Wirkungstreffer und alternierte strategisch klug zwischen Schlägen, Takedowns und Clinchversuchen. Letztlich tat Casey genug, um eine Split Decision zu ihren Gunsten zu erreichen. Etwas, worüber sie sichtbar erleichtert war; hatte sie doch zuletzt zwei knappe Kämpfe durch Split Decisions verloren!

Nicht minder knapp war der Co-Main Event zwischen den beiden UFC erfahrenen Federgewichten Michael Johnson (17-13) und Andre Fili (18-5). Johnson hatte hierbei das glücklichere Ende für sich, da zwei Kampfrichter ihm den Punktsieg und somit die Split Decision zustanden. Ein Kampf, wo es fast schon Auslegungssache war, wem man den Sieg geben konnte. Fili zeigte über weite Strecken mehr Vorwärtsdrang und hatte Johnson in der zweiten Runde in einer ganz gefährlichen Position, als er seinen Rücken nahm und ihn zweimal hintereinander fast im Rear Naked Choke sicher hatte. Doch der notorisch zähe Johnson überstand diese Situationen und konnte, insbesondere mit seiner nahezu ansatzlosen Linken, immer wieder Wirkungstreffer erzielen. Letztlich tat er genug in den Augen der Kampfrichter, um diesen Kampf zu gewinnen. Aber es war wirklich äußerst knapp und man hätte auch für Fili einen knappen Sieg rechtfertigen können. Gefühlt daher eigentlich fast schon eher ein Unentschieden.

Der Hauptkampf zwischen den beiden Top Ten Leichtgewichten Justin Gaethje (18-2) und James Vick (13-1) sollte nicht lange gehen. Vick, der für ein Leichtgewicht außergewöhnlich groß ist, schaffte es zunächst, seine Reichweitenvorteile mit Front Kicks und Jabs zu verwalten. Doch Gaethje tat das, was er immer tut und marschierte ohne Rücksicht auf Verluste nach vorne. Und als er in der Ersten mit einem rechten Haken an den Kopf von Vick traf, war dieser direkt ausgeknockt. Ein Kantersieg für Gaethje, der sich damit wieder auf die Siegesspur gebracht hat und in einer sehr starken Leichtgewichtsdivision demnächst sicher auf einen großen Namen treffen wird.


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