Bundesliga: Sportwetten in Deutschland - Legal, illegal oder scheißegal?


Rechtliches über Sportwetten in Deutschland

Sportwetten waren schon seit je her sehr beliebt. Nicht nur in Deutschland, sondern nahezu überall auf der Welt. Allerdings gilt es für Unternehmen, die in der Glücksspielbranche unterwegs sind, einiges zu beachten, wenn sie in Deutschland ansässig sind und ihr Angebot an den Mann oder an die Frau bringen möchten.

Sportwetten gelten als Zeitvertreib für viele, manche sind sogar als Berufsspieler unterwegs. In unserem Artikel möchten wir darauf eingehen, wie es rechtlich in diesem Bereich aussieht, ob Gewinne versteuert werden müssen oder nicht und was so ein Glücksspielanbieter an Umsätze oder auch vielleicht an Gewinne erzielt.

 

Den Überblick zu behalten, ist gar nicht so einfach, denn dazu tummeln sich mittlerweile zu viele Unternehmen mit ihren Webseiten im Internet. In Deutschland ist die ganze Sache eh ein brandheißes Thema, denn von 16 Bundesländern gibt es lediglich eins, welches offizielle deutsche Lizenzen verteilt bzw. ausgegeben hatte.

Es handelt sich dabei um Schleswig-Holstein, die übrigen Bundesländer stimmten beim neuen Glücksspielstaatsvertrag ab, welcher erstmals am 1. Januar 2008 in Kraft trat. Nur drei Jahre später zum 31.12.2011 wurde der Vertrag wieder außer Kraft gesetzt, da die Minister der Bundesländer eine Fortsetzung des Vertrages nicht beschlossen haben.

Das Bundesland Schleswig-Holstein hatte sich zudem enthalten bei dieser Abstimmung. Man geht also einen eigenen Weg – als einziges Bundesland Deutschlands. Demnach folgte dann der Glücksspieländerungsvertrag, wonach alle Bundesländer diesen unterzeichneten, eben außer Schleswig-Holstein. Der Europäische Gerichtshof hatte zuvor 2008 entschieden, dass der ursprüngliche Glücksspielstaatsvertrag (kurz GlüStV) nicht gerechtfertigt sei, da die staatlichen Glückspielanbieter, wie z.B. Lotto oder den staatlich lizenzierten Anbieter ODDSET, eine Monopolstellung erhalten würden.

Die intensive Werbung stand nicht im Einklang mit der Suchtprävention, die man vorantreiben müsste. Also kippte die EU diesen Glückspielstaatsvertrag, sodass es zum geänderten Vertrag kam. Mittlerweile wurden die Gesetze angepasst, aber noch immer gibt es Grauzonen in diesem Bereich. Aber es gibt auch Beispiele von Online Casinos, wie das erste deutsche Onlinecasino, welches unter einer normalen .de-Domain betrieben wird, beweisen dürfte.

Dabei handelt es sich um Onlinecasino.de, welches auch mit einem Siegel vom „TÜV Rheinland“ werben darf. Das Bundesland Schleswig-Holstein hat dem Casino eine offizielle deutsche Konzessionsnummer gegeben, sodass man sich hier im Rahmen des Legalen bewegt. Aktuell gibt es 23 Sportwettenanbieter bzw. Casinos, die eine offizielle Genehmigung erhalten haben (Stand Juli 2016).

Liste aller Sportwettenanbieter mit offizieller Lizenz in Deutschland

 

  • 888 Germany Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung (auch Online-Poker), Fernvertrieb Marke: 888
  • bet-at-home.com Internet Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung (auch Online-Poker), Fernvertrieb Marke: bet-at-home
  • Betway Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung, Fernvertrieb Marke: Betway
  • Cashpoint Malta Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung, Fernvertrieb Marken: Merkur-Spielcasino
  • Electraworks (Kiel) Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung (auch Online-Poker), Fernvertrieb Marke: Bwin
  • Greentube Malta Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung, Fernvertrieb Marke: -
  • Hillside (Gibraltar) Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung, Fernvertrieb Marke: Bet365
  • Interwetten Gaming Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung (auch Online-Poker), Fernvertrieb Marke: Interwetten
  • Ladbrokes International PLC Genehmigungen: Veranstaltung (auch Online-Poker), Fernvertrieb Marke: Ladbrokes
  • Löwen Play GmbH Genehmigungen: Veranstaltung, Fernvertrieb Marke: Löwen Casino
  • Megapixel Entertainment Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung, Fernvertrieb Marke: Roxy Palace
  • OnGoing Media GmbH Genehmigungen: Fernvertrieb (für Personal Exchange International Limited)
  • OnlineCasino Deutschland AG Genehmigungen: Veranstaltung, Fernvertrieb Marke: OnlineCasino Deutschland
  • Personal Exchange International Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung (auch Online-Poker), Fernvertrieb Marke: Mybet
  • PlayCherry Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung, Fernvertrieb Marke: CherryCasino
  • Polco Ltd. of Betfair Genehmigungen: Veranstaltung (auch Online-Poker), Fernvertrieb Marke: Betfair
  • REEL Germany Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung (auch Online-Poker), Fernvertrieb Marken: PokerStars
  • Skill on Net Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung, Fernvertrieb Marke: DrückGlück
  • Tipico Company Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung, Fernvertrieb Marke: Tipico
  • Trading Technologies Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung, Fernvertrieb Marke: Merkur-Win
  • Unibet (Germany) Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung, Fernvertrieb Marke: Unibet
  • Victor Chandler (International) Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung (auch Online-Poker), Fernvertrieb Marke: BetVictor
  • World of Sportsbetting Ltd. Genehmigungen: Veranstaltung, Fernvertrieb Marke: -

Suchtprävention im Vordergrund

Wie man sehen kann, sind es recht viele Anbieter, die sich mittlerweile legal auf dem deutschen Markt tummeln. Als Spieler hat man also die Qual der Wahl, wobei man auch aufpassen muss, dass man mit seinen Gewinnen korrekt umgeht. Damit ist sowohl die Suchtgefahr gemeint, als auch der Umgang mit dem Finanzamt. Noch immer herrscht der Irrglaube, dass sämtliche Gewinne steuerfrei sind.

Dem ist nur bis zu einem gewissen Punkt so, denn die Ausnahme bilden sogenannte Berufsspieler. Sie verfügen über kein weiteres Einkommen, sondern verdienen ihren Lebensunterhalt mit den Teilnahmen an Sportwetten und Glücksspielen im Allgemeinen. Diese „Berufsgruppe“ muss ihre Gewinne gegenüber dem Finanzamt offenlegen, ansonsten laufen sie Gefahr, straffällig zu werden.

Dies dürfte jedoch die meisten Spieler in Deutschland nicht betreffen. Der Gesetzgeber macht allerdings auch keinen Unterschied, wo genau gespielt wird. Sei es im Internet oder in einem Wett-Café, welches man zu Tausenden in Deutschland vorfindet.

Die meisten Menschen, die sich mit dem Sportwettenangebot beschäftigen, sind Hobby-Spieler, die aus Lust und Leidenschaft ein paar Wetten im Jahr platzieren. Natürlich gibt es zahlreiche Menschen, die süchtig sind, daher ist es dem Gesetzgeber auch wichtig, dass die Suchtprävention vorangetrieben wird. Casinos und Sportwettenbetreiber, die ihr Angebot unter einer deutschen Lizenz anbieten, sind verpflichtet, dies auch auf ihren Webseiten deutlich zu machen.

Wie schnell man in den Teufelskreis aus Spielen und Sucht geraten kann, zeigen zahlreiche Beispiele. Uli Hoeneß zum Beispiel. Er hat zwar nicht in irgendwelchen Casinos klassisch gezockt, oder wir wissen nichts davon, jedoch gab er im Zuge seines Steuerprozesses zu, dass er süchtig danach war, an der Börse zu spekulieren. Die Geschichte ist bekannt und mittlerweile zigfach durchgekaut worden.

Millionenumsätze für bwin.party und Co

Die Sportwetteanbieter betreiben dahin gehend ein lukratives Geschäft. Zieht man die Zahlen zurate, dann weiß man, über welche Zahlen gesprochen werden. Im Jahr 2012 konnte beispielsweise das Unternehmen bwin.party einen Umsatz von 768,9 Millionen Euro erwirtschaften, wie Huffingtonpost.de berichtete.

Da noch zahlreiche weitere Anbieter den Markt bereichern, kann man sich denken, dass da noch viel mehr Geld über den Tisch geht. Auf Platz 2 folgte William Hill mit seinem Online-Angebot (473,5 Millionen Euro). Der 3. Platz ging an Playtech mit immerhin noch 428,6 Millionen Euro Jahresumsatz für 2012. Immense Summen, die diese Branche Jahr für Jahr umsetzt.

Auch über das Werbeverbot in der Bundesliga wurde in der Vergangenheit sehr viel diskutiert. So bestand 2008 beispielsweise eine Sponsorschaft zwischen Bwin und dem FC Bayern München. Zwischenzeitlich musste man jedoch sämtliche Werbung im Stadion einstellen, da sich der Rekordmeister sonst einer möglichen Klage gegenübersah. Dies wollte man vermeiden und so wurde die Partnerschaft zwischen dem Sportwettenanbieter und dem Liga-Primus stillgelegt, ohne sie jedoch sofort aufzukündigen.

Bayern München bereits mit Tipico und Bwin an seiner Seite

2012 wurde der Vertrag mit sämtlichen Werberechten und Möglichkeiten reaktiviert, da der veränderte Glückspielstaatsvertrag (GlüÄndStV) die Gesetze und Bestimmungen etwas aufweichte. Ende Juni 2016 verkündete man seitens des FC Bayern München und von Bwin, dass man den Vertrag nicht verlängern würde. Der Bekanntheitsgrad des Sportwettenanbieters sei groß genug, sodass man sich nun neuen Aufgaben widmen würde.

Ein Sportwettenanbieter geht, während der nächste Partner in den Startlöchern sitzt. Tipico nahm den Platz von Bwin ein und wurde im Sommer 2015 Platin-Partner des deutschen Rekordmeisters. Der Vertrag läuft vier Jahre, also bis Sommer 2019. Nicht nur die Münchener haben sich ein aufstrebendes Glücksspielunternehmen als Partner ausgewählt, sondern auch Hertha BSC Berlin!

Der Hauptstadtklub konnte den Wettanbieter Bet-at-Home.com für sich gewinnen. Insgesamt pumpt das Unternehmen jährlich 3 Millionen Euro in den Bundesligisten, der dafür das Logo des Sponsors trägt. Ebenso lassen sich im Berliner Olympiastadion die Banden und viele weitere Eyecatcher mit dem Logo von Bet-at-Home.com schmücken.

Bet-at-Home.com bei Hertha BSC & Schalke 04 als Partner dabei

Neben Hertha BSC gibt es mit dem FC Schalke 04 einen weiteren Bundesligisten, der das Logo zumindest im Stadion medienwirksam ins rechte Licht rückt. Ebenso sind noch ODDSET und Tipico in der höchsten deutschen Spielklasse vertreten. Diese Beispiele zeigen, welche Gewinne erzielt werden können, wenn man zugleich auch ein Sponsoring bei einem oder gar mehreren Bundesligisten eingehen kann.

Interessant dürfte auch sein, dass einige Sportwettenanbieter noch immer auf Ausnahmen hoffen, um an eine der begehrten Lizenzen zu gelangen, die das Bundesland Schleswig-Holstein ausgibt. So erhofft man sich, über die 5%-Steuerabgabe doch noch eine offizielle staatliche Lizenz zu erhalten. Bei Bet-at-Home.com ist es so, dass bei jeder abgegebenen Sportwette automatisch 5% des Einsatzes direkt einbehalten werden, welche an den deutschen Fiskus gehen.

Einige andere Anbieter folgen dem Beispiel und verhalten sich ähnlich! Um auf den einzelnen Spieler zurückzukommen, muss man sagen, dass es noch immer viele Leute gibt, die sich nicht sicher sind, ob sie sich nun legal verhalten oder nicht. Im Grunde kann ihnen nichts passieren, denn ob man online wettet oder bei ODDSET seine Einsätze hinterlegt, macht keinen Unterschied.

Hobby-Spieler am Rande der Legalität?

Sollten die Behörden etwas zu beanstanden haben, dann wäre das jeweilige Online-Casino oder der Sportwettenanbieter haftbar zu machen. Lediglich Berufsspieler müssen damit rechnen, steuerrechtlich belangt zu werden, wenn die Gewinne aus Wett- und Glücksspielen die einzige Einkommensquelle darstellt und diese nicht dem Finanzamt gemeldet werden.

In der nächsten Zeit ist nicht unbedingt zu erwarten, dass die restlichen Bundesländer dem Beispiel Schleswig-Holsteins folgen werden. Für die Bundesliga und evtl. auch für die 2. Liga heißt das jedoch, dass man mit Partnerschaften durchaus rechnen kann. Geld, welches in den Verein gepumpt wird, mit dessen Hilfe andere Baustellen bearbeitet werden können.

 

Bildquelle

By Muns (eigenes Foto - own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

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