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Saison 1970/71: Trainerentlassung von Herbert Burdenski bei Rot-Weiss Essen

Bildquelle: MM1912 CC BY-SA 4.0 [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

In den 1970er Jahren mischte Rot-Weiss Essen regelmäßig in der Bundesliga mit. So auch zu Beginn des Jahrzehnts in der Saison 1970/71. Ein Großteil der Spielzeit saß Herbert Burdenski auf der Trainerbank, doch nach einer langen Sieglos-Serie in der Rückrunde kam es zur Trainerentlassung. Besiegelt im Mai 1971 durch eine heftige Pleite beim BVB. Sport-90 blickt zurück.

Herbert Burdenski, der selbst Profi und deutscher Nationalspieler (5 Länderspiele) war und mit dem FC Schalke 04 als Teil des legendären Schalker Kreisels zweimal Deutscher Meister wurde (1940, 1942) wurde, übernahm am 1. Juli 1969 den Trainerposten bei Rot-Weiss Essen.

Burdenski in Essen: Erst Klassenerhalt, dann sensationell Tabellenführer

RWE war gerade zum zweiten Mal in die Bundesliga aufgestiegen und „Budde“ Burdenski konnte den Klub in der Saison 1969/70 zum erstmaligen Klassenerhalt im deutschen Fußball-Oberhaus führen. Die nächste Saison, es war die bis dato dritte Bundesligasaison der Rot-Weissen, sollte furios beginnen.

Rot-Weiss Essen startete mit einem 2:0-Heimsieg gegen Hannover 96, ließ ein torloses Remis bei Arminia Bielefeld folgen und konnte durch einen 4:0-Erfolg gegen den 1. FC Kaiserslautern am 3. Spieltag sogar die Spitze der Bundesliga Tabelle übernehmen. Zum ersten Mal in der Vereinshistorie des Traditionsklubs aus dem Pott.

1970/71: Burdenski mischt mit RW Essen die Bundesliga auf

Den 1. Platz konnte die Burdenski-Elf am 4. Spieltag verteidigen, als Essen beim großen FC Bayern um Fußballlegenden wie Franz Beckenbauer oder Gerd Müller sensationell nach 0:2-Rückstand noch ein 2:2 holte. Am folgenden Spieltag konnte RWE den Nimbus der Unbesiegbarkeit aufrechterhalten. 3:3 gegen Rot-Weiß Oberhausen, gegen die man ebenfalls einen 2-Tore-Rückstand (1:3) erfolgreich aufholte. Großen Anteil daran hatte RWE-Legende Willi „Ente“ Lippens, der gegen Oberhausen zweimal traf und so nach fünf Spieltagen bereits sechs Treffer markierte!

Der überraschende Höhenflug von Rot-Weiss Essen unter Trainer Herbert Burdenski zu Saisonbeginn 1970/71 sollte sich noch etwas fortsetzen. Zwar setzte es am 6. Spieltag mit 1:4 eine deutliche Niederlage beim FC Schalke. Ausgerechnet die Knappen, für die der gebürtige Gelsenkirchener Burdenski zwischen 1947 bis 1949 selber sehr erfolgreich spielte. Doch von der ersten Saisonpleite ließ sich Essen nicht aus der Bahn werfen.

Oktober 1970: Burdenski & Essen kassieren 1. Heimpleite nach fast 3 Jahren

Denn in den nächsten beiden Bundesligapartien konnte Rot-Weiss Essen wieder Punkte sammeln. Durch einen 2:0-Sieg gegen den 1. FC Köln und einem anschließenden 1:1-Remis bei Werder Bremen. Nach dem ersten Saisonviertel grüßte RWE von einem bärenstarken 4. Tabellenplatz.

 

 

Doch danach verdichteten sich die Wolken über der Hafenstraße etwas. Am 10. Oktober 1970 endete eine bemerkenswerte Erfolgsserie der Essener. Sie verloren vor heimischer Kulisse gegen Eintracht Braunschweig mit 0:1. Gleichbedeutend mit der ersten Heimpleite nach 52 Spielen bzw. nach zwei Jahren, acht Monaten und 13 Tagen. In den restlichen acht Ligaspielen bis zur Winterpause glückten „nur“ noch zwei Siege (gegen Kickers Offenbach und Eintracht Frankfurt). Dem standen vier Niederlagen und zwei Unentschieden gegenüber.

RWE mit starker Hinrunde & soliden Rückrundenstart

Dennoch: Unter Herbert Burdenski spielte Rot-Weiss Essen eine überzeugende Hinrunde, die man fernab von Abstiegssorgen und mit 16:18 Punkten auf Rang acht beendete. Auch zu Beginn der Rückserie lief es noch ordentlich, wobei sich die Rot-Weissen weiterhin auf ihre Heimstärke verlassen konnten.

Die ersten beiden Heimspiele im Jahr 1971 wurden siegreich bestritten. 2:1-Erfolg gegen Bielefeld, danach ein vielumjubelte 3:1-Triumph gegen den FC Bayern! Zwar setzte es zwischenzeitlich in der Ferne zwei Schlappen, aber nach dem Erfolg gegen die hochfavorisierten Münchner lagen die als Abstiegskandidaten gehandelten Essener als Elfter mit 20:22 Punkten im gesicherten Tabellen-Mittelfeld. Doch danach nahm das sportliche Unheil seinen Lauf und es folgte eine Horror-Talfahrt, an dessen Ende die Trainerentlassung von Herbert Burdenski stand.

Trainerentlassung von Burdenski nach Sieglos-Serie & Klatsche beim BVB

Rot-Weiss Essen blieb zwischen dem 22. bis 30. Spieltag neunmal in Folge sieglos, verlor dabei sechs Partien und fing sich 25 Gegentore! Am 8. Mai 1971 ging RWE gleich mit 2:7 bei Borussia Dortmund unter. In der Tabelle war Essen auf dem 16. Rang abgerutscht und der Vorsprung auf die Abstiegszone auf ein Pünktchen zusammengeschmolzen. Damals stiegen die letzten Zwei direkt in die 2. Liga ab.

Die Vereinsbosse hatten genug und sahen keinen anderen Ausweg, außer Übungsleiter Burdenski nach fast zwei Jahren Amtszeit zu entlassen. RWE sollte aber nicht die letzte Trainerstation von Herbert Burdenski bleiben, der später auch noch den BVB (1972/73) und Werder Bremen (1975/76) in der deutschen Beletage betreute.

Absteiger Rot-Weiss Essen als Leidtragender des Bundesliga-Skandals

Als neuer Trainer verpflichtete Rot-Weiss Essen Willi Vordenbäumen. Doch auch der einstige RWE-Torjäger konnte den Bock nicht mehr umstoßen. Die Rot-Weissen verloren unter dem Burdenski-Nachfolger die letzten vier Ligaspiele und stiegen als Tabellenschlusslicht mit 23:45 Punkten ab.

Allerdings war Rot-Weiss Essen in der Saison 1970/71 Leidtragender des Bundesliga Bestechungsskandals, in dem allen voran Kickers Offenbach und Arminia Bielefeld verwickelt waren und nachweislich „Spiele kauften“. Die Offenbacher gaben die Spielmanipulation zu, stiegen aber dennoch sportlich ab. Anders als Bielefeld, die illegal die Klasse halten konnten. „Ohne die Punkte aus den bekannt gewordenen Bestechungsfällen wäre Arminia Bielefeld zusammen mit Kickers Offenbach auf den letzten Tabellenplatz gelandet“, erklärte der damalige Präsident Dr. Georg von Wick.

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