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Saison 1975/76: Trainerentlassung von Willibert Kremer beim MSV Duisburg

Bildquelle: Jack de Nijs for Anefo CC BY-SA 0 [CC BY-SA 0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Bayer Leverkusen formte er einst vom mittelmäßigen Zweitligisten zu einem vollwertigen Bundesliga-Mitglied. Doch die ersten Schritte seiner Trainerlaufbahn machte Willibert Kremer beim MSV Duisburg. An der Wedau hinterließ er erfolgreiche Spuren, trotzdem kam es nach dem 24. Spieltag der Saison 1975/76 zur Trennung. Sport-90 blickt auf die Trainerentlassung von Willibert Kremer beim MSV Duisburg zurück.

Seine Verdienste für den MSV Duisburg sind groß, sodass der 2021 im Alter von 82 Jahren verstorbene Willibert Kremer zurecht einen Legendstatus bei den Zebras genießt. Der ehemalige Flügel- und Mittelfeldspieler bestritt von 1966 bis 1971 91 Erstligaspiele für die Duisburger und war anschließend zweimal als Cheftrainer des MSV tätig. Und das durchaus erfolgreich. In seiner zweiten Amtszeit (1989 bis 1992) schaffte Kremer nach teils tristen Jahren in der Oberliga die vielumjubelte Rückkehr in die Bundesliga.

1973: MSV Duisburg vertraut auf Trainer-Neuling Willibert Kremer

Doch nicht minder beeindruckend verlief die erste Trainer-Ära von Willibert Kremer auf der Bank beim MSV Duisburg. Diese begann im Oktober 1973. Nach dem Rücktritt von Trainer Rudolf Faßnacht wurde Kremer dessen Nachfolger. Genau wie Otto Rehhagel, Erich Ribbeck oder Sepp Piontek zählte auch Willi Kremer zählte zu jener Zeit zu den aufstrebenden Jung-Trainern in Deutschland.

Neuling Kremer war gerade erst 34 Jahre alt. Er war Assistent von Faßnacht und zudem verantwortlich für die A-Junioren des MSV Duisburg, mit denen er 1972 sensationell die Deutsche Meisterschaft gewann. Die Beförderung zum neuen Cheftrainer hat sich Willibert Kremer daher verdient. Wenngleich die Klubverantwortlichen durchaus ein Risiko eingingen, in der sportlichen prekären Situation auf einen unerfahrenen Übungsleiter zu setzen.

Starker Schlussspurt: Willi Kremer rettet Duisburg vor Bundesliga-Abstieg

Doch das Vertrauen in Kremer zahlte sich aus. Obwohl die lahmenden Zebras in der Saison 1973/74 tief im Abstiegssumpf steckten und lange Zeit Bundesliga-Schlusslicht waren, glückte trotzdem der kaum noch für möglich gehaltene Klassenerhalt. Den Abstieg verhindert die Kremer-Elf dank eines fulminanten Schlussspurts in der Meisterschaft. Vier der letzten fünf Ligaspiele wurden gewonnen und 9:1 Punkte eingefahren.

Die folgende Bundesliga-Saison verlief für den MSV Duisburg mit Trainer Willibert Kremer wenig glanzvoll. Zwar kam der Revierklub prächtig aus dem Startblock und grüßte nach dem 2. Spieltag erstmals seit elf Jahren wieder von der Tabellenspitze. Doch bis zum Ende der Hinserie rutschten die Duisburger ins Mittelfeld und beendeten die Spielzeit letztlich als Tabellen-14.

Erfolgreiche Kremer-Ära: Pokalfinale & Europapokal-Teilnahme

Für Furore sorgte der MSV 1974/75 jedoch im DFB-Pokal. Hier galoppierte die Kremer-Truppe bis ins Finale. Bekanntestes Gesicht der Mannschaft war damals natürlich MSV-Legende Bernard Dietz, der den MSV Duisburg wie kein anderer prägte. Aber auch Akteure wie Ronnie Worm, Herbert Büssers, Rudi Seliger, Kees Bregman oder Detlef Pirsig sind vielen MSV-Fans heute noch in bester Erinnerung.

Auf dem Weg zum zweiten Pokal-Endspiel der Vereinsgeschichte schaltete der MSV Duisburg u.a. den 1. FC Nürnberg (3:0), Bayern München (3:2), Werder Bremen (2:0) und Borussia Dortmund 2:1 n.V.) aus. Doch im Finale von Hannover musste sich die Zebras trotz zahlreicher guter Chancen knapp Eintracht Frankfurt mit 0:1 geschlagen geben. SGE-Ikone Charly Körbel (57.) erzielte den Siegtreffer der Hessen. Kleines Trostpflaster: Als Pokalfinalist war der MSV Duisburg erstmals für den Europapokal qualifiziert und ging in der Saison 1975/76 im Uefa-Cup an den Start.

1975/76: MSV Duisburg mit miesem Bundesliga-Start

Die erstmalige Europapokal-Teilnahme war für den MSV Duisburg ein historischer Meilenstein, den sich auch Willibert Kremer als Cheftrainer ans Revers heften durfte. Und Duisburgs Europa-Premiere verlief durchaus ordentlich. Auch wenn die Weiß-Blauen im Uefa-Pokal durch einen späten Gegentreffer im Rückspiel gegen den bulgarischen Vertreter Levski Sofia (3:2, 1:2) knapp scheiterten und in der 2. Runde die Segel streichen mussten.

 

 

In der Bundesliga glückte MSV-Chefcoach Kremer allerdings keine nachhaltige Trendwende. Im Gegenteil. Die Duisburger feierten im heimischen Wedaustadion zwar gegen die Kickers Offenbach (6:2) und Aufsteiger Hannover 96 (4:3) zwei Siege an den ersten fünf Spieltagen. Doch es sollten die einzigen siegreichen Auftritte der Kremer-Elf nach zwölf Runden gewesen sein (5 Unentschieden, 5 Niederlagen), die als Tabellen-17 mal wieder von Abstiegssorgen begleitet wurden.

Nach Aus im Uefa-Cup: Kremer-Elf mit starker Serie in Bundesliga

Vor allem auswärts schwächelte der MSV Duisburg zu Beginn der Saison 1975/76 enorm. Die ersten fünf Gastspiele gingen allesamt verloren - mit einem Torverhältnis von 5:19! Folgerichtig steckten die Zebras im Tabellenkeller fest.

Doch kaum war das Aus im Uefa-Pokal Anfang November besiegelt, lief es in der Bundesliga rund. Vier der fünf verbleibenden Partien bis zur Winterpause konnte Duisburg gewinnen. Und mit einer Serie von insgesamt acht ungeschlagenen Ligaspielen kämpften sich die Meidericher bis hoch in die obere Tabellenhälfte auf Rang neun. Die Bilanz nach der ersten Saisonhälfte las sich mit 6-6-5 sogar positiv.

MSV Duisburg: Vertrauen in Trainer Kremer schwand

Der Höhenflug des MSV Duisburg sollte sich beim Rückrunden-Auftakt fortsetzen. Dank eines Dreierpacks von Ronnie Worms siegten der Revierklub mit 3:1 bei Fortuna Düsseldorf, blieb damit im fünften Auswärtsspiel hintereinander ungeschlagen. Dann war es aber vorbei mit Duisburgs Herrlichkeit.

Gegen Schalke (1:3), in Offenbach (1:2) und gegen den späteren Meister Gladbach (2:3) setzte es drei Pleiten in Folge. Beim MSV-Vorstand genoss Willi Kremer nicht mehr die volle Rückendeckung zumal die Klubführung nur sehr zögerlich die Vertragsgespräche mit ihrem Übungsleiter führte. Sportlich konnte der Jung-Trainer kurzfristig auch keine Argumente mehr liefern.

1976: Duisburg entlässt Willibert Kremer nach Vertragskündigung

Kremer ergriff die Initiative. Er teilt dem Klub mit, dass er seinen seinen Vertrag zum Ende der Saison 1975/76 kündigen wird. So lange konnte er sich aber nicht im Sattel halten. Kurz nachdem Duisburg am 24. Spieltag in Hamburg verlor (0:3), es war die fünfte Niederlage der letzten sechs Spiele, kam es am 18. März 1976 zur Trainerentlassung von Kremer in Duisburg.

Nur knapp zwei Wochen später heuerte Willibert Kramer beim abstiegsbedrohten Zweitligisten Bayer Leverkusen an. In Duisburg wurde hingegen ein gewisser Rolf Schafstall als Nachfolger von Kremer installiert. Der 37-Jährige war bis dato Co-Trainer und im Juniorenbereich der Zebras tätig, konnte aber bei seiner ersten Cheftrainer-Anstellung in der Bundesliga mit dem MSV Duisburg noch einen zufriedenstellenden 10. Platz erreichen. Zur neuen Saison übernahm Otto Knefler das Zepter an der Wedau.

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