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Bericht und Ergebnisse zu Crown Jewel in Saudi-Arabien

Bildquelle: By WWE (WWE.COM) CC BY-SA 4.0 [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Gestern Abend fand mit Crown Jewel nach dem größten Royal Rumble aller Zeiten eine weitere WWE-Großveranstaltung in Saudi-Arabien statt. Nicht ganz unproblematisch eingedenk des jüngsten politischen Skandals. Seit ein bekannter regimekritischer Journalist allem Anschein nach in der arabischen Botschaft in Istanbul gefoltert und getötet wurde, steht es um den Ruf des saudischen Königshauses verständlicherweise nicht gerade gut. Doch dazu später mehr.

Ähnlich wie schon beim Super-Showdown setzte die WWE im Main Event auf etablierte Namen. Um genau zu sein: auf dieselben Namen. Denn es stand ein Tag Team Match zwischen DX (Triple H und Shawn Michaels) und den Brothers of Destruction (Kane und Undertaker) an. Dazu musste sogar Shawn Michaels, mittlerweile ohne Haare, nach acht Jahren wieder sein Stiefel vom Nagel holen.

Quasi eine Wrestling WM im King of the Ring Format

Das zentrale Thema des Abends war jedoch allem voran die WWE-Trophäe, mit welcher der “Beste der Welt“ in einem acht Mann Ausscheidungsturnier ermittelt werden sollte. Das Turnier wurde komplett an diesem Abend abgehalten, so wie man es vom King of the Ring kennt. Vier Teilnehmer kamen von Raw und vier von Smackdown. Dabei war das Turnier so aufgeteilt, dass sich die beiden verliebenden der jeweiligen Show erst im Finale begegnen konnten, es also eine Angelegenheit zwischen einem Raw Superstar und einem Smackdown Superstar werden sollte. Dies sollte später auch noch eine unerwartete Rolle spielen.

Auf Seiten von Raw traten Dolph Ziggler gegen Kurt Angle und Bobby Lashley gegen Seth Rollins im “Viertelfinale“ an. Für Smackdown The Miz gegen Jeff Hardy und Rey Mysterio gegen Randy Orton. Ziggler setzte sich gegen Kurt Angle in einem gerade zu Beginn sehr technischen Match durch. Das wohl beste Match aus der ersten Runde. Teils aus Nostalgie. Durchaus aber auch, weil Kurt Angle immer noch ganz gescheit wresteln kann. Am Ende setzte Ziggler sich sauber durch, ohne das Drew McIntyre, der natürlich wieder am Ring präsent war, entscheidend eingriff. Seth Rollins konnte Bobby Lashley bezwingen, musste aber vorher ordentlich Prügel kassieren. The Miz setzte sich gegen Jeff Hardy durch, als er dessen Twist of Fate mit einem Skull Crashing Finale konterte. Und Rey Mysterio bezwang Randy Orton, wurde aber anschließend von diesem attackiert.

Die Heels setzen sich im Halbfinale durch

Ehe es mit dem Turnier weiter ging, stand ein Smackdown Tag Team Championship Match an: Titelverteidiger The Bar gegen New Day. Sehenswert war hierbei vor allem der Einmarsch von New Day, die auf einem fliegenden Teppich in die Arena kamen und wie üblich Pfannkuchen verteilten. Kofi Kingston und Big E traten im Ring an. The Bar (Sheamus und Cesaro) kamen aber auch nicht alleine. Um den numerischen Vorteil von New Day auszugleichen, gingen sie gleich auf Nummer sicher und brachten Big Show mit. Letztlich konnte sich The Bar in einem kurzweiligen Tag Team Match durchsetzen. Vor allem weil the Big Show zum entscheidenden Zeitpunkt einen verdeckten Knockout Punch gegen Big E. anbringen konnte. The Bar verteidigten ihr Gold.

Anschließend kam es zum Match zwischen Mysterio gegen Miz. The Miz dabei der frischere der beiden, da er in der ersten Runde wohl am wenigsten Schaden genommen hatte. The Miz sollte sich hier auch durchsetzen. Auch Rey Mysterio offenbarte in diesem Match, dass er immer noch gut unterwegs ist. Allerdings fühlte ich mich wieder schnell negativ daran erinnert, wie unfassbar nervig sein Finisher (der 619) ist. Einfach, weil der Spot, der dazu erforderlich ist, immer derselbe und extrem vorhersehbar ist. Danach kam es zum wohl besten Match des Turniers: Seth Rollins gegen Dolph Ziggler, womit eine Rivalität wieder aufgewärmt wurde, die uns bereits den Sommer über begleitet hatte. In diesem Match sollte McIntyre abermals zum Faktor werden. Als Ziggler durch Rollins unsanft von der Ringecke befördert wurde, hielt er sich anschließend den Knöchel (der zuvor gegen Kurt Angele schwer bearbeitet worden war). Als der Ringrichter dem seine Aufmerksamkeit schenkte, war es nun der Schotte, der Rollins von der Ecke schubste und Ziggler schaltete sofort und landete seinen Finisher. Womit er gegen The Miz ins Finale einzog.

Zwei Kämpfe um die Haupttitel

Abermals kam es zum Aufeinandertreffen zwischen Samoa Joe und AJ Styles um die WWE-Championship. Eine Fehde, die schon sehr verbraucht und im Grunde genommen abgeschlossen ist. Allerdings wurde diese Ansetzung auch aus der Not geboren, da Daniel Bryan die Reise nach Saudi-Arabien ablehnte (wie auch übrigens John Cena), eingedenk der jüngsten politischen Wendungen. Und so war es eher Pflichtprogramm, was Samoa Joe und AJ Styles hier runterspulten. Sie zeigten ihre üblichen Trademarks und technisch war das Match auf gutem Niveau. Doch war keine Geschichte dahinter, weil es einfach nur ein Lückenbüßer Match war. Und so hatte man auch nie das Gefühl, dass es hier irgendwas für Samoa Joe zu holen gab, worunter die Spannung erheblich litt. Zumal es ja auch nicht gerade eine unverbrauchte Ansetzung war. Styles sicherte sich das Gold. Und schon jetzt ist klar, dass sein Gegner bei den Survivor Series nicht Samoa Joe heißen wird.

Anschließend wurde der vakante WWE Universal Titel neu ausgefochten. Dieser musste zuvor von Roman Reigns aufgrund einer unschönen Diagnose niedergelegt werden. So ist bei Reigns eine besiegt geglaubte Leukämie erneut aufgetreten. Er musste sich entsprechend vom Wrestling zurückziehen und es bleibt zu hoffen, dass er diese Krankheit abermals überstehen wird. Braun Strowman und Brock Lesnar traten um den Titel an. Und wieder war es der Teilzeit Main Eventer Brock Lesnar, der sich das Gold sicherte. Ein Match kam dabei gar nicht erst zustande, weil Strowman den Titel hinterrücks vom Raw GM Baron Corbin übergezogen bekam. Lesnar nahm dankend an, brauchte aber gleich mehrere F-5s (einen davon sogar über das Ringseil nach draußen), um Strowman am Boden zu halten. Ein sehr enttäuschendes Match hier. Zum wiederholten Male verpufft einfach alles an Aufbau, was bisher in den Charakter von Strowman gesteckt wurde, sobald Brock Lesnar in der Nähe ist.

Sonderbares Booking im Finale und Nostalgie Main Event

Es stand nun ein Finale an, das zumindest auf dem Papier versprach, ganz interessant zu werden. Nicht nur standen sich mit Miz und Ziggler zwei Wrestler unterschiedlicher Roster gegenüber, sondern auch zwei Heels. Eine Ansetzung, die man in der WWE nicht oft geboten bekommt. Doch dann fuhr das sonderbare WWE Booking kräftig in die Parade. Drew McIntyre wurde sogleich des Rings verwiesen, was eingedenk seines Eingriffs im Halbfinale durchaus Sinn machte. Noch während Ziggler dagegen protestierte, griff The Miz ihn direkt an um sich die Initiative zu sichern. So weit, so gut. Doch dann “verletzte“ sich Miz auf dem Weg nach draußen (wohl, weil er umknickte). Als klar wurde, dass er das Match, entgegen seiner festen Absicht, nicht fortsetzen konnte, veranlasste der anwesende Shane McMahon (GM von Smackdown!), dass er ihn ersetzen würde. Und gewann dann ein relativ schnelles Match. Das war wirklich ein Stück Vince Russo Gedächtnis Booking. Zwar ist Shane McMahon als Entertainer und auch teilweise im Ring jemand, den man sich schon geben kann. Aber damit wurde quasi der gesamte Turnierverlauf als vollkommen obsolet hingestellt. Und man wurde um eine unverbrauchte Begegnung (Miz gegen Dolph Ziggler) gebracht. Hätte man den beiden einfach 20 Minuten spendiert und Shane McMahon hätte entscheidend ins Match eingegriffen (während McIntyre nicht eingreifen konnte), wäre es gescheiter gewesen.

Abschließend kam es zum Nostalgie Main Event zwischen D-X gegen die Brothers of Destruction. Ein Match, das vor allem durch die begeisterten Fans getragen wurde. Allerdings merkte man natürlich, dass hier nicht mehr die vier Jüngsten am Werk waren. Michaels wirkte nach acht Jahren etwas rostig, ist aber in puncto Selling, Timing und Charakter Interaktion immer noch klasse! Sorgen machte allein ein etwas holpriger Moonsault nach draußen, als er mehr Boden als Gegner erwischte. D-X konnten in einem umkämpften Main Event schließlich den Sieg einfahren. Natürlich war es wenig überraschend hierbei Kane, der das Opferlamm geben musste. Das Match lebte im Wesentlichen vom Story Telling und der Ringpsychologie, die alle vier noch ganz gut beherrschen. Aber körperlich hinken sie dem, was die WWE sonst im Main Event auffahren könnte, doch sichtbar hinterher. Insofern hinterließ diese Veranstaltung einen faden Beigeschmack, weil im Grunde genommen nur Teilzeit-Wrestler und gealterte Legenden gepusht wurden. Apropos Beigeschmack ...

Peinlich berührter Umgang der WWE

Nicht unterschlagen wollen wir natürlich, dass Hulk Hogan an diesem Abend der Host der Show war. Allerdings hätte man Selbiges nie geahnt, wenn dieser nicht am Anfang der Show herausgekommen wäre und eine kurze Promo abhielt, in der er seine Catchphrases unterbrachte, seinen Bizeps anspannte … und dann wieder verschwand, ohne noch irgendeine Rolle zu spielen. Augen zu und durch. Das beschreibt den Umgang der WWE mit der Veranstaltung im Allgemeinen sehr gut. Bereits in den Promo Videos im Vorfeld wurde seit dem politischen Eklat in Istanbul vollkommen verschwiegen, dass Crown Jewel in Saudi Arabien stattfand. Das war zwar weithin bekannt, aber seit dem Skandal hat die WWE die Worte “Saudi-Arabien“ wohl vollkommen aus ihrem PR-Vokabular gestrichen. Ohne sonst irgendwas zu ändern.

Die WWE hat einiges an Schelte kassieren müssen, da solche sportlichen Anlässe natürlich zuletzt intensiv vom saudischen Königshaus genutzt wurden, um sich progressiv zu profilieren. In diesem Sinne erfährt die Gesellschaft Saudi Arabiens ja durchaus euch einige Reformen. Wie bspw. dass Frauen nun Auto fahren dürfen und auch zu öffentlichen Anlässen zugelassen sind, die ihnen noch bis vor Kurzem nicht offenstanden. So auch bspw. Sportveranstaltungen. Auch bei Crown Jewel waren Frauen im Publikum zu sehen. Und die waren keineswegs alle verhüllt.

Ist die WWE in der Verantwortung?

Wie ist das Ganze nun einzuordnen? Ja, es wirkt schon etwas peinlich, wenn die die WWE sich ein paar Tage zuvor als progressive Sperrspitze promotet und den ersten reinen Frauen PPV mit viel entsprechendem Tam-Tam veranstaltet. Nur um dann in einem Land zu veranstalten, in dem man wohl wissend sämtliche der zumeist leicht bekleideten WWE-Damen dem Ring fernhielt. Selbst Renee Young, die als Kommentatorin fungierte, war nur ein Kopftuch von der maximalen Verschleierung entfernt.

Allerdings kann ich die Empörung nicht teilen. Es ist eigentlich eher ein Treppenwitz in einer Angelegenheit, in der es sonst nicht viel zu lachen gibt. Die WWE ist letztlich nur eine Wrestling Promotion. Sie jetzt moralisch verurteilen zu wollen, weil sie die Show nicht abgesagt hat, finde ich absurd. Denn für jeden, den es interessiert, hätte es wahrlich nicht diesen jüngsten Mordfall gebraucht, um zu wissen, dass Saudi Arabien eine Despotie ist, in der politische Freiheit nicht wirklich existiert oder erwünscht ist. Was in dem Zusammenhang der weit größere Skandal ist, ist, dass die gesamte Wirtschaft eigentlich ziemlich gleichgültig auf diesen Vorfall reagiert hat. Saudi-Arabien ist ein strategisch enorm wichtiger Verbündeter für den Westen. Politisch sowie wirtschaftlich. So heftig jetzt auch politisch und medial mit dem Zeigefinger gewedelt wird, es wird keine unmittelbaren Konsequenzen nach sich ziehen und schon bald wieder in kollektive Vergessenheit geraten.

Und es werden weitere Waffen nach Saudi Arabien verkauft werden, die in völkerrechtswidrigen Konflikten, wie im Jemen, eine tödliche Rolle spielen. Was interessiert vor dem Zusammenhang eine banale Wrestling Promotion, die wenigstens noch bewirkt, dass tatsächlich Bilder um die Welt gehen, in denen Frauen unverhüllt einer solchen Veranstaltung beiwohnen können? In Saudi Arabien! Insofern hätte ich mir, wenn überhaupt, eher einen selbstbewussten Umgang seitens der WWE gewünscht. Anstatt dieses peinliche Herumschleichen um den heißen Brei, das sich bei einer Meinungshoheit anzubiedern versucht, die letztlich selber vollkommen inkonsequent und ohne jede Glaubwürdigkeit ist.

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