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Die UFC feiert 25. Geburtstag - Blick zurück zu den Anfängen der Promotion

Bildquelle: Kevlar [Public domain], from Wikimedia Commons CC BY-SA 0 [CC BY-SA 0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Gestern sind es auf den Tag genau 25 Jahre! Vor einem Viertel-Jahrhundert kam es in der McNichols Sports Arena in Denver, Colorado zur ersten Auflage der UFC. Was damals noch als einmaliges Turnier anberaumt war, in dem sich acht Kämpfer unterschiedlicher Hintergründe und Disziplinen miteinander messen sollten, hat sich bis heute zur führenden Promotion eines Sports entwickelt, den es zum damaligen Zeitpunkt noch nicht einmal gab. Ein Sport, den die UFC insgesamt entscheidend (wenn auch nicht, wie so oft behauptet, alleine) aus der Taufe gehoben hat.

Und so finden wir uns, 230 PPVs, etliche Fight Nights und Ultimate Fighter Finale später im Hier und Jetzt. Es war weiß Gott kein geradliniger Weg für die UFC. Insbesondere der Anbeginn war schwierig, als der Sport zunächst auf Ablehnung und medialen sowie politischen Widerstand stieß.

No Hold Barred – Gladiatoren der Neuzeit

Schaut man sich heute frühere MMA oder No Holds Barred/Free Fighting Events aus den mittleren 90ern an (der Begriff MMA war zu Beginn noch nicht gebräuchlich), dann wirkt es im Vergleich zu heute wie ein ganz anderer Sport. Ungeschliffener, teilweise brutaler und roher. Einfach weil es durch die Rahmenbedingungen (unterschiedliche Hintergründe, keine Gewichtsklassen, keine Runden etc.) naturgemäß mehr ungleiche Matches gab. Das, was bei Bloodsport fiktiv im Kumite umgesetzt wurde, das wurde bei der UFC tatsächlich veranstaltet. Einzige Regeln: Finger weg von den Augen und kein Beißen - das war es.

So gab auch kein Zeitlimit für die Kämpfe. Doch entgegen den Erwartungen hieß dies nicht, dass die Kämpfe zum Teil sehr lange gingen. Im Gegenteil! Sämtliche Kämpfe von UFC 1 dauerten zusammengenommen noch nicht mal so lang wie ein Kampf heute, der über drei Runden die Distanz geht. Vier Kämpfe an diesem Abend waren jeweils binnen einer Minute vorbei. Und nur zwei dauerten länger als zwei Minuten. Was sich offenbarte: Wer nicht ringen konnte, war hoffnungslos aufgeschmissen! Ein Muster, das sich in den Folgeveranstaltungen und bei den rasch auftretenden Nachahmern der UFC ebenfalls überdeutlich offenbarte. Bei UFC 1 war es Royce Gracie, der sich siegreich durchsetzte – als leichtester Teilnehmer! Doch war er der einzige reine Bodenkämpfer. Von brasilianischem Jiu-Jitsu (BJJ) hatte bis dahin kaum einer was gehört. Das änderte sich mit dem Erfolg der frühen MMA-Events.

Da UFC 1 mit 86.000-PPV Käufen doch besser lief als gedacht, kam es zu einer Nachfolgeveranstaltung: UFC 2, das einzige 16-Mann-Turnier in der Geschichte der UFC. Auch hier setzte sich Royce Gracie durch. Und es wurden diesmal sogar rund 300.000 PPV-Verkäufe realisiert. Von hier an war klar, dass es offenbar ein Publikum für dieses Spektakel gab. In der Folge wanden sich auch mehr Kampfsportler dem interdisziplinären Geplänkel zu. Der Anreiz dazu war groß! Hier gab es Geld zu verdienen, das in den meisten Disziplinen so nicht zu holen war. Selbst die in den USA kulturell tief verwurzelten Ringer konnten zumeist nicht von ihrem Sport leben. Die UFC und nachfolgende Promotions in den USA, Brasilien, Japan und später auch in Europa gaben ihnen eine Bühne und Verdienstmöglichkeiten. Gerade der Einstieg der US-Ringer ins frühe MMA war für die Entwicklung des Sports dort von entscheidender Bedeutung. Denn sie gehörten neben den BJJ-Experten zu den frühen dominanten Figuren des Sports, die entsprechend ihrer Herkunft auch ein amerikanisches Publikum hinter sich und dem jungen Sport versammeln konnten. Die Shamrock-Brüder, Dan Severn, Mark Coleman, Don Frye und Mark Kerr sind hier sicher als wichtige Pioniere zu nennen.

Blut und Gloria – Fluch und Segen

Einer der dunkleren Aspekte von Preiskämpfen und kommerziellem Kampfsport besteht darin, dass schnelle und einseitige Knock-outs sowie blutige Ringschlachten ein nicht unerhebliches Publikum seit jeher ansprechen. Zwar schwören eingefleischte Fans immerzu auf die technischen Aspekte. Doch ist der Anteil derer, die überhaupt ein genuines Interesse an derlei Aspekten haben, ganz sicher nicht die Mehrheit. Damals wie heute nicht. Nun war die UFC mit ihren zumeist kurzen Kämpfen und eindeutigen Ausgängen genau das, was sich ein jeder Action-Junkie nur wünschen konnte. Extrem körperlich und mit Regeln, die man nur mit viel Wohlwollen als lax bezeichnen konnte, bot die UFC Kampf-Fastfood in Reinkultur. Dessen waren sich die Verantwortlichen auch voll bewusst. So waren die minimalistischen Regeln und das fließende Blut wenig subtile Bestandteile des Marketings. Das zog zwar als Publikumsmagnet, rief aber alsbald Abscheu seitens der Politik und der Medien auf den Plan.

Zwei Tage vor UFC 8 war Cablevision der erste Kabelanbieter, der verkündete, UFC-Events nicht mehr ausstrahlen zu wollen. Die UFC war zu diesem Zeitpunkt schon längst eine ausgewachsene Untergrund-Sensation. So kamen zu UFC 8 in Puerto Rico bereits 13.000 Zuschauer! Dem medialen Boykott von Cablevision sollten binnen der nächsten zwei Jahre sämtliche großen Kabelstationen folgen. Dies war insofern bedeutsam, weil diese als PPV-Träger fungierten. Politisch war es vor allem Senator McCain, der die UFC öffentlichkeitswirksam als menschliche Hahnenkämpfe verschrie, was die Medien weiter verschreckte. Das Marketing der UFC flog ihr gehörig um die Ohren!

Abermaliger Aufstieg und Übernahme durch ZUFFA

Ab 1997 war die UFC nahezu vollends im Untergrund verschwunden. Und wäre sie hier ganz in der Versenkung untergegangen, dann wäre MMA heute möglicherweise, neben Roller Blades und DJ Bobo, eine Modeerscheinung der 90er. UFC 12, die erste Veranstaltung anno 1997, musste kurzerhand verlegt werden. Eigentlich sollte die Show in Buffalo, New York stattfinden, wurde dort jedoch sanktioniert. Auch in Oregon, wohin man ursprünglich umsatteln wollte, war man plötzlich nicht mehr erwünscht. Und so musste die UFC ad hoc (mit gerade einmal zwei Tagen Vorbereitung) ins unscheinbare Dothan, Alabama eilen, um noch eine Show auf die Beine zu bekommen. In dieser Phase fing die UFC an, Geld zu bluten. Überdies folgten erste zarte Bemühungen, den Sport zu reglementieren. So war UFC 12 das erste Event, in dem Gewichtsklassen (wenn auch nur zwei) eingeführt wurden. Für die nächsten drei Jahre trat die UFC quasi nur noch im Süden der USA auf. Nördlich der Mason-Dixon-Linie fand die UFC erst wieder statt, als die New Jersey Athletik-Kommission den Sport sanktionierte.

UFC 15, am 17. Oktober 1997, markierte den ersten entscheidenden Schritt in Sachen Reglementierung. So wurden unter anderem Kopfstöße, Knie zum Kopf eines Gegners am Boden, Stomps, Soccer Kicks, Tiefschläge und dergleichen verboten. Ein halbes Jahr später war bei UFC 17 das erste Mal von Mixed Martial Arts (MMA) die Rede. Der vorbelastete “No Holds Barred“ Begriff wurde abgestreift. UFC 21, am 16. Juli 1999, war die erste Auflage der UFC, bei der das dem Boxen entlehnte 10-Point-Must-System zur Bewertung einzelner Runden herangezogen wurde. Bei UFC 23 (in Japan) kam zum letzten Mal ein Turnierformat vor. UFC 28, am 17. November 2000, war ein entscheidender Wendepunkt. Als erste Athletik-Kommission in den USA kannte die New Jersey Athletic Comission MMA als Sport an. Die “Unified Rules of Mixed Martial Arts“ wurden formuliert und dienten dazu als Grundlage. Auf diesen Präzedenzfall haben einige Investoren aus Las Vegas nur gewartet. Die Fertitta-Brüder und ihr Freund Dana White kauften für zwei Millionen Dollar die UFC von der SEG (Sports Entertainment Group). Somit war das anschließende UFC 29 das letzte Event unter den alten Inhabern. Als Inhaberfirma wurde ZUFFA gegründet.

MMA wird massentauglich

Unter ZUFFAs Schirmherrschaft wurde die UFC immer massentauglicher gemacht. Dabei waren gerade die ersten Jahre schwierig. Erst der kommerzielle Erfolg von der Reality Show “The Ultimate Fighter“ und der Aufstieg von Chuck Lidell zu einem der ersten Stars im US-MMA brachten den Durchbruch. Ein weiterer Meilenstein war die Verpflichtung Brock Lesnars, der der UFC die ersten PPVs bescherte, die über eine Million Käufe erzielten. Spätestens an diesem Punkt (um UFC 100 herum) war nun jedem klar, dass die UFC so schnell nirgendwo hingegen würde. MMA hatte mittlerweile weltweit regionale und beständige Promotions hervorgebracht. Gewachsen mit einer verlässlichen Fankultur. Dazu kam noch der Umstand, dass der Niedergang von Pride in Japan der UFC neue Talente und etablierte Stars (Wanderlei Silva, Mirko Filipovic, die Gebrüder Nogueiria, Shogun Rua, Rampage Jackson etc.) zutrieb. Aufkäufe von US-Konkurrenten wie Strikeforce und WEC stärkten das Roster der UFC weiter. Und mit Stars wie Ronda Rousey sowie Conor McGregor erfuhr die UFC endgültige Mainstream Akzeptanz.

Mittlerweile hat ZUFFA die UFC wieder verkauft. Nur Dana White fungiert nach wie vor als publikumswirksamer UFC-Präsident. Damals wurden die Fertitta-Brüder ausgelacht, als sie sich entschieden, die UFC zu kaufen. Gerade viele graue Eminenzen aus dem Boxen meinten damals, dass das kein gutes Geschäft werden könnte. Heute weiß man: Was die Fertitta-Brüder damals für zwei Millionen Dollar gekauft haben, konnten sie 2016 für 4,2 Milliarden Dollar an WME-IMG verkaufen. Keine schlechte Rendite! Innerhalb von nur einem Vierteljahrhundert, ist MMA zu einem etablierten Sport geworden. Eine Entwicklung, die derart rasch und konsequent ohne die UFC niemals denkbar gewesen wäre.

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