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Ausführlicher Abschlussbericht zur Vuelta Espana 2018

Bildquelle: By Pedro Semitiel from Cehegín, España (la-vuelta-2018-puerto-lumbreras-67) CC BY-SA 2.0 [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Die Vuelta 2018 ist zu Ende! Der Kampf um das rote Trikot und um die Bergwertung, er tobte bis zuletzt bei dieser traditionell sehr schweren Grand Tour. Dieser Abschlussbericht gibt den Überblick über alle Etappen seit dem letzten Ruhetag.

Rohan Dennis hat, wie bereits im Prolog, wieder seine Klasse als Zeitfahrer unter Beweis gestellt und dieses Zeitfahren souverän gewonnen. Simon Geschke (Sunweb) war wiederum stärkster Deutscher, der an diesem Tag die neunt-beste Zeit hinlegte. Er musste jedoch leider im weiteren Verlauf der Vuelta aufgeben, da er sich einen grippalen Infekt zuzog. Gewinner des Tages mit Blick auf das Gesamt-Klassement: Simon Yates, der seinen Vorsprung auf einige Rivalen ausbauen konnte und in Rot blieb. Steven Kruijswijk konnte ebenfalls Zeit gut machen und seine Distanz zu Yates verkürzen (Platz 3; 52 Sekunden hinter Yates). Auch Enric Mas konnte sich etwas herantasten (Platz 5; 1 Minute und 30 Sekunden hinter Yates). Eine wirklich klare Distanzierung brachte das Zeitfahren jedoch nicht. Diese Vuelta würde in den Bergen entschieden werden!

17. Etappe (und wieder in die Berge/Getxo - Balcón de Bizkaia/157 km)

Hier warteten sechs Bergwertungen (vier der 3. Kategorie, eine der 2. Kategorie und eine der 1. Kategorie). Ein sehr anspruchsvolles Etappenprofil, bei dem vier der sechs Bergwertungen im letzten Streckendrittel erfolgten. Viele Punkte für das Bergtrikot standen dementsprechend auf dem Spiel. Thomas de Gendt (Lotto Soudal) sicherte sich die Maximalpunkte für die erste Bergwertung. Er mischte wieder bei den Ausreißern mit.

Nach einigem hin und her formte sich eine über 20 Mann starke Ausreißergruppe. Darunter starke Fahrer, wie Michael Woods, Rafal Majka, Vincenzo Nibali, Dylan Teuns, Jesus Herrada, Ilnur Zakarin (Katusha Alpecin), David De La Cruz (Sky) etc. Mit Ambitionen für das Bergtrikot waren Thomas de Gendt und Bauke Mollema in der Gruppe, Benjamin King jedoch nicht! Ein deutlicher Hinweis darauf, dass Kings Form wohl nicht mehr die Beste war. Andernfalls hätte er sich diese Gelegenheit auf Punkte bei einer solch bergigen Etappe nie und nimmer nehmen lassen. Auch zwei Afrikaner waren vorne dabei: Merhawi Kudus und Amanuel Ghebreigzabhier (beide aus Eritrea, beide Dimension Data).

Thomas de Gendt mit starker Leistung

97 km vor dem Ziel betrug der Abstand der Ausreißer noch sieben Minuten. Dieser erhöhte sich im Lauf der nächsten 30 km noch über acht Minuten. Thomas de Gendt konnte sich zwischenzeitlich Maximalpunkte für eine weitere Bergwertung sichern. Mollema genau dahinter.

Team Mitchelton-Scott, um das rote Trikot von Simon Yates, machte nun Ernst! Das Peloton war auf der Jagd. Es ging auf die letzten vier Bergwertungen zu, die sich nahezu in Serie aneinander anschließen würden. In der großen Ausreißergruppe, die auch mehrere Etappensieger bei der diesjährigen Vuelta umfasste (Alessandro De Marchi, Alexandre Geniez und Simon Clarke) würde es wahrscheinlich auch bald, lebhaft werden. Der Vorsprung schmolz allerdings nur langsam. Losgehen würde es mit einem Anstieg der zweiten Kategorie. Dort ging die maximale Ausbeute an Punkten für das Bergtrikot wieder an de Gendt, der somit die Führung um das Bergtrikot übernahm.

Team Astana und Euskadi im direkten Duell

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Team Euskadi macht nun den Druck im Hauptfeld. Eine Frage der Ehre für die Basken, da die Etappe durch ihr Gebiet führte. Am nächsten Berg (Kategorie 3) machte dann jedoch Team Astana Betrieb. Die ersten Fahrer im Feld ließen nun abreißen und das mit noch drei Bergen vor der Brust! Thomas de Gendt kam wieder als Erster über die Kuppe, hinter ihm Mollema.

Danach ging es in rasanter Abfahrt weiter zum nächsten Berg der 3. Kategorie. Der Vorsprung zu diesem Zeitpunkt, 18,5 km vor dem Ziel, vier Minuten und 30 Sekunden. In der Abfahrt attackierten Simon Clarke und Alexandre Geniez. Sie wollten sich von der Gruppe absetzen. Doch mit 24 anderen Fahrern im Rücken, die nicht nur für eine Teilnehmerurkunde dabei waren, war das ein schwieriges Unterfangen. Bereits am nächsten und vorletzten Berg (3. Kategorie) wurde die Lücke wieder geschlossen. Doch in der Ausreißergruppe war nun richtig Unruhe drin. Ein Pokerspiel, in dem vor allem Vincenzo Nibali immer wieder vorne mitfuhr, um taktisch auf etwaige Attacken reagieren zu können. Der ehemalige Vuelta und Tour de France Sieger musste einfach als einer der Favoriten (in dieser Ausreißergruppe) gelten.

Team Astana verheizte seine Helfer

Auch im Feld wurde es spannend, denn viele der Favoriten hatten bereits ihre Helfer an den kleinen Bergen verheizt. Ein knallharter Kampf an der letzten Bergankunft der 1. Kategorie zeichnete sich ab! Immer noch Team Astana, die sich ihre Kräfte bis zum letzten Etappenaufschnitt aufgespart hatten, mit Druck im Hauptfeld. Die Ausreißergruppe blieb, trotz einiger Attacken, im Wesentlichen beisammen. Nur wenige Fahrer ließen hinten abreißen. Thomas de Gendt positionierte sich für den vorletzten Berg der 3. Kategorie und sackte auch dort die maximale Punktzahl ein. Allerdings konnte man davon ausgehen, dass er sein Pulver für einen Etappensieg somit wohl verschossen hatte.

Die Bergankunft der ersten Kategorie stand nun bevor. Ein Berg, der nahezu kontinuierlich ansteigen würde – bis hin zu knirschenden 24%! Sieben km vor dem Ziel waren die Ausreißer vier Minuten in Front. Die Ausreißergruppe dünnte sich nun langsam aber sicher aus. Derweil ein Sturz im Hauptfeld! Fabio Aru mit schmerzhaftem Sturz! Mit zerfetztem Trikot und blutigen Rücken fuhr er jedoch noch weiter.

Simon Yates mit Ziel vor Augen - Quintana mit Problemen

Während in der Ausreißergruppe bereits der Kampf um den Etappensieg entbrannte, waren dreieinhalb Minuten dahinter die Klassement Fahrer zugange. Immer noch Astana mit Druck, um Miguel Ángel López in aussichtsreiche Position zu bringen. Bei 4 km waren es noch etwa 14 Fahrer, die vorne mitfuhren. Doch nun wurde es richtig steil. 14% Steigung forderten Tribut! Woods und Teuns machten nun richtig Druck in der kontinuierlich schrumpfenden Spitzengruppe.

2,5 km vor dem Ziel ging es nun in den Schmerzbereich mit Steigungen über 20%! Simon Yates profitierte von seinem Teamkollegen und Bruder, Adam Yates, der noch mit ihm in der Gruppe der Klassement Fahrer fuhr und ihn unterstützen konnte. Yates widerstand einer Attacke von Valverde. Derweil hatte Nairo Quintana wieder mit Problemen zu kämpfen.

Woods mit Kraftleistung - Majkal attakierte

Die Ausreißer waren vorne mittlerweile auf vier Fahrer reduziert: Michael Woods, David de La Cruz, Dylan Teuns und Rafal Majkal. Es kam zu einer Attacke von De La Cruz, doch Woods blieb bei ihm! 1 km vor dem Ziel waren die vier Fahrer an der Spitze wieder beisammen. Majkal attackierte! Alles zog mit! Ein Vierkampf um den Etappensieg! Aus Woods Schatten attackierte Dylan Teuns!

Doch Michael Woods ging wieder in Front und distanzierte Teuns! Majkal und De La Cruz waren bereits abgeschlagen. Woods fuhr zum Sieg, doch fast hätte Teuns in wieder eingeholt. Massiver Nebel an der Zieleinfahrt ließ das Finale fast geisterhaft erscheinen. Viele der Ausreißer kamen folglich nach und nach drüber, ehe die Gruppe um die Klassement Fahrer eintraf.

López hatte an diesem Tag versucht, Yates zu distanzieren, was ihm jedoch nicht gelang. Allerdings zogen Alejandro Valverde und Enric Mas Yates davon, konnten ihm aber nur einige Sekunden nehmen. López, Kruijswijk und Quintana verloren Zeit.

Nach der Etappe hatte Yates nur noch 25 Sekunden auf Valverde. Und Enric Mas sprang auf Platz 3 im Gesamt-Klassement. Nun hatte sich endgültig bei Team Movistar herauskristallisiert, dass Valverde der eigentliche Klassement Fahrer sein sollte, da er gegenüber Quintana einfach die bessere und beständigere Form hatte – bisher zumindest.

18. Etappe (Sprinter dürfen wieder ran/Ejea de los Caballeros – Lleida/186,1 km)

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Nach den Strapazen der letzten fünf Etappen (vier Bergetappen, ein Zeitfahren) war diese Flachetappe wahrscheinlich nicht nur den Sprintern im Feld willkommen. Eine schnelle Etappe, die tatsächlich nicht nur flach, sondern oft leicht abschüssig war, versprach, dass nun wieder die Sprinter sich einen Etappensieg ausrechnen konnten. Die spannende Frage dabei: Was würden Valverde und sein Team Movistar tun? Würde er sein grünes Trikot behaupten oder sich mit Blick auf die folgenden beiden, und zweifelsohne entscheidenden, Bergetappen schonen?

Mit Jetse Bol (Burgos - BH), Jelle Wallays (Lotto - Soudal) und Sven Erik Bystrøm (UAE Team Emirates) konnte sich ein Dreigespann früh absetzen und somit die Ausreißergruppe des Tages bilden. Das Trio wurde vom Feld jedoch immer in Schlagweite gehalten, stets um die zwei Minuten Marke. Die Teams der Sprinter würden gewiss einen Teufel tun, sich diesen Tag nehmen zu lassen.

Ab 20 km fing das Feld an, den Abstand zu verringern. Wie viel hatten die Ausreißer noch im Tank? Bei 7,5 km waren es noch 45 Sekunden. Die Ausreißer, die jetzt alles gaben, immer noch mit Chancen?! Es wurde eng! Jetse Bol musste abreißen lassen, sodass Bystrøm und Wallays nur noch zu zweit vorne waren.

Das Feld holte immer noch auf, aber die beiden Ausreißer waren auch schnell unterwegs. Und so rasten die letzten Kilometer schnell dahin. Bei 4 km vor dem Ziel kam noch mal ein leichter Abstieg. Das Duo Wallays und Bystrøm witterte nun seine Chance. Hatte das Feld zulange gewartet, zu viel Zuversicht gehabt, die Ausreißer, die nie weiter als zweieinhalb Minuten weg waren, stellen zu können? Es schien so!

Es lief auf ein Drama hinaus! Das Feld kam auf der Zielgeraden angerauscht, doch zu spät! Die Sprinter schossen selber hervor, um die beiden Ausreißer noch zu stellen. Doch Wallays und dann Byström schossen über die Linie. Dicht hinter ihnen Peter Sagan, der sie fast noch eingeholt hätte.

Lange Zeit sah es nach einem Massensprint aus. Doch der Dienst nach Vorschrift nahm zum Ende eine überraschende Wendung! Zwei Ausreißer machten da einen dicken Strich durch die Rechnung. Sie zeigten den Teams der Sprinter in letzter Sekunde, direkt auf der Ziellinie, die lange Nase!

19. Etappe (letzte Bergankunft in Andorra/Lleida – Col de la Rabassa/154,4 km)

War die Etappe am Vortag eine willkommene Abwechslung, da sie ausschließlich flach und oft leicht abschüssig gewesen war, so war diese Etappe das genaue Gegenteil. Bereits ab Kilometer 25 stieg sie kontinuierlich an und das, obwohl es mit dem Col de la Rabassa nur eine einzige Bergwertung (1. Kategorie) gab, die auch zugleich die Bergankunft und das Etappenziel auf andorranischem Boden darstellte.

Simon Yates und sein Team Mitchelton Scott standen vor der Aufgabe, das rote Trikot über diese und die folgende Bergetappe zu bringen. Möglicher Vorteil für Yates: Er lebte und trainierte seit 2015 in Andorra und kannte die Strecke somit sehr gut.

Schon früh versuchten sich Ausreißer aus dem Feld zu lösen, doch dauerhaft konnte sich auf den ersten 39 km niemand absetzen. Jedoch war das Feld schon entsprechend früh genötigt, ein hohes Tempo zu gehen. Nach 40 km gelang es Michal Kwiatkowski (Team Sky), Simon Clarke (Education First) und Amanuel Ghebreigzabhier (Dimension Data) sich zu lösen. Doch auch sie ließ das Feld nie weiter als eine Minute ziehen. Gerade als das Feld wieder drauf und dran war, sie einzuholen, flogen die Attacken links und rechts. Das Feld, geführt von Movistar, wollte jedoch nichts zulassen, wodurch das Feld bereits 90 km vor dem Ziel extrem in die Länge gezogen war. Ein Indikator für das hohe Tempo.

Van Asbroeck, Castroviejo und Thomas setzen sich ab

75 km vor dem Ziel löst sich wiederum ein Dreiergespann, bestehend aus Tom Van Asbroeck (EF Education First), Jonathan Castroviejo (Team Sky) and Benjamin Thomas (Groupama-FDJ) und setzt sich eine Minute ab. Tom Van Asbroeck musste jedoch abreißen lassen, sodass nur noch das Duo Castroviejo und Thomas vorne blieb. Diese beiden konnten den Abstand in der Folge noch ein wenig ausbauen. 40 km vor dem Ziel waren es etwa 2 Minuten und 30 Sekunden. Größer wurde der Vorsprung jedoch nie. Zumal das Tempo im Hauptfeld enorm hoch war. Movistar drückte zwischendrin sogar so sehr auf die Tube, dass im Hauptfeld selbst kurzzeitig eine sichtbare Lücke entstanden war.

20 km vor dem Ziel war der Vorsprung des Spitzenduos unter eine Minute geschmolzen. Auch der Kampf um das grüne Trikot peitsche das Feld voran, da ein Zwischensprint anstand, ehe es auf den letzten 17 km hinauf in Richtung Bergankunft ging. Am Fuß eben dieses Berges wurden die Ausreißer gestellt. Sofort ging es steil bergauf (Steigungen um die 12%). Das Feld knallte direkt auseinander. Die Spitzengruppe, um die Klassement Fahrer war, zu Beginn circa 40 Mann stark, dünnte sich jedoch kontinuierlich aus, da die verbliebenen Movistar und LottoNL Jumbo Fahrer ein hohes Tempo abverlangten.

Yates mit dem Sprung in die Fahrerspitze

Bei 13 km vor dem Ziel attackierte Nairo Quintana. George Bennet und Steven Krujiswijk (beide LottoNl Jumbo) blieben mit dabei. Bennet ließ jedoch kurz darauf abreißen. Er hatte nur als Pacemaker für Krujiswijk gedient und seine Schuldigkeit getan. Doch Thibaut Pinot sprang zum Duo an der Spitze. Wo war Yates? Hatte er etwa nur Augen für Valverde? Keineswegs! Yates sprang zur Spitzengruppe.

Die Frage nun: Wo waren Valverde und Enric Mas? Beide waren Yates im Klassement am nächsten. Quintana ließ sich zurückfallen zur Gruppe um Valverde. Wohl um ihm auszuhelfen. War Valverde etwa angeschlagen oder sparte er sich sein Pulver für die finale Phase auf?

Fünf km vor dem Ziel war die Gruppe um Valverde und Mas über eine Minute hinter dem Spitzentrio (Pinot, Yates und Krujiswik). Irgendwo dazwischen: Wilco Keldermann (Sunweb). Zwei Kilometer vor dem Ziel war klar, dass der Etappensieger aus dem Trio Yates, Krujiswijk und Pinot kommen würde.

Valverde war für den Tag abgemeldet! Vorne ließ derweil Krujiswijk abreißen, sodass Pinot und Yates nur noch zu zweit waren. Doch Yates ließ Pinot gewähren, der sich die zweite Bergankunft bei der diesjährigen Vuelta sicherte. Aber Yates war der große Gewinner des Tages mit Blick auf das Klassement! Kurz danach kam Kruijswijk drüber, der auf Rang drei im Klassement springen konnte. Team Movistar hatte sich verzockt und viel investiert. Scheinbar zu viel!

20. Etappe (Klein aber gemein/Escaldes-Engordany – Collada de La Gallina/97,3km)

Mit nicht einmal 100 km Distanz war dieses Gastspiel in Andorra (abgesehen vom Zeitfahren) die kürzeste Etappe dieser Vuelta. Doch so sollte es an diesem Tag weiß Gott niemandem vorkommen. Denn diese Etappe bestand eigentlich nur aus Anstiegen und Abfahrten, die sich die Klinke in die Hand drückten. Sechs Bergwertungen reihten sich hintereinander ein! Los ging es mit einer Kategorie 2, dann dreimal hintereinander (!) Kategorie 1, ein Berg der 3. Kategorie, ehe es an den letzten Berg (Sonderkategorie!) ging. Eine vorletzte Etappe, die noch mal richtig hart wurde, und reichlich Gelegenheit bot, um das rote Trikot noch einmal schwer unter Druck zu setzen oder Plätze im Klassement gut zu machen!

Bereits an der ersten Bergwertung der 2. Kategorie zersplitterte das Fahrerfeld in etliche kleine Gruppen. Das Tempo war direkt weit oben. Mehrere Teams hatten Positionen im Klassement zu verteidigen bzw. zu erobern. Und auch die Frage um das Bergtrikot war noch unbeantwortet. Hier hatte Thomas de Gendt schon früh etwas zu sagen. Er positionierte sich vorne im lang gezogenen, zertrümmerten Fahrerfeld und attackierte während des Anstiegs. So sicherte er sich am ersten Berg des Tages (2. Kategorie) die Gesamtpunktzahl. In der Folge formte sich um ihn herum eine kleine Spitzengruppe. Darunter wiederum viele der üblichen Verdächtigen, die schon des Öfteren bei dieser Vuelta als Angreifer in Erscheinung getreten waren: Michael Woods, Michal Kwiatkowski, Rafal Majka, Vincenzo Nibali und auch der Rivale Nummer eins um das Bergtrikot, Bauke Mollema, durfte nicht fehlen. Dieser attackierte auch am nächsten Berg (1. Kategorie), doch de Gendt ließ sich auch diesen Berg nicht nehmen und eroberte somit wiederum die Maximalpunktzahl am ersten von drei aufeinanderfolgenden Bergen der 1. Kategorie.

Am nächsten Anstieg waren sechs Ausreißer ungefähr drei Minuten in Front. Im Verlauf desselben wuchs ihre Gruppe, da einige Verfolger aufschließen konnten, die Spitzengruppe um de Gendt und Mollema umfasste nun mehr als ein Dutzend Fahrer, darunter nun auch Herrada, Roche, Zakarin, De La Cruz und Kelderman. Eine wirklich starke Ausreißergruppe, die hier Gestalt annahm!

Im Laufe des Aufstiegs machte Team Astana nun Betrieb. Wohl um die Position von López im Klassement zu schützen. Denn vorne in der nun erstarkten Ausreißergruppe waren durchaus Fahrer, die noch in die Top 10 fahren konnten, wenn man sie zu weit gewähren ließ. Herrada attackierte vor der Bergwertung und ging als Erster rüber. Er kam somit als Erster an die längste Abfahrt des Tages, wurde im Laufe derselben aber wieder von der Ausreißergruppe geschluckt, diese umfasste nun 15 Mann, war aber aufgrund des Betriebs von Astana nur noch eine Minute in Front.

Quintana attackierte weiterhin und hat Probleme beseitigt

Bildquelle: By Pedro Semitiel from Cehegín, España (la-vuelta-2018-puerto-lumbreras-68) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Am nächsten Berg der 1. Kategorie schrumpfte die Ausreißergruppe dann rasch. Hinten griff Astana in Form von López an, der zu seinen Teamkollegen Cataldo und Fraile aufschloss, die beide in der Ausreißergruppe waren. Sie hatten sich also eigens hierfür positioniert! López wollte seinen Podiumsplatz zurück. Doch dafür würde er Enric Mas und Steven Kruijswik deutlich genug hinter sich lassen müssen. Kurz vor der Bergwertung war alles wieder beisammen, einschließlich der Ausreißer, doch Mollema konnte sicherstellen, dass er als Erster über Linie fuhr und sich die maximale Punktzahl für diese Bergwertung sichern. Allerdings war de Gendt das Bergtrikot bereits so gut wie sicher.

Quintana attackierte in der Abfahrt! 20 km vor dem Ziel begann der Anstieg am vorletzten Berg (3. Kategorie). Quintana und der zu ihm aufgerückte López kamen knapp vor der Spitzengruppe um Yates dort an. Simon Yates reagiert nach einer Weile und griff ebenfalls an! Bei ihm war auch Enric Mas, der López im Klassement auf Abstand halten wollte. López und Quintana waren zuerst in der letzten Abfahrt, dicht gefolgt von dem Duo Yates/Mas. Sie bildeten schließlich eine Vierergruppe, die zuerst auf die letzte Bergwertung dieser Vuelta fuhr, eine Bergwertung der Sonderkategorie! Mas und López waren in einem Kampf um den dritten Platz verstrickt. Steven Kruijswijk, dessen Podiumsplatz dadurch wackelte, in der Gruppe um Valverde, 30 Sekunden hinter dem Quartett an der Spitze.

Quintana ließ sich zurückfallen, um Valverde mitzunehmen. Derweil preschten Mas und López vorneweg. Yates ließ etwas abreißen und blieb dazwischen, war aber mit Blick auf sein rotes Trikot nach wie vor da, wo er sein musste – dicht hinter der Spitze. Valverde hingegen konnte wie schon am Vortag nicht mehr mithalten. Quintana zog ihn hoch, doch Movistars Ambitionen zerschellten an diesem letzten Berg. López und Mas konnten, bedingt durch den Einbruch von Valverde, plötzlich nicht nur Kruijswijks dritten Platz angreifen, sondern auch den Zweiten von Valverde!

Und so kam es zum Showdown zwischen den beiden talentierten Jungfahrern Enric Mas und Miguel Ángel López, den Mas im Schlussspurt für sich entscheiden konnte! Yates kam rund 20 Sekunden hinter ihnen ins Ziel und war somit faktisch der Gewinner des roten Trikots und somit der Vuelta 2018, da traditionell auf der letzten Etappe das rote Trikot nicht mehr angegriffen wird (nicht, dass es dafür Gelegenheiten gegeben hätte). Somit gab es in diesem Jahr den einmaligen Rekord, dass jede Grand Tour von einem anderen Briten gewonnen wurde. Eine geschichtlich bislang einmalige Konstellation, denn noch nie war es einer Nation bisher gelungen, vertreten durch drei unterschiedliche Fahrer, alle drei Grand Tours binnen einer Saison zu gewinnen. Mit dem Sieg der Vuelta 2018 war Simon Yates derjenige, der diesen Rekord für die Briten klarmachte. Bittere Etappe hingegen für Kruijswijk und Valverde, die beide am letzten Berg vom Podium gestoßen wurden.

21. Etappe (Einzug der Gladiatoren/Alcorcón – Madrid/100,9 km)

Die letzte Etappe, wie bei den Grand Tours üblich, war überwiegend eher ein Schaufahren, bei dem das rote Trikot traditionell nicht mehr angegriffen wurde. Spürbare Euphorie im Fahrerfeld, denn wer es bis hier geschafft hatte, der würde (wirklich unglückliche Stürze ausgenommen) die Vuelta zu Ende bringen. 158 Fahrer erfüllten sich diesen Traum.

Es gab zwar einige Versuche von Attacken, doch diese letzte Etappe gehörte den Sprintern! Und hier war es wiederum der italienische Meister und Ausnahmesprinter Elia Viviani (Quickstep), der sich zum dritten und letzten Mal bei dieser Vuelta im Massensprint durchsetzen konnte.

Hier noch einmal die Auszeichnungen im Überblick:

 

Hier noch einmal die Top 10 aus dem Gesamt-Klassement:

 

1. Simon Yates (Mitchelton-Scott) 82h 05' 58”

2. Enric Mas (Quick-Step Floors) +1' 46''

3. Miguel Ángel López (Astana) +2' 04''

4. Steven Kruijswijk (LottoNL-Jumbo) +2' 54''

5. Alejandro Valverde (Movistar) +4' 28''

6. Thibaut Pinot (Groupama - FDJ) +5' 57''

7. Rigoberto Urán (EF Education First–Drapac p/b Cannondale) +6' 07''

8. Nairo Quintana (Movistar) +6' 51''

9. Ion Izagirre (Bahrain-Merida) +11' 09''

10. Wilco Kelderman (Team Sunweb) +11' 11''

 

Bester Deutscher war Emanuel Buchmann (Bora Hansgrohe) der mit +14' 06'' auf Platz 12 die Vuelta stark abschloss. Mit diesem Ergebnis hat nicht jeder gerechnet, umso erfreulicher für Buchmann, der seine starke Leistung mit dieser Platzierung krönen konnte.

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