Formel 1: Vettel gewinnt Wahnsinns-Rennen in Bahrain hauchdünn vor Bottas

Der Bahrain GP 2018 bot Spannung, Action und Vettel als Sieger

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Sebastian Vettel gewinnt auch das zweite Saisonrennen der Formel 1 und legte damit einen Traumstart hin. Doch der Sieg beim packenden Großen Preis von Bahrain vor der Konkurrenz aus dem Mercedes-Lager war hauchdünn und hing am seidenen Fasen. Auf letzter Rille schleppte sich der Ferrari-Star ins Ziel. Überschattet wurde das Wüstenrennen von einem schweren Unfall in der Ferrari-Box, wo ein Mechaniker beim Reifenwechsel verletzt wurde.

Der Große Preis von Bahrain war nichts für schwache Nerven. Als Sebastian Vettel die Ziellinie nach einem spannenden Reifenpoker im Flutlicht-Spektakel unter Feuerwerk als Erster überquerte, hatte der Heppenheimer gerade einmal 0,699 Sekunden Vorsprung vor Valtteri Bottas. Der Start-Ziel-Sieg des deutschen Ferrari-Piloten war eine echte Zitterpartie und einer waghalsigen Reifenstrategie der Scuderia zu verdanken.

 Entsprechend erleichtert schrie Vettel nach der Zieldurchfahrt über den Boxenfunk: „Diese Reifen waren die letzten zehn Runden hinüber, völlig hinüber, Mamma Mia! Wir hatten nichts zu verlieren, und am Ende reichte es geradeso. Valtteri gingen die Runden aus.“

Damit hat Sebastian Vettel nach zwei Rennen und zwei Siegen die Maximalausbeute von 50 Punkte auf dem Konto und seinen Vorsprung auf Titelverteidiger Lewis Hamilton, der als Neunter ins Rennen ging und nach starke fahrerischer und taktischer Leistung noch Dritter beim Wüsten-Rennen wurde, weiter ausgebaut. Der Mercedes-Superstar hat 33 Zähler. Für Vettel war es zugleich der vierte Sieg in Bahrain, womit er alleiniger Rekordsieger ist. Darüber hinaus hat Vettel erstmals seit seiner Zeit bei Ferrari zwei Rennen in Folge gewonnen.

Ferrari-Drama um Räikkönen – Mechaniker bei Reifenwechsel verletzt

Während für den deutschen Wüsten-König der Abend in Bahrain perfekt verlief, sorgte sein Teamkollege Kimi Räikkönen für ein Boxenstopp-Drama. Denn der Finne fuhr bereits los, als an seinem Boliden noch linken Hinterrad gearbeitet wurde. Der betroffene Mechaniker brach sich bei diesem Unglück das linke Bein und für den 'Iceman' war das Rennen nach dem unvollständigen Stopp vorzeitig beendet. Räikkönen traf um Unfall aber keine Schuld, da ihm das Zeichen zum Losfahren gegeben wurde. „Wenn es grün ist, fahre ich los. Ich kann leider nicht sehen, was hinter mir passiert“, sagte er nach dem bedauerlichen Vorfall. “Unglücklicherweise hat er sich dabei verletzt. Aber mein Job ist es bei Grün loszufahren. Das ist natürlich eine sehr unglückliche Geschichte.“

Nico Hülkenberg belegte indes in seinem Renault einen starken 6. Platz, dagegen musste das hoch gehandelte Team von Red Bull ein echtes Debakel verdauen, da sowohl Max Verstappen und Daniel Ricciardo schon bis zur dritten Runde ausgeschieden waren.

Kollision zwischen Verstappen & Hamilton

Polesetter Vettel konnte beim Start seine Führung behaupten, allerdings schob sich Valtteri Bottas an Rräikkönen vorbei und brachte Ferrari damit frühzeitig um eine taktische Option, in der man Räikkönen als 'Bremsklotz' hätte nutzen können. Das kam allerdings der Spannung zugute. Hamilton, der nach einem Getriebewechsels mit einer Fünf-Plätze-Strafe belegt wurde und nur vom Startplatz neun ins Rennen ging, lieferte sich indes gleich mit Verstappen, der gewohnt aggressiv und kompromisslos agierte, ein Duell. Der Niederländer konnte Hamilton zwar überholen, raste dabei aber mit seinem linken Hinterrad über den Frontflügel des Silberpfeils und schlitzte sich dabei den Reifen auf. Zudem wurde Riccardio von einem technischen Defekt heimgesucht und musste seinen Renault in Runde zwei an den Streckenrand abstelle. Kurz darauf war auch für Verstappen Schluss und Hamilton hatte für seine Aufholjagd zwei starke Konkurrenten weniger.

Im Fernduell mit dem Führenden Vettel konnte Lewis Hamilton schnell Boden gut machen, wobei der Weltmeister bei einem Überholmanöver gleich an drei Fahrern (!) vorbei jagte – darunter Hülkenberg und Fernando Alsonso. Hamilton kämpfte sich auf Rang vier vor und lag 13 Sekunden hinter Vettel, sodass sich die unterschiedlichen Reifen- und Boxen-Strategien von Ferrari und Mercedes zum entscheidenden Faktor wurden. Vettel und Räikkönen waren auf den weichen Supersofts unterwegs und kamen frühzeitig zum Reifenwechsel. Hamilton hatte sich hingegen für die etwas härteten Softreifen entscheiden und blieb länger auf der Strecke. Beide Mercedes-Piloten bauten auf die Ein-Stopp-Strategie und holten sich dabei Medium-Reifen ab.

Vettels Reifen-Mut wird belohnt

Somit ging die Rechnerei bei Ferrari los und die alles entscheidende Frage war, ob er einen ausreichend großen Vorsprung herausfahren würde, um nach dem zweiten Stopp wieder vor Hamilton rauszukommen? Doch nach dem Unfall bei Räikkönnen entschied sich Vettel, auf seinen weichen Pneus durchfahren. Er musste sein ganzes Können abrufen, da die Reifen immer mehr abbauten und vor allem Bottas gefährlich nahe kam. Während Hamilton für eine Attacke zu weit weg war, lieferten sich Vettel und Bottas einen packenden Showdown in der letzten Runde. Der Finne machte gewaltigen Druck, konnte den Spitzenreiter aber nicht überholen und Vettel wurde für seinen riskanten Poker und großen Mut belohnt.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff war nach dem Verpassen des möglichen Siegs geknickt: „Es wäre mehr drin gewesen am Ende. Ein Rennen so knapp zu verlieren ist einfach ärgerlich. Der Reifen hat sich am Ende als sehr robust erwiesen. Vielleicht hätte man zwischendurch ein bisschen mehr Gas geben können.“

Schon am kommenden Wochenende (13. bis 15. April) geht es in der Formel 1 mit dem China Grand Prix weiter.