2. Liga: Unions Aufstiegsträume wären noch am Leben, wenn . . .


Wahre Tabelle zeigt Aufstiegsträume vom 1. FC Union Berlin

Bildquelle: Christian Liebscher (Platte) (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Dass es im Fußball nicht immer gerecht zugeht, beweist das Portal Wahretabelle.de Jahr für Jahr. So auch im Fall vom 1. FC Union Berlin. Zweifelsfrei ist der Klub längst im ruhigen Fahrwasser angekommen, was sich auch mit dem 4. Platz in der jüngst abgelaufenen Saison widerspiegelt. Welch ein Erfolg für den Klub aus Berlins Südosten, allerdings trauern Fans und Mannschaft dem verpassten Aufstieg hinter her.

Kein Wunder, wenn man nach dem 25. Spieltag plötzlich die Tabellenführung übernommen hat und die Fans lautstark „Scheiße, wir steigen auf!“ skandierten und so gleichzeitig auf ironische Weise ihren Stolz, die Liebe zum Verein und die daraus resultierende bedingungslose Unterstützung für die Mannschaft zum Ausdruck brachte. Was wäre passiert, wenn es tatsächlich zum Aufstieg gekommen wäre oder zumindest für die Relegation gereicht hätte?

Beim 1. FC Union Berlin ist halt einiges anders als bei anderen Vereinen. Union ist Kult, anders als beim Charlottenburger Nachbarn, wo man zwar von Europa träumt, aber nicht immer auf die Unterstützung der Fans hoffen kann. Als Hertha BSC am vergangenen Spieltag mit 0:4 gegen Bayer Leverkusen zurücklag, verließen deutlich sichtbar einige Zuschauer vorzeitig das Stadion.

Im Stadion an der Alten Försterei wäre dies undenkbar. Solche Nuancen machen den Unterschied zwischen beiden Fan-Lagern aus. Wir schweifen allerdings ein wenig ab, denn wie der Titel es schon andeutet: „Unions Aufstiegsträume wären noch am Leben am Leben erhalten, wenn . . .“, geht es heute um die scheinbar zahlreichen Fehlentscheidungen seitens der Schiedsrichter und deren Folgen.

Nicht selten hört man auf der Waldseite oder auch in anderen Blöcken, dass der DFB bzw. die DFL einen Ostklub nicht unbedingt in der Bundesliga sehen möchte. Es ist sicherlich Frust dabei, wenn man Spieltag für Spieltag mit anschauen muss, wie klare Elfmeter, Freistöße oder auch reguläre Tore nicht gegeben werden. Mit Blick auf die Auswertung auf Wahretabelle.de lässt sich schnell herausfinden, dass die Eisernen zumindest nach dem 33. Spieltag auf Platz 3 der Tabelle stehen müssten.

Unions Relegationsduell gegen den FC Augsburg

Allerdings wird hier auch deutlich sichtbar, dass Union Berlin gar nicht so stark verpfiffen wurde, wie es im Stadion oftmals den Anschein machte. So hatte der Klub zum besagten Zeitpunkt sogar 2 Punkte mehr auf der Habenseite. Schaut man sich aber die offizielle Tabelle im Vergleich zur „wahren Tabelle“ genauer an, so erkennt man auch, dass Eintracht Braunschweig satte 10 Punkte zu viel auf dem Konto hatte.

Dies bedeutet, dass das Team von Trainer Jens Keller nach dem 33. Spieltag auf Platz 3 hätte stehen müssen (58 Punkte), während Eintracht Braunschweig auf Platz 4 stünde (56 Punkte). Somit hätten die Köpenicker am letzten Spieltag zwar keine Chance mehr auf einen direkten Aufstiegsplatz, da Hannover 96 mit 64 Punkten satte 6 Punkte Vorsprung gehabt hätte, aber man würde sich nun auf das Herzschlagfinale in der Relegation freuen. Gegner hier wäre eigentlich der FC Augsburg, der in der „wahren Tabelle“ auf Platz 16 landen würde.

Die Eisernen sind nicht gescheitert - im Gegenteil, sie gewannen unglaublich viel

Wie dem auch sei, Union Berlin hatte es selbst in der Hand. Auch wenn einige Fans das nicht gerne hören wollen, aber die Punkte wurden in anderen Partien liegen gelassen. Zwar verlor man die drei Spiele gegen die direkte Konkurrenz, aber hätte das Team seinen Stiefel herunter gespielt, dann stünde man jetzt mindestens auf Platz 3.

Die vermeidbare Niederlage im Heimspiel gegen Aue (0:1), die 0:1-Niederlage gegen Heidenheim am 33. Spieltag, während Arminia Bielefeld die Niedersachsen aus Braunschweig mit 6:0 abfertigte, wodurch man sich noch eine sehr große Chance zum Aufstieg bewahrt hätte, sind nur ein paar Beispiele, woran es schlussendlich scheiterte.

An dieser Stelle von einem Scheitern der Mannschaft zu sprechen wäre nicht gerecht. Es wurden sagenhafte 60 Punkte eingefahren. 50 Tore geschossen und insgesamt 18 Siege gefeiert. Die Belohnung ist der 4. Platz in der 2. Liga. Die beste Leistung seit Teilnahme im Unterhaus der Bundesliga. Auch wenn Vereins-Legende Torsten „Tusche“ Mattuschka zum verpassten Aufstieg seines ehemaligen Klubs meinte: „Das ist wie Vögeln, ohne zu kommen“, so ganz unrecht hat er damit nicht. Die Eisernen erhielten sehr viel mediale Aufmerksamkeit, die dem gesamten Verein gut zu Gesicht steht. Aus der abgelaufenen Saison muss man nun Kraft ziehen, neue Erkenntnisse mitnehmen und Hoffnung auf einen zweiten Anlauf schöpfen.

Zejnullahu vor dem Absprung - Neuer Anlauf mit Hartel und Gogia

Für Unions-Trainer Jens Keller sollte die vergangene Saison Ansporn genug sein, um erneut ein schlagkräftiges Team auf die Beine zu stellen, um in der kommenden Saison erneut anzugreifen. Wahrscheinlich werden sieben Spieler die Eisernen verlassen: Puncec, Pogatetz, Nikci, Thiel, Korte, Kessel und voraussichtlich auch Eroll Zejnullahu. Schade, denn vor allem der 22-jährige Zejnullahu kommt nicht an Felix Kroos und Damir Kreilach vorbei. Mit Marcel Hartel vom 1. FC Köln und Akaki Gogia bekäme das Eigengewächs zudem weitere Konkurrenz vorgesetzt.

In den kommenden Wochen und Monaten werden die Verantwortlichen viel Zeit haben, um den Markt zu sondieren, damit es in der nächsten Saison abermals um den Aufstieg geht. Ein Klub mit Seele gehört zweifelsfrei in die Beletage des deutschen Fußballs. Bis dahin hat man Zeit, die geforderten Umbaumaßnahmen am Stadion durchzuführen, um so die Lizenz für die Bundesliga schlussendlich auch ohne Auflagen zu erhalten.